Chronisch kranke Pflege
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Chronisch kranke Pflege

Beitrag von wize.life-Nutzer

Empörung aller Orten. Wieder einmal wurde ein Pflegeskandal aufgedeckt. Und reflexartig kam die Forderung nach mehr Geld. Aber Hallo! Zahlen muss das nicht der Staat, sondern die Arbeitnehmer und das gleich zweifach, durch eigene Beiträge, die vom Lohn abgezogen werden und letztlich durch geringere Einkommen, den das Geld, das die Unternehmen beitragen, führt mit dazu, dass es in den Jahren der Regierung Merkel praktisch keine nennenwerten Einkommensverbesserungen gab, von den Spitzenverdienern abgesehen.

Wer wirklich das Pflegesystem verbessern will, muss eine ehrliche Diskussion führen. Aber Mut ist ein Begriff, der im Berliner Politsprech vergessen wurde. Da wird über das Thema "Mindestlohn" - er steht schon in fast allen Tarifverträgen - monatlang diskutiert. Die Arbeitsministerin feiertsich selbst und sieht zu, wie unser Sozialsystem an die Wand fährt, wirtschaftlich gemeint. Im sozialen Traumland Schweden hat man dies schon hinter sich. Folge: viele Leistungen der Kassen wurden für Patienten über 70 Jahren radikal gestrichen. So zahlt die Kasse keine Hüftoperationen mehr. Und es gibt Wartezeiten, die manche Patienten überleben. Makaber.

"Hund beisst Mann" ist keine Schlagzeile. Aber "Mann beisst Hund" würde es in die Tagesschau bringen. Dieses Prinzip gilt leider auch für die Berichterstattung über die Pflege. Sicher sind die Zustände in vielen Heimen kritikwürdig. Aber mit einem Sensationsbericht alle Pflegeeinrichtungen in den Generalverdacht zu bringen ist nicht minder problematisch.

Wer verdient schon was er verdient

Der Ruf nach mehr Kohle ist verständlich, wer will nicht mehr auf seinem Konto haben. Dies gilt auch für die Heimleitungen, die bei Tariferhöhungen am meisten profitieren. Wer als Putzkraft beispielsweise 1000.- Euro im Monat bekommt, erhält bei einer Tarifaufbesserung von 5 % 50 Euro mehr. Heimleiter, die schon mal 10.000 Euro einstreichen erhalten gleich 500 Euro mehr. Das nur nebenbei. Grundsätzöich gilt sicher: mit mehr Geld allein lässt sich das Problem nicht lösen.

Nur ein Beispiel: Rettungssanitäter verdienen deutlich weniger als ausgebildete Altenpflegerinnen. Doch die Hilfsorganisationen haben keine Personalsorgen. Denn die öffentliche Anerkennung, die Rettungskräfte geniessen, macht den Beruf attraktiv. Studien belegen, das Krankenschwestern und Altenpflegerinnen ein verborgenes Gefühl der Minderwertigkeit haben. In den Klinken werden sie von den Ärzten als zweitrangig behandelt, in den Pflegeheimen wissen die massenhaft vertretenen Sozialpädagogen theoretisch alles besser, auch wenn sie sich hinter ihrem Schreitisch langweilen. Dieses sicher offenkundig ungünstige Berufsprestige führt dazu, dass mit hohen Kosten ausgebildeten Schwestern nur wenige Jahre in ihrer Branche bleiben. Hinzu kommen familienfeindliche Arbeitszeiten und wenig Teilzeitangebote, weil sich niemand ernsthaft um die Mitarbeiterinnen kümmert. Die Führungskräfte haben so manches gelernt, aber Mitarbeiter- und Kundenorientierte Erfahrungen fehlen
häufig. Da ist das Glaubensbekenntnis oftmals wichtiger.

Unfähiges Management


Schaut man sich die Struktur der Sozaibetriebe an, dann erkennt man schnell, das die Sache vom Kopf her stinkt. Es fehlen führungsstarke, wirtschaftlich denkende Spitzenkräfte. Würde sich die Wirtschaft ähnliches leisten, wäre Deutschland schon längst pleite. Aber im Sozialbereich darf jeder Verein fast unkontrolliert vor sich hinwursteln. Qualitätskontrolle - ein Witz. Die amtliche Aufsicht droht ihr Kommen schon Wochen vorher an, da lässt sich dann ein schönes Schauspiel organisieren. Interne Massnahmen gegen ungeeignetes Personal werden häufig unterlassen, weil man den Konflikt vor dem Arbeitsgericht scheut.

Am Ärgerlichsten ist es - wie im Münchner Beispiel der RTL-Reportage - wenn die Führungsspitze mit einem Parteipolitiker besetz ist. Auch wenn er dank der erfolgreichen Postenstrategie der Grünen im Stadtrat auf dieses Sessel kam, ist nicht automatisch garantiert. das er von der Sache etwas versteht. Jedenfalls: das System leistet sich einen gigantischen Wasserkopf. Es wären viele Wirtschaftsreserven zu nutzen, dies käme den Patienten zu gute.

Pflege kann schon auf den Nerv gehen


Die Sensationsberichte haben einen großen Nachteil. Sie stellen die Welt so dar, als seien die Heime die Vorstufe der Hölle und alle Patienten Heilige. Auch ältere Patienten können ihren Betreuern schwer auf den Nerv gehen und behandeln sie wie den letzten Dreck. Familenangehörige, die sich zwar nicht um ihre Eltern kümmern, werden auch schnell frech und wälzen ihr schlechtes Gewissen auf die gestresste Pflegerinnen ab. Das kann Fehler nicht entschuldigen, aber bei der Beurteilung der Vorfälle etwas duldsamer die Dinge zu sehen. Schlimm sind dann die Verallgemeinerungen. In den meisten Einrichtungen wird solide gearbeitet. Doch insgesamt gelingt es nicht genügend junge Leute für diese Berufe zu gewinnen. Da sammeln sich dann mehr schwarze Schafe als in anderen Wirtschaftszweigen. Und herbeizaubern lassen sich eben nicht genügend Nachwuchskräft. Wahrscheinlich würde keiner
von den besonders kritischen Lautsprechern seine Sprösslinge anhalten, in den Pflegeberuf zu
gehen.

Welche Häuser sind empfehlenswert

Vor dem Hintergrund der modischen Berichterstattung über Missstände, stellen viele die Frage, welches Haus in der Großstadt München ist gut. Ein bundesweit anerkannter Fachmann sagt einem auf diese Frage, für München könne man dies nicht beantworten, weil es auf die jeweiligen Abteilungen ankomme. Und da sei die Personalfluktuation so stark, dass sich die Qualität schlagartig verschlechtern kann. Um sicher zu gehen, so der Ratschlag, solle man sich ein Haus in der Region suchen. Dort würden vielfach gestandene Hausfrauen arbeiten, die stresserprobter sind und jeder Fehler sofort die Runde macht. Das kann sich kein Betreiber leisten. Seltsamerweise können diese Häuser wirtschaftlicher arbeiten und berechnen Pflegesätze die 30 bis 40 Prozent günstiger sind, als in vergleichbaren Einrichtungen in den Ballungszentren. Aber die Angehörigen, die anstandsweise einmal im Jahr zum Besuch anrücken müssen, da lockt ja doch ein schönes Erbe, scheuen die längere Anfahrt und nehmen lieber eine nahegelegene Schrottbude in Kauf.

Ethik oder Monethik


Langsam dämmert in Deutschland mit seinem exotischen Sozialwesen - im internationalen Vergleich
gesehen - die Erkenntnis, dass es hier um Geld geht, um viel Geld. Es wird zwar von den Leistungsanbietern viel von Ethik geredet, aber letztlich geht es nur um Monethik. Diese Marktlücke wird zusehens von privaten Unternehmern erkannt, die wie auch bei Kliniken wirtschaftlicher
und kundenfreundlicher arbeiten. So hat beispielsweise ein zum Pflegekonzern heranwachsender Betreibereine Führungsstruktur, in der es in der Geschäftsleitung eine Direktorin gibt, die nur für das Wohl der Patienten zuständig ist. Sie kommt aus einem großen Hotel und war dort schon für die Kundenbetreung zuständig. Die Dame stellt jeden Mitarbeiter sofort in den Senkel, der nicht freundlich und verständlich gegenüber den Patienten ist. Da scheut man vor Kündigungen auch nicht zurück. Aber um auf den verantwortlichen Chef im Münchner stadteigenem Haus zurück zu kommen. Um ihn braucht man sich keine Sorgen zu machen.
In der Privatwirtschaft müsste er seinen Hut nehmen. Er aber darf auf den Schutz seiner grünen Parteifreunde berechtigt hoffen.

Privat wird verleumdet

Die kommunalen und caritativen Monopolisten erzählen gerne Schauermärchen über private Einrichtungen. Im Krankenhausbereich hat sich aber mittlerweile gezeigt, dass sich privatrechtliche
Anbieter im Wettbewerb durchsetzen und einen immer besseren Ruf geniessen. Sicher kann es auch in
diesem Bereich zu Missständen kommen. Aber medizinische Durchblicker geben unter der Hand schon den Rat, wenn der Sanka sie in eine städtische Klink bringt, schauen sie, das sie schnellsten in ein Universitätskrankenhaus kommen oder in eine solide privatrechtliche Einrichtung. Dieser Trend wird sich
jetzt auch verstärkt im Pflegebereich durchsetzen. Und Wettbewerb schadet nie.

Lichtblicke

Schließlich sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, das die medizinische Forschung doch in absehbarer Zeit Mittel und Wege findet, die Demezerkrankung wenigstens stoppen. Wenn heute also fernsehsüchtige
Professoren mit ihrer absoluten Selbstherrlichkeit verkünden, wieviele Pflegebedürfte es ist etwa in 20 Jahren gibt, dann darf man diese Zahlen schon anzweifeln. Wer so selbstgerecht in die Zukunft blicken kann müsste auch Lottomillinär sein, weil er ja allwissend ist. Man erinnere sich nur, wie schnell es der Pharmaindustrie gelungen ist, wirkungsvolle Präperate gegen Aids zu entwickeln. Das hat keiner der Schlaumeier und Schwarzmaler vorgesagt. Weltweit gerechnet gibt die Pharmabranche und die Medizintechnik Billionen für Forschung aus und es werden auch laufend schier sensationelle Medikamente
und Techniken entwickelt, die aber gerade von den gesetzlichen Krankenkassen todgeschwiegen werden, weil sie enorm teuer sind. Lieber propagiert man Nordik Walking als Vorbeugung gegen alle Erkrankungen.
Zwei Stöcke sind billiger als beispielsweise eine neue Operationstechnik für das Knie (Oxfort-Verfahren)
bei dem man vier Tagen nach der Operation ohne Krücken die Klinik verlassen kann. Man darf auch hoffen.

Karl Jörg Wohlhüter