DNA, DER NÄCHSTE SCHRITT ZUM 'GLÄSERNEN MENSCHEN'?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Genforschung entwickelt sich rasant, Genomdaten werden teilweise in öffentlich zugänglichen Datenbanken bzw. in 'Controlled Access-Datenbanken' mit eingeschränktem Nutzerkreis gespeichert. Beide Datenspeicher-Typen sind bereits unentbehrlich für die medizinische Forschung. Bei der Suche nach Krankheitsursachen oder Therapiemöglichkeiten beziehen Forscher häufig die genetische Konstitution der Patienten mit ein. Gleichzeitig bearbeiten sie oft sehr komplexe Fragestellungen, die sich nur in internationaler Kooperation lösen lassen. Die Daten müssen also zugänglich gemacht und innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft weitergegeben werden.
In Amerika gibt es einen Online-Dienst für Ahnenforschung, bei welchem man sich anhand einer Speichelprobe gegen Gebühr (ca. 300 Dollar) die Miniversion seines 'genetischen Fingerabdruckes' erstellen lassen kann. Es gibt zudem öffentliche, kostenlos zugängliche Genom-Datenbanken. Hunderttausende US-Bürger nutzen diese Möglichkeiten (Abgleich beider Informationen) zum Zwecke der Ahnenforschung, um entfernte Verwandte zu finden und ihren Familienstammbaum inklusive aller Verästelungen zu bestimmen. In den Datenbanken werden nicht die Namen, wohl aber Alter und Herkunftsregion der DNA-Spender angegeben. Auch durch Samenspenden gezeugte Personen können unter Umständen durch Kombination dieser Möglichkeiten den Namen ihres genetischen Vaters herausfinden.
Allerdings kann es schwer kalkulierbare Folgen für die Betroffenen haben, wenn ihre persönliche DNA-Sequenz bekannt wird. Aus dem genetischen Code lässt sich nämlich bereits heute Intimes ablesen, etwa eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für spezifische Krebserkrankungen oder für eine früh im Leben einsetzende Demenz. In Zukunft wird man der DNA voraussichtlich noch mehr Informationen entnehmen können, deren Offenlegung mit konkreten Nachteilen verbunden sein könnte. Zumal das Bekanntwerden der persönlichen DNA-Sequenz nicht nur die Datenspender selbst der Neugier verschiedener gesellschaftlicher Gruppen preisgäbe. Auch Kinder, Enkel oder Geschwister würden bloßgestellt, die als Blutsverwandte einen Teil der betreffenden DNA in sich tragen. Nicht auszudenken also, wenn solche Informationen Versicherern, möglichen Arbeitgebern oder neugierigen Nachbarn zugänglich würden.
(Auszug aus einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 09jul14)

Man sollte es sich also gut überlegen, ob man seine DNA für die Forschung oder sonstige Zwecke freigibt.