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hart und überhaupt nicht fair - macht Geld die Pflege besser

16.04.2014, 17:18 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

zur Sendung "hart aber fair - macht Geld die Pflege besser" vom 14.4.2014 nehme ich wie folgt Stellung:

Es ist bedauerlich, dass gerade unsere “öffentlich rechtlichen” Fernsehsender sich wie die Bezahlsender in Allgemeinplätzen ergehen. Pflege hat mehr verdient. Das Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) beinhaltet eine Paragraphen (§ 28 ), der sowohl die Würde des Pflegebedürftigen als auch die Würde des Pflegenden schützen soll. Doch wird gerade dieser wichtige und wesentliche Paragraph von jenen mit Füßen getreten, die eigentlich für seine Anwendung sorgen sollen – der öffentlichen Hand und den Pflegekassen. Um dies deutlich zu machen hier ein paar Zahlen:

1. Die derzeitigen Personalschlüssel decken sich in ganz Deutschland nicht mit den Vorschriften des Gesetzes. Ein Pflegebedürftiger benötigt zur Genehmigung der Pflegestufe 2 einen Mindestpflegebedarf von 120 Minuten in 24 Stunden für die Bereiche Körperpflege, Essen und Trinken, Ausscheidung und Mobilität. Die Kostenträger – die für die Pflegesätze verantwortlich zeichnen – genehmigen aber nur 112 Minuten in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit den höchsten Personalschlüsseln. Damit wird in Pflegestufe 2 die Forderung der aktivierenden (menschenwürdigen) Pflege des SGB XI um mindestens 7 % unterschritten. Es ist also nur eine Funktionspflege möglich!
Ein Pflegebedürftiger benötigt zur Genehmigung der Pflegestufe 3 einen Mindestpflegebedarf von 240 Minuten in 24 Stunden für die Bereiche Körperpflege, Essen und Trinken, Ausscheidung und Mobilität.. Die Kostenträger – die für die Pflegesätze verantwortlich zeichnen – genehmigen aber nur 153 Minuten in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit den höchsten Personalschlüsseln. Damit wird in Pflegestufe 3 die Forderung der aktivierenden (menschenwürdigen) Pflege des SGB XI um mindestens 37 % unterschritten. Es ist also rein theoretisch nur eine Funktionspflege möglich! Diese Situation wird noch verschärft durch

2. den Umstand, dass das mit diesen genehmigten Zeiten zusätzlich ohne Entgelt die Behandlungspflege erbringen muss, ein Minus von 10 %,

3. ohne Entgelt die sozialpflegerische Betreuung zu erbringen ist, weitere 10 – 15 % sowie

4. die umfangreichen Dokumentationspflichten, die von Jahr zu Jahr ausgeweitet werden.

Dokumentiert nachweisbar erbringen Pflegekräfte ca. 40 % ihrer erforderlichen Tätigkeiten OHNE ENTGELT.

Hinzu kommt, dass Pflegkräften, die nicht in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, von den verantwortlichen Kostenträgern Gehälter mit ca. 25 % Abschlag zugestanden werden.

Dass wir heute eine Pflegepersonalmangel haben, verdanken wir der systematischen Ausbeutung der Pflegekräfte, die bisher schon am Rande ihrer Belastbarkeit gearbeitet haben, weil sie ihre soziale Verantwortung leben. Seit einiger Zeit brechen immer mehr Pflegekräfte zusammen und sind für diesen wertvollen Beruf für immer verloren. Weder Ausbildungsinitiativen noch die Rekrutierung aus dem Ausland werden diese Situation ändern, weil die Verantwortlichen bis heute nicht begriffen haben, dass die unzureichenden Personalschlüssel für diese systematische Vernichtung von Ressourcen verantwortlich ist.

Ja, MEHR PERSONAL wäre die Lösung. Aber dazu bedarf es mehr finanzielle Mittel, selbst bei der derzeitigen weit verbreiteten Unterbezahlung der Pflegekräfte.

Johannes Paetzold

http://www.altenpflege-heute.com

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