Mein Wort zum Sonntag: Wie lange lassen wir uns noch bespitzeln?
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Mein Wort zum Sonntag: Wie lange lassen wir uns noch bespitzeln?

News Team
Beitrag von News Team

Immer mehr Abhörskandale erschüttern das Vertrauen der Bürger in die Politik und in unseren Großen Bruder USA. Wo führt das noch hin? Und was sollen wir tun?
In Kriegszeiten war Spionage ein todeswürdiges Verbrechen, vom Gegner aus gesehen. Wer erwischt wurde, der wurde hingerichtet, selbst dann, wenn er gar kein Spion war, so wie die Sängerin Mata Hari, die fälschlicherweise der Spionage bezichtigt und ohne viel Federlesens erschossen wurde. Dann brach der Frieden aus, dafür begann der kalte Krieg, und Spione waren wieder gefragt. Zuletzt wurde Spionage von den Amerikanern industrialisiert, so wie die Massenproduktion von Autos durch Henry Ford. Nur dass jetzt keine Waren produziert wurden, sondern Informationen – automatisch, möglichst viele. Und so wird alles abgehört, die Gespräche gewaltbereiter Terroristen (so sie sich zu erkennen geben) ebenso wie die Abschiedsgrüße der Kanzlerin an ihren Mann (oder ihre Einkaufsliste).
Wie haben Sie reagiert, als Sie das mit dem Handy der Kanzlerin erfuhren? In die staatsbürgerlich gebotene moralische Empörung mischte sich bei mir ein Hauch von Schadenfreude. Aha, nicht mal die Großkopferten werden verschont, vor der NSA sind alle gleich. Wie erfreulich, endlich mal wahre Demokratie. Und die Kanzlerin, die mächtigste Person im Staate, soll jetzt schauen, wie sie aus dem Schlammassel rauskommt. Aber hat nicht der normale Bürger immense Nachteile von der allgegenwärtigen Spionage? Vielleicht; gemerkt hat er noch nichts davon. Die Zeiten der Inquisition, der katholischen, faschistischen und kommunistischen, sind bei uns vorbei. Vor allem: Die Schrecken der Inquisition, der Hexenprozesse, der Hinrichtungen in der Nazizeit, hatten ihre Ursache fast nie in der Tätigkeit der jeweiligen Geheimdienste. Es waren immer Denunziationen von missgünstigen Nachbarn und Blockwarten, die Hexen auf den Scheiterhaufen, die Mitglieder der Weißen Rose aufs Schafott und unschuldige Bürger vor sowjetische Erschießungskommandos brachten.
Die wahren Übeltäter sind nicht die Algorithmen und sonstigen Geheimnisse irgendwelcher Nachrichtgendienste, denn die werden in Zukunft immer schneller aufgedeckt werden. Die wahren Übeltätet sind wir, die Menschen. Heutzutage werden Lügen und Verleumdungen über das Internet verbreitet, ganz ohne Geheimdienste, Zensur oder Eingriffsmöglichkeiten. Mit zuweilen tödlichen Folgen.
Natürlich ist es für eine kleine Firma ziemlich übel, wenn ihre Produktionsgeheimnisse durch Wirtschaftsspionage über den Großen Teich gelangen. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Amerikaner das, was eine Mittelstandsfirma herstellt, selber bauen können. Zudem geht hier die große Gefahr nicht von den USA aus, sondern von China.
Dagegen merke ich die Überwachung durch Google, Facebook oder Amazon nur gelegentlich, wenn ich von Amazon wieder mal eine Empfehlung bekomme: „Auf Grund Ihres Kaufs der Ware X könnten Sie auch Interesse an folgenden Produkten haben: …“ Und die schaue ich mir immer gerne an, denn Amazon kennt inzwischen meinen Geschmack besser als ich.