Mein Wort zum Sonntag: Was bedeutet "Integration"?
Mein Wort zum Sonntag: Was bedeutet "Integration"?Foto-Quelle: lassedesignen - Fotolia

Mein Wort zum Sonntag: Was bedeutet "Integration"?

News Team
Beitrag von News Team

Viel zu lange hat die Bundesregierung das Problem der Integration von Menschen aus einer anderen Kultur vernachlässigt. Was kann die Politik tun, damit Flüchtlinge, Ausländer und Asylanten sich in Deutschland wohl fühlen und etwas zur Kultur ihres Gastlandes beitragen?
Das "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" hat im Jahr 2009 einen Bericht veröffentlicht, in dem die Lage von Ausländern in Deutschland ausführlich analysiert und mit den Bedingungen der einheimischen Bevölkerung verglichen wurde. Obwohl der Bericht veraltet ist, treffen die meisten Schlussfolgerungen noch zu. Was die Forscher fanden, ist eher erschreckend. Nicht nur für die Ausländer, deren Integration durch viel Umstände erschwert wird - auch für Deutschland selbst.
Dabei erhebt sich zunächst die Frage: Wann ist jemand integriert, wann nicht? Einfache Antwort: Wer von Sozialhilfe lebt, ist nicht integriert, doch das trifft auch für viele Deutsche zu. Fragen wir lieber, warum die Integration in vielen Fällen nicht geglückt ist.

Integrations-Hindernis 1: Die Vision einer multikulturellen Gesellschaft

Da hat erst mal die Politik und die allgemeine Auffassung der Gesellschaft ein gerütteltes Maß an Verantwortung. Beispiel: Die Vision einer multikulturellen Gesellschaft, in der jede Herkunftsgruppe unbeeinflusst ihre Eigenart ausleben sollte. So eine Einstellung ließ echte Integration nie zu, sondern stärkte das Leben in jenen Parallelgesellschaften, in denen sich die Unterschichten der Großstädte konzentrieren. Aber auch die jahrelange Verweigerung, Bleibewilligen die Staatsbürgerschaft anzubieten, ließ viele Ausländer außen vor. Und schließlich das „Rückkehrförderungsgesetz“ der 1980er Jahre: Wer heimkehrt, kriegt Geld. Doch das nutzte nur denjenigen, die ohnedies Deutschland verlassen wollten. Dafür fehlten Förderungen und Forderungen, wie sie etwa in Kanada oder in anderen erfolgreichen Einwanderungsländern üblich sind: Kinder erhalten schon im Kindergarten Sprachunterricht; ausländische Berufs- und Hochschulabschlüsse werden zügig anerkannt; wer freiwillige Sozialarbeit leistet, verkürzt die Zeit bis zur Erlangung der Staatsbürgerschaft. All das fehlte und fehlt immer noch in Deutschland.

Integrations-Hindernis 2: Bürokratie

Es hat auch keinen Zweck, diejenigen zu verfolgen oder zu bestrafen, die sich nicht integrieren wollen oder können. Viel wichtiger wäre es, den Arbeits- und Integrationswilligen die Möglichkeit zu geben, ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. So stellt der erwähnt Bericht fest, dass Zuwanderer aus afrikanischen und aus arabischen Ländern zur Hälfte ungebildete Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge sind, die andere Hälfte aber aus gebildeten und motivierten Menschen besteht. Und deren Talente verkümmern, dank einer erdrückenden Bürokratie.

Integrations-Hindernis 3: Sprachprobleme

Natürlich haben nicht nur die Deutschen Schuld, wenn Ausländer Ausländer bleiben und nur noch in Parallelgesellschaften leben. Da handeln unterschiedliche Völker ganz unterschiedlich. Niemand beklagt sich über nicht-integrierte Vietnamesen oder russische Juden. Aber, wie der Bericht feststellt: Mit Abstand am schlechtesten integriert ist die Gruppe mit türkischem Hintergrund. Zwar sind die meisten schon lange im Land, aber ihre Herkunft, oft aus wenig entwickelten Gebieten im Osten der Türkei, wirkt sich bis heute aus: Als einstige Gastarbeiter kamen sie häufig ohne Schul- oder Berufsabschluss, und auch die jüngere Generation lässt wenig Bildungsmotivation erkennen. Die in Deutschland geborenen Türken haben zwar doppelt so häufig das Abitur wie die selbst Zugewanderten, aber selbst der hoffnungsvolle Wert der Jüngeren liegt immer noch zu 50 Prozent unter dem Niveau der Einheimischen. Die hohe Erwerbslosigkeit unter den selbst Zugewanderten bleibt bei den Jüngeren bestehen.

Integrations-Hindernis 4: Ehen untereinander

Und der Bericht fährt fort: Weil es vor allem in Städten so viele sind, fällt es ihnen leicht, unter sich zu bleiben. Das erschwert besonders den Frauen, die häufig nicht erwerbstätig sind, die deutsche Sprache zu erlernen. Damit fehlt auch den Kindern eine wesentliche Voraussetzung für gute Integration. Ebenso kommt die Vermischung mit der Mehrheitsgesellschaft, die in den anderen Gruppen stetig voranschreitet, bei Personen mit türkischem Hintergrund kaum voran: 93 Prozent der in Deutschland geborenen Verheirateten führen eine Ehe mit Personen der gleichen Herkunftsgruppe. Parallelgesellschaften, die einer Angleichung der Lebensverhältnisse im Wege stehen, sind die Folge.
Wir haben noch immer nicht gelernt, diese Menschen zu integrieren. Wie werden wir dann mit Zuwanderern aus Rumänien und Bulgarien umgehen, die keine Ausbildung haben und auch keine Möglichkeit, in Deutschland wirklich anzukommen?
http://www.berlin-institut.org/