wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Früher war alles besser!?

Früher war alles besser!?

24.04.2014, 17:44 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Früher war alles besser! So sagten es nicht nur manche Bewohner der neuen Bundesländer nachdem vieles für sie umgestellt wurde, sondern so reden nicht selten auch Senioren, die die Last der Zeit oder des Alters tragen. Aber wie war es denn nun?

War es besser als die Waschmaschine noch mehr Programme hatte als der Fernseher und man zum Umschalten aufstehen musste, obwohl es sich vielleicht gar nicht lohnte? War das noch eine schöne Zeit, als den Motorsportfreunden das Herz durch den Geruch des bleihaltigen, schädlichen Benzins höher schlagen ließ?
Aber vielleicht war es doch schöner für den Straßenbauarbeiter, der u.U. schon mit 50 in Rente gehen konnte, weil er noch nicht tonnenschwere Lasten mit einem kleinen Joystick über eine Hydraulik heben konnte, sondern durch die körperliche Schwerarbeit kaputte Knochen hatte.
Aber vielleicht war es ja wenigstens beim Apotheker leichter, der vor etlichen Jahrzehnten noch keine unendliche Listen von Arzneien mit dem Computer erfassen musste, weil es noch nicht so vieles Verschiedenes gab. Und gegen manche Krankheiten gab es ja auch noch gar nichts.
Und wie war die Zeit der D-Mark. War die nicht besser? Vieles war einfach billiger als heute. - Nur komisch, dass wir uns heute eher mehr als weniger leisten können. War früher wirklich alles besser? Warum reden manche so, aber wollten doch nicht zurück, selbst wenn sie könnten?!

Was wurde eigentlich anders?

Natürlich ist die Zeit komplexer geworden. Die Informationsflut scheint zu erschlagen. Der heutige Abiturient hat das Wissen eines Hochschulprofessors aus dem Mittelalter – sagt man. Für jemanden, der nicht mehr auf Neues erpicht ist, ist das Muss zur Veränderung unangenehm, geschweige denn das viele Neue, was eine computerisierte und globalisierte Welt mit sich bringt. So war es eben früher einfacher – aber wohl nur aus heutiger (!) Sicht. Geklagt hat mancher Senior vielleicht früher auch schon. Schon Sokrates schimpfte über veränderte Zeiten und die zunehmend verrohende Jugend.

Und jetzt?

Wir sind uns als Erwachsene im fortgeschrittenen Alter zwar unserer gewonnenen Lebenserfahrung bewusst geworden, einschließlich der Möglichkeit des Vergleichs zwischen damals und heute. Aber die Tatsache, dass wir mit dieser Aussage, ‚Früher war alles besser!‘, eigentlich jung mit alt vergleichen, also eher Äpfel mit Birnen, übersehen wir leicht.
Wer jung ist, hat in der Regel weniger Mühe mit Neuem als die ältere Generation. Außerdem hatte er gefühlt eine fast unendliche Zukunft vor sich, die versprach, das in der Zukunft alles besser wird. Zwar ist diese illusorische Seifenblase mit dem Alter geplatzt, aber man schaute nach vorn. Wohin aber soll der Senior blicken, woher soll er seine Hoffnung nehmen, die jeder Mensch als starken Lebensmotor braucht? Oder soll man die undifferenzierte Behauptung, dass früher alles besser war, stützen und sich auch noch das jetzige Leben unnötig madig machen und dem (inneren) Miesmacher stets neue Nahrung bieten?

9 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich denke Früher ist kein Zeitbegriff, sondern der Zustand vom glücklich sein.
Wer heute unglücklich ist und von Früher spricht, denkt an Momente in denen er sich leichter gefühlt hat.
  • 24.04.2014, 20:11 Uhr
auch ein interessanter Gedanke, Margarethe.
  • 24.04.2014, 23:41 Uhr
Ich komme aus den neuen Bundesländern, um mal deinen Wortschatz aufzugreifen.
Die Mauer hätte erst gar nicht hochgezogen werden dürfen - ich war froh, dass sie überhaupt noch zerbrach.
Aber wenn ich an meine große Liebe denke und wir uns gemeinsam am Alex oder anderswo in Berlin trafen, dann war früher schöner
...ohne ihn bin ich auf dem Alex allein
  • 25.04.2014, 08:38 Uhr
Damit gibt es dann die große Herausforderung, jeder Lebensphase etwas Gutes abzugewinnen, es zu entdecken, was vielleicht erst ganz neu entdeckt werden muss, weil - im Gegensatz zu Phasen des Jung- und Verliebtseins - das Gute nicht so offensichtlich ist.
Aber natürlich - es ist wie schon Salomo sagte, dass Tage kommen, die einem weniger gefallen.
Aber ist es nicht auch der Vergleich mit etwas anderem, mit anderen Zeiten, anderen Menschen und Umständen, die es einem schwerer machen können, Gutes aus der jetzigen Situation zu entdecken?
  • 25.04.2014, 09:37 Uhr
Ganz bestimmt Michael, nur jagt die Bürokratie, die menschen so sehr, dass sie nur in schwarz weiß denken könen. Sie kommen nicht zu sich selbst und das ist gewollt
  • 25.04.2014, 09:48 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Früher war eben nicht alles besser , nur anders.
Als ich vor 50 Jahren in die Lehre kam , habe genau so viel gearbeitet wie zum Schluss meiner Lebensarbeitszeit.
Aber was hat sich wirklich geändert ?
Vor 50 Jahren musste ich auf das Mindesthaltbarkeitsdatum genau so achten wie Heute. Heute muss ich Rechnungen und Ware manuell kontrollieren wie früher .
Die Tageskasse und die Monatsabrechnung wurde mit Kopfrechnen erstellt. Mitunter musste drei mal nachgerechnet werden.
Heute erleichtert der Computer die Arbeit ungemein. Also es ist besser als früher .
Rechnungen und Ware kontrollieren , Ware im Lager ein - und auslagern , ohne Computer früher sehr mühselig.
Auch besser als früher.
Die Zwischenmenschlichkeit ?
Die war früher auch nicht besser als Heute.
Ich habe früher und heute gute Chefs und Kollegen erlebt , wie auch schlechte.
Sicherlich kennt ihr aus euren Berufen auch viele Beispiele .
  • 24.04.2014, 18:48 Uhr
Danke für die Bestätigung.
  • 24.04.2014, 18:51 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren