Pflegeproblem rollt auf Kommunen zu
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Pflegeproblem rollt auf Kommunen zu

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Sozialverband VdK: Örtliche Versorgungsstrukturen müssen angepasst werden

Die Zahl der Pflegebedürftigen – Ende 2011 waren es rund 2,5 Millionen – steigt unaufhörlich. Im Jahr 2030 könnte sie sich bereits verdoppelt haben. Für die Kommunen bringt das erhebliche Probleme mit sich, denn Pflege findet immer vor Ort statt. Deshalb ruft der Sozialverband VdK die politischen Entscheidungsträger zum Handeln auf.

Eine zukunftsfähige Pflege beginnt für den VdK beispielsweise bei der kommunalen Planung. „Städte und Landkreise müssen eine Bestandsaufnahme der Wohn- und Lebenssituation sowie des Bedarfs der Bürger an sozialen Wohn-, Pflege-, Versorgungs- und Dienstleistungsangeboten vornehmen“, fordert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Die Erkenntnisse müssten dann in ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept einfließen.

Derzeit seien noch 95 Prozent der älteren Menschen mit erheblichen Barrieren in ihrer Wohnung konfrontiert. Barrierefreiheit müsse deshalb ein vorrangiges Ziel der kommunalen Wohnungspolitik werden. Dazu gehören auch ein altersgerechtes Wohnumfeld und ein gut ausgebauter, behindertengerechter Nahverkehr.

Kosten explodieren

„Wer heute als älterer Mensch auf Pflege angewiesen ist und keine altersgerecht ausgestattete Wohnung hat, ist oft gezwungen, in ein Pflegeheim zu ziehen, weil eine ambulante Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist“, kritisiert die VdK-Präsidentin. Das lasse die Kosten explodieren, zumal die Kommunen derzeit auch für die „Hilfe zur Pflege“ aufkommen müssen, wenn das Einkommen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen nicht ausreicht.

Deshalb müssten dringend Alternativen zur teuersten Versorgungsform, dem Pflegeheim, entwickelt werden. „Das ist ja auch das, was sich die Menschen wünschen. Sie wollen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben“, so Ulrike Mascher. Deshalb müssten Kurzzeit- und Tagespflegeangebote, ambulante Pflege, betreutes Wohnen und alternative Wohnformen weiterentwickelt werden.

Die Kommunen, Kirchengemeinden und Vereine seien darüber hinaus gefordert, Nachbarschaftshilfe und ehrenamtliches Engagement zu unterstützen. „Um die Vereinsamung älterer Menschen zu verhindern, sind soziale Netzwerke im Wohnumfeld wie Begegnungsstätten, Bildungs- und Freizeitangebote wichtig“, so die VdK-Präsidentin. Die Kommunen müssten auch dafür sorgen, dass das Angebot an Wohn- und Pflegeberatung ausgebaut wird.

Wohnberatungsstellen und Pflegestützpunkte sollten künftig auch mobil beraten und Ratsuchende in den Wohnungen aufsuchen. Der VdK ruft die Kommunen dazu auf, beim Thema Pflege vorausschauend zu handeln. „Der VdK ist bundesweit ein gefragter Ansprechpartner und gern bereit, sich vor Ort an den Lösungen auf kommunaler Ebene zu beteiligen“, so Ulrike Mascher.
Ein Film zum Thema „Aufgaben der Kommune im Rahmen der Pflege“ ist im VdK-TV, dem Videoportal des Sozialverbands, unter www.vdktv.de kostenlos und jederzeit abrufbar. (Ines Klut)

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