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Studie zeigt: Wer sich arm fühlt, wird eher krank

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Armutsempfinden beeinflusst Gesundheit älterer Menschen massiv – VdK: Politik muss gegensteuern


Wer wenig Geld hat, wird eher krank und stirbt früher. Das ist schon lange wissenschaftlich belegt. Doch auch, wer sich arm fühlt, bekommt schneller gesundheitliche Probleme. Wie stark das persönliche Armutsempfinden die Gesundheit von über 50-Jährigen beeinflusst, haben Forscher des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin (WZB) nachgewiesen.

Die Wissenschaftler untersuchten die Ergebnisse des „Survey of Health, Aging and Retirement in Europe“ (SHARE), einer repräsentativen Befragung über einen Zeitraum von vier Jahren von Personen im Alter 50plus aus zwölf europäischen Ländern.

Drei Dimensionen

Sie stellten drei Dimensionen von Armut heraus: die Armut nach Einkommen, nach Vermögen und nach subjektiver Einschätzung. Neben der gefühlten Armut verschlechtert demnach auch die Vermögensarmut den Gesundheitszustand. Wer über 50 ist und kaum oder wenig Vermögen hat, erkrankt deutlich häufiger und erholt sich nach einer Krankheit langsamer. Laut Studie erkranken 38 Prozent der älteren Menschen, die sich selbst als arm einschätzen, deutlich häufiger. Auch die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, ist bei ihnen weitaus höher, bei Männern dieser Altersgruppe um 40 Prozent.

Für den Sozialverband VdK sind diese neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse Grund genug, nicht in seinen Forderungen an die Politik nachzulassen. „Es gibt immer mehr Rentnerinnen und Rentner, die in Altersarmut leben. Hier muss die Politik endlich gegensteuern, damit nicht immer mehr Menschen nach einem Leben voller Arbeit auf Grundsicherung angewiesen sind“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Der Teufelskreislauf „Krankheit macht arm“ und „Armut macht krank“ müsse endlich gestoppt werden. Statt der einseitigen Belastung der Versicherten durch Zuzahlungen und Zusatzbeiträge müssten die Kosten wieder von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im selben Maße getragen werden.

Bereits seit 30 Jahren belegen zahlreiche empirische Studien, dass Armut sich auch auf den Gesundheitszustand der Menschen auswirkt. Für den Sozialverband VdK eine besorgniserregende Entwicklung. „Gesundheit muss für alle bezahlbar bleiben“, heißt eine der Kernforderungen des VdK. „Der gesundheitspolitische Kurs der Bundesregierung der letzten Jahre hat die negative Entwicklung verschärft“, so Mascher. Solidarität sei das wichtigste Grundprinzip des Gesundheitssystems.

Zuzahlungen belasten

Doch zunehmend würden bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Ältere, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderung oder Einkommensschwache abgehängt. Auf deren Versorgung sei das Gesundheitssystem kaum eingestellt. Schon jetzt gebe es viele ältere Menschen, die von ihrer niedrigen Rente oder ihrem geringen Einkommen die Mittel für diverse Zuzahlungen bei Brillen, Zahnersatz, physiotherapeutischen und ärztlichen Leistungen nicht aufbringen können. „Auch für Prävention und Vorsorge wird zu wenig getan“, kritisiert Mascher. Gerade einmal 3,87 Euro pro Versichertem werden von den Krankenkassen in vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen investiert.

Die Politik müsse sicherstellen, dass es deutlich mehr und gezieltere Präventionsmaßnahmen vor allem für Arbeitnehmer, Kinder, Ältere und sozial benachteiligte Menschen gibt. (Ines Klut)

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