Denglisch auf dem Vormarsch – warum sprechen wir nur noch Klümpchendeutsch?
Denglisch auf dem Vormarsch – warum sprechen wir nur noch Klümpchendeutsch?

Denglisch auf dem Vormarsch – warum sprechen wir nur noch Klümpchendeutsch?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Warum verwenden wir eigentlich ohne Not so viele Anglizismen? Für viele englische Begriffe gibt es durchaus wohl klingende deutsche Worte. Doch Englisch klingt natürlich sehr viel „cooler“ – so multikultiviert und globalisiert.

Ist zwar Quatsch, klingt aber gut
Haben Sie sich gut amüsiert beim „Public Viewing“? In Deutschland dürfen Sie das. In den USA wird es nicht so gerne gesehen, denn dort ist damit die öffentliche Aufbahrung von Leichen im Sarg gemeint. Zu ähnlichen Irritationen könnte es kommen, wenn ein deutscher Unternehmer sich dem englischen Kollegen als „undertaker“ vorstellt. Klingt so nahe liegend und vertraut, heißt aber eigentlich „Totengräber“.

Viele Anglizismen sind inzwischen so geläufig, dass wir sie verwenden, ohne ihren Sinn überhaupt noch zu hinterfragen. Die meisten entstehen nur deswegen, weil Werbestrategen griffige Begriffe einführen, die einfach irgendwie besser klingen als das deutsche Original.

Denglisch für Fortgeschrittene: das Handy
Richtig absurd wird es, wenn deutsche Worte verwenden, die in der englischen Sprache so gar nicht vorkommen. Das "Handy" zum Beispiel. Im Englischen existiert der Ausdruck zwar auch, meint aber einfach, dass etwas gut in der Hand liegt. Handlich eben. Praktisch und nützlich.

Briten und Amerikaner telefonieren nicht mit dem Handy, sondern mit dem mobile phone. Handy ist typisch Denglisch. Klingt zwar nach englisch, ist aber eine deutsche Erfindung. Wäre es deutsch, müsste es ja „Händi“ heißen. 1996 schrieb die Gesellschaft für deutsche Sprache sogar einen Wettbewerb aus, um ein echtes deutsches Wort dafür zu finden. Unter anderem wurden folgende Vorschläge eingereicht: Anrufli, Foni, Mobi, Nervi, Rufli, Ohrly… Es ist also kein Wunder, das sich der Begriff „Handy“ trotz allem so hartnäckig hält.

Sprache ist Macht und Macht ist sexy
Es wird wohl niemand etwas gegen die Übernahme einzelner Ausdrücke einzuwenden haben, wenn sie besonders treffend und sinnvoll sind. Doch viele Deutsche benutzen die englische Sprache wie eine Art Aushängeschild. Sie demonstrieren damit, dass sie besonders cool sind und vor allem so kosmopolitisch.

Englisch ist die Sprache der Globalisierung, die Sprache der Macht. Und viele Menschen identifizieren sich eben nach wie vor gerne mit denen, die sie für stark und groß halten. Sie sprechen sogar ihre Sprache, um sich selbst stärker zu fühlen. Von echtem Selbstbewusstsein zeugt das nicht.