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Die "Tagesschau" im neuen Gewand: Millionenschweres Breitformat

Die "Tagesschau" im neuen Gewand: Millionenschweres Breitformat

Bernd Berke
24.04.2014, 17:54 Uhr
Beitrag von Bernd Berke

Das war sie also: die allererste ARD-„Tagesschau“ aus dem neuen Hamburger Studio, das rund 23,8 Millionen Euro Gebührengeld gekostet hat. Und wie war’s jetzt? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Nun, die journalistische Qualität ist mit dem neuen Design erwartungsgemäß nicht explodiert. Wie denn auch? Wir sehen jetzt aber Teile der Nachrichten gleichsam im Breitformat, in Cinemascope, um einen altmodischen Kinobegriff zu verwenden.

18 Meter lange Bildwand

Zu diesem Zweck gibt’s nun eine fast 18 Meter breite (!) Bildwand an der Rückseite des Studios, die so manches sinnvolle oder auch unsinnige Panorama ermöglichen soll. In der Debütsendung, die von Chefsprecher Jan Hofer präsentiert wurde, kam diese Errungenschaft nur im pompösen Vorspann zum Einsatz.

Die eingeblendeten Fotos ziehen sich jetzt also über die ganze Bildschirmbreite und erhalten deutlichere Schlagzeilen. Auch wird das „Tagesschau“-Logo mehr betont als vorher. Man will schließlich ein unverwechselbares Markenzeichen bleiben.

Ist das nicht Gebührenverschwendung?

Man möchte lieber nicht wissen, was die Designer für ihre immer wieder modifizierten Entwürfe und Realisierungen kassiert haben. Oder will man’s vielleicht doch wissen? Jedenfalls ist das neue Studiomobiliar in seiner keimfrei futuristischen Art recht monströs geraten. Ob's hässlich ist, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen.

Man möchte erst recht nicht wissen, was die ARD für die Stimme ausgegeben hat, deren Trägerin Claudia Urbschat-Mingues heißt und die nun allabendlich sagt: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der ‚Tagesschau’“. Es handelt sich nämlich um die deutsche Synchronstimme des Filmstars Angelina Jolie, mit der die TV-Gewaltigen einen „Exklusivvertrag“ abgeschlossen haben. Für einen einzigen Satz...

Man möchte es nicht wissen, weil man dann eventuell ziemlich zornig werden könnte über eine solche Gebührenverschwendung. Dabei klagen sie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern doch allenthalben über Sparzwänge. Für das Flaggschiff „Tagesschau“ und die "Tagesthemen", die ab sofort ebenfalls aus dem neuen Studio kommen, haben diese Zwänge wohl nicht gegolten.

In den "Tagesthemen" um 23:15 Uhr wurde die Dominanz der Bilder noch viel deutlicher. Wie verloren Thomas Roth als Ganzkörper-Moderator vor dem riesenhaft aufgeplusterten Berliner Stadtschloss stand... Und ausgerechnet in dieser Ausgabe machte man sich über Verschwendung in der Hauptstadt lustig.

Emotionen, Emotionen...

Man wolle „Emotionen“ betonen, hat es im Vorfeld geheißen. Das (große) Bild soll demnach noch mehr Gewicht erhalten und den Zuschauer auch schon mal überwältigen. Man ahnt schon, welche Zwänge dabei entstehen, unter welchen Druck sich die „Tagesschau“-Macher setzen werden. Schon bisher (das haben Studien belegt) hatte man nach einer „Tagesschau“-Ausgabe mehr Bilder als Nachrichten-Inhalte im Kopf. Dieser ungute Effekt wird sich noch steigern.

Ein altes Ritual

Ob man so das angestrebte jüngere Publikum erreicht? Man darf es bezweifeln. Zuschauer-Umfragen hatten übrigens ergeben, dass die Mehrheit sich gar keine großartigen Veränderungen an der „Tagesschau“ wünscht. Diese altgediente Institution ist – vor allem für ältere Menschen – ein Ritual. Und an Ritualen zurrt man nicht ständig herum. Wir wissen es, seit der legendäre Sprecher Karl-Heinz Köpcke es eines Tages wagte, vor der Kamera einen Bart zu tragen. Damals erregte sich die Nation. Doch solche Emotionen weckt die „Tagesschau“ schon längst nicht mehr; ganz egal, in welchem Studio.

Wie findet Ihr die neue Aufmachung der Tagesschau?

Gut, die Sendung wird dadurch dynamischer und moderner.
34.6 %
Unnötig, die Sendung war gut, so wie sie war.
65.4 %
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10 Kommentare

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Sonja Bissbort
Ehrlich gesagt, ich schaue schon lange aus Prinzip keine Tagesschau und dergleichen. Bad news sell? Wer will eigentlich wirklich noch hören, was gerade wo wieder Schlimmes passiert? Hier wird eine Institution gepusht, die nichts zum Leben der Menschen beiträgt. Mit Millionen Euros, die "man" besser einem guten Zweck zur Verfügung gestellt hätte. Was tun? Ausschalten, wegzappen, einfach gar nicht erst einschalten - dann können sie ihre schlechten Nachrichten für sich behalten und sich endlich mal ernsthafte Gedanken über ihren öffentlich-rechtlichen (Bildungs- und Meinungsbildungs-)Auftrag machen.
  • 23.04.2014, 14:36 Uhr
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Ich habe zig Jahre Tagesschau gehört der Anfing mit einem Tonschlüpfer beim ersten Anfang. Der ist jetzt beseitigt, das war das erste was mir auffiel.
Mann muss aktuel bleiben, etwas neues ist okay. In Niederlande wandern die pro Tema von Kreuz zu Kreuz auf den Boden. dann wird es unruhig werden.
  • 22.04.2014, 09:45 Uhr
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Ich muss die Horrorszenarien nicht im Großformat haben. Ganz im Gegenteil, oft schalte ich um, weil ich sie nicht ertrage .
  • 22.04.2014, 09:03 Uhr
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Hauptsache Ihr bezahlt eure Gebühren ordentlich.
dann können die einfach teuer weiterspielen
Ich kündige die gerade!
mal sehen was passiert
  • 20.04.2014, 11:34 Uhr
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Das neue Tagesschau Studio finde ich ganz gut. Es ist der Zeit und dem Stand der Technik angepaßt. Ob ich die Moderatoren halb oder ganz sehe ist für mich nicht interessant, (d.h. vollkommen schnuppe. ) Wichtig sind die Nachrichten und Informationen aus aller Welt !!! Nur die Kosten der Umstellung von 23,8 Mill. sind für mich völlig unverständlich, wenn eigentlich gespart werden soll. Auch die Kosten für eine neue Begrüßungsstimme , ob das notwendig war bezweifele ich, aber wir Gebührenzahler werden ja dabei nicht gefragt. Mit etwas weniger Aufwand wär das alte Studio für die Nachrichtenübermittlung genauso gut.
  • 20.04.2014, 11:30 Uhr
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Reine Geldverschwendung, auch schon bei ZDF!
  • 20.04.2014, 11:23 Uhr
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Was nützt die neue Verpackung, wenn der Inhalt sich nicht ändert.
Alter Wein in neuen Schläuchen sag ich mal.
Das ganze von den Zwangsgebühren bezahlt.
  • 20.04.2014, 11:20 Uhr
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der Zeit angemessen und nicht ohne auf Traditionen verzichten zu müssen. Wie jedoch ein so hoher finanzieller betrag zustande kommt, kann ich mir nicht erklären.....
  • 20.04.2014, 10:55 Uhr
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Früher reichten 5 m² um "Nachrichten" zu verbreiten. Heute müssen es über 300 m² sein um denn nur mehr Schlagzeilen mit dem Hinweis, mehr Informationen finden sie im Internet, zu verkünden. Erst waren es 30 MInuten, heute gerade einmal ohne das billige BlaBla dazwischen 10 Minuten, denn jede "Nachricht" muß ja "mundgerecht" übergeleitet werden. Hierfür hat man also die Quasi-Steuer mit Namen Rundfunkgebühr eingerichtet. 20 Mio. nur um zu protzen. Na ja dafür ist das Programm immer schlechter geworden. Auf dem Haupt und seinen Nebensendern nur mehr Wiederholungen der Wiederholungen der wiederholten Wiederholungen und ansonsten Filme die bereits zehn und mehr Jahre alt sind.
  • 20.04.2014, 10:45 Uhr
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Mit Brustbild,konnte man zu wenig Mode-Werbung kreativ zeigen,vor allen Dingen die Damen der Tagesschau.
  • 20.04.2014, 10:33 Uhr
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