Talkmaster Günther Jauch
Talkmaster Günther JauchFoto-Quelle: © ARD/Marco Grob

Angst vor "ISIS" und all den anderen: Günther Jauchs Runde über islamistischen Terror

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Ganz gleich, was für ein Thema Günther Jauch (ARD) anpackt, man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass er in erster Linie auf die Quote schielt. Jetzt ging es um die islamistische Terror-Gruppierung „ISIS“, die in Syrien und neuerdings im Irak ihr brutales Unwesen treibt. Inzwischen stehen die fanatischen ISIS-Kämpfer vor Bagdad.

Wenn man sich die Entwicklungen vor Augen führt, kann einem wirklich angst und bange werden. Inzwischen gelten selbst die Terroristen von Al-Quaida als Vertreter einer „gemäßigten“ Richtung – verglichen etwa mit Boko Haram (Nigeria), Al Shabaab (Somalia) oder eben ISIS, die islamische Gottesstaaten erzwingen wollen und vor keiner noch so abstrusen Gewalttat zurückschrecken.

Nur an der Oberfläche kratzen

So konnten die Herrschaften, die Jauch versammelt hatte, denn auch unablässig Alarm schlagen. Was der CDU-Politiker Norbert Röttgen in der Runde verloren hatte, wollte sich nicht so recht erschließen. Aber bitte, er braucht sicherlich gelegentlich ein größeres Podium.

Zumindest emotional weitaus näher am Thema war die aus dem Irak stammende Dunja Hayali, die übrigens das ZDF-Morgenmagazin moderiert. Der nicht näher bezeichnete „Terrorismus-Experte“ Guido Steinberg steuerte ebenso einige erhellende Details bei wie der vor Jahresfrist in Syrien schwer verletzte ARD-Korrespondent Jörg Armbruster oder Jan van Aken (Linkspartei), der sich in Syrien umgesehen hat. Doch insgesamt konnte man in der einstündigen Sendezeit bloß an der Oberfläche kratzen. Dass Jauch seine Themen auf immer gleiche Art anrichten lässt, trug auch nicht zur genaueren Analyse bei.

Komplizierte Gemengelage

Die Gemengelage ist ja auch ungemein komplizert. Das Spektrum reichte von Kritik an Saudi-Arabien, der Türkei, (natürlich) den USA und der korrupten irakischen Regierung über den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten und deutsche Waffenlieferungen in den Nahen Osten (die irgendwann auch bei Terrorgruppen landen), bis zu jenen jungen Deutschen, die womöglich als radikalisierte „Gotteskrieger“ aus Syrien zurückkehren und hierzulande Anschläge verüben könnten.

Wozu Isis und andere Gruppen fähig sind, wurde - mit einer Art Angstlust - schaudernd skizziert. „Wer sind diese brutalen Gotteskrieger?“, lautete die eher rhetorische Frage vor einem der üblichen Einspielfilmchen. Wer Fragen auf diese „alternativlos“ zugespitzte Weise stellt, ist an einer differenzierten Antwort vielleicht gar nicht mehr sonderlich interessiert. Auch im Interesse unserer Sicherheit wären aber möglichst präzise (und eventuell unliebsame) Befunde wünschenswert.