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Was Frauen wirklich denken: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Wirklic ...
Was Frauen wirklich denken: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Wirklich?Foto-Quelle: © Felix Pergande - www.Fotolia.com

Was Frauen wirklich denken: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Wirklich?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

In Deutschland ist die Gleichberechtigung der Frauen im Grundgesetz verankert. Das ist heute nicht mehr wegzudenken, aber das war nicht immer so. Im Gegenteil.

Schauen wir nur 65 Jahre zurück in das Jahr 1949. In Deutschland herrscht Nachkriegszeit, ein zerbombtes Land, vielfach aufgebaut von Trümmerfrauen. Dennoch waren Frauen in vielen wesentlichen rechtlichen und gesellschaftlichen Bereichen nicht gleichgestellt, nicht gleichberechtigt. Dr. jur. Elisabeth Selbert kannte die Folgen gut. Als Anwältin vertrat sie Frauen, die nach einer Scheidung vielfach vor dem Nichts standen. Schon während der Ehe waren sie dem Diktat ihrer Männer unterstellt. Sie durften kein Bankkonto ohne die Genehmigung des Ehemannes eröffne und auch nur mit seiner Erlaubnis arbeiten. Selbst die Erziehung der Kinder wurde vom Mann bestimmt. Um nur einige Beispiele für die Ungleichheit zu nennen.

Spätestens angesichts der Zehntausenden von Trümmerfrauen ein Anachronismus.


Dr. jur. Elisabeth Selbert gilt als Mutter der Gleichberechtigung, ist es doch ihrem persönlichen Engagement und ihrer Hartnäckigkeit auch gegen Widerstände in der eigenen Partei zu verdanken, dass die Gleichberechtigung der Frauen in die Verfassung verankert und Bestandteil des Grundgesetz, der Gesellschaft und des neuen Staates wurde.

Es sollte viele Jahre dauern, bis Gesetze entsprechend neu formuliert wurden. Es brauchte die Frauenbewegung, um aus dem Inhalt von Artikel 3, Absatz 2 ein neues Selbstverständnis zu schaffen und ganz allmählich selbstverständlicher werden zu lassen, zu leben, was eigentlich selbstverständlich ist.

Und heute? Wie groß ist der kleine Unterschied noch heute?


Eigentlich denkt man auch als Frau: Ja, wir Frauen sind gleichberechtigt, immer gleichberechtigter. Gut, es gibt da und dort noch Handlungsbedarf, hier und da könnten Dinge noch optimiert werden. Aber im Grunde können wir stolz sein auf das Erreichte, auch darauf, dass immer öfters Frauen an der Spitze von Unternehmen stehen, diese führen und gründen und eine Frau Bundeskanzlerin ist - auch wenn es über ein halbes Jahrhundert gedauert hat.

Und dann stehe ich gestern vor einem Supermarkt und traue meinen Augen nicht.


Ein junges Paar mit kleinem Sohn, offensichtlich islamischer Herkunft, sie in der Burka, kommt aus dem Supermarkt. Sie trägt drei (!) vollbepackte (!) Einkaufstüten und er schreitet neben ihr her und nimmt nicht einmal den maximal vierjährigen Kleinen an die Hand. Die Straße geht bergan, es ist über 25 Grad warm und ich schwitze selbst in meinem dünnen Sommerkleid ohne Tüten. Es gibt keine Geste, keinen Blickkontakt, der andeutet, soll ich dir eine Tüte oder gar alle drei abnehmen.

Ich möchte protestieren - anstelle der Frau. Ich möchte ihn aufmerksam machen, dass dies nicht in Ordnung ist, grundsätzlich nicht und schon gar nicht hier in einem westlichen Land. Da ich nicht weiß, wie er reagieren wird, lasse ich es und ärgere mich danach, dass ich ihre Sache nicht zu meiner gemacht habe.

War es richtig von mir? Was soll, kann, darf man in einer solchen Situation tun? Als Frau wie auch als Mann?


11 Kommentare

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Drehen wir den geschilderten Fall doch mal um.
Ein Paar mit "aufgeklärtem Bewusstsein" und 4-jährigem Sohn kommt in Übereinstimmung mit unserer Auffassung von "Burden sharing" aus einem Supermarkt des Landes, aus dem Paar stammte, auf das Sonja Bezug nimmt.
Sollten sich die Einheimischen nicht unbedingt einmischen, um den Beiden klar zu machen, dass ihr Verhalten gegen die in diesem Lande geltenden Konventionen und grundsätzlichen Überlieferungen der Rolle von Mann und Frau verstößt. Muss man sie nicht auffordern, sich wie die Einheimischen zu verhalten .... denn schließlich sind sie nur Gäste in diesem Land!?
Sonja Bissbort
Gegenfrage: Würde ein Eisbär in die Sahara auswandern? Und wenn ja, würde er dort wohl an seinem Fell festhalten? Und: warum wandert er überhaupt dorthin aus? Aber ganz im Ernst: Ich halte unsere Konventionen nicht nur für aufgeklärt, sondern auch für ethisch korrekt und mehr als überfällig. Es gibt kein universelles Gesetz, das auch nur annähernd eine Ungleichheit von Frau und Mann apostrophiert. Ja, Männer haben nicht einmal im Koran eine Vormachtstellung. Ihr Machtanspruch, der mit der Erniedrigung der Frau einhergeht, dient eben diesem Zweck und dem Schutz desselben. Wenn unsere (Ur)Großmütter (und auch Ur-Großväter) ähnlich verharrend agiert hätten, wären wir heute auch noch weit entfernt von Gleichberechtigung.
Sonja, ich teile Deine Sicht ohne Einschränkung!
Aber dennoch ist es eine Tatsache, dass nur eine Minderheit der Frauen auf diesem Planeten in einer Gesellschaft leben, in der die Gleichberechtigung von Frau und Mann zumindest gesetzlich festgestellt wurde.
Warum ist das so?
Ich denke, es ist so, weil es in weiten Teilen der Welt eben nicht die von Dir zitierte Großmutter und den Großvater gegeben hat und gibt.
Diese gesellschaftliche Entwicklungen müssen von den betroffenen Menschen selbst voran getrieben werden. Solange es keine breite und nachhaltige Bewegung für die Gleichberechtigung der Frau gibt, wird sich nichts ändern - auch nicht durch unsere Parteinahme für die Frau in Deinem Beitrag.
Wenn wir uns schon einmischen wollen, dann müssen wir Wege finden, wie wir das Selbstverständnis der Ungleichheit von Mann und Frau in den Gesellschaften erschüttern können.
Sonja Bissbort
Ja, Dieter, da stimme ich Dir grundsätzlich zu. Die Frage ist, wie kann diese Einmischung aussehen und wo findet sie statt. Ich habe in einem anderen Kommentar die Stellungnahme einer Freundin geschildert, die sich als Lehrerin einmischt. Auch wenn ich in dem o.g. Augenblick nichts getan habe, glaube ich gleichwohl, dass es vieler Impulse bedarf von allen Seiten und auf allen Ebenen, dass sich da etwas in Bewegung setzt. Ich möchte das Beispiel von Abraham Lincoln erwähnen, nicht um den Krieg als Mittel der Wahl in Erwägung zu ziehen. Da hatte sich auch in der Südstaatengesellschaft ein Kodex gebildet, der Unrecht rechtens machte. Das Gleiche gilt für das Apartheid-System in Südafrika, das international lange und von vielen Staaten warum auch immer geduldet bzw. respektiert wurde. Was mit Frauen in solchen Gesellschaften und Familienstrukturen passiert, darf m.E. nicht als "Kultur" verharmlost werden. Es ist Erniedrigung, Demütigung und Gewalt. Auch wenn das "hübsch verschleiert" ist.
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liebe sonja, natürlich schwillt mir auch der kamm, wenn ich sowas lese.
diese männer sind gelinde gesagt.....mistkerle.....!
egoistische gestalten, die keine frau an ihrer seite verdient haben.
erziehung, gesellschaftliche zwänge lassen sich durch umdenken durchbrechen, aber nur wenn mann sein hirn einsetzt.
aber bequemlichkeit, dummheit verhindern dies.

einen solchen mann auf der straße überzeugen zu wollen, halte ich für sinnlos.
es bleibt .....noch......nichts anderes übrig als erstmal nichts zu tun.

diese männer sehen in deutschland zum teil ein anderes miteinander zwischen mann und frau, möge es geschehen, dass es eines tages abfärbt.

leider sind die "gesetze" in den ländern, in welchen frauen so behandelt werden sehr festgezurrt und es ist zu vermuten, dass es noch lange dauern wird, bis sich da etwas lockert.

ob ein gesellschaftlicher druck in deutschland sinn machen würde, weiß ich nicht zu sagen.
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So schwer es auch fällt : NIX !!
Renate Matthias hat in die richtige Richtung Argumentiert.
Wenn aber hier über dieses Thema , speziell zu den unterschiedlichen Sichtweisen Islam - westliche Kultur , diskutiert wird , geht die Unterhaltung Spätendens nach vier fünf Beiträgen in die ganz falsche Richtung.
Auch ich schaue manchmal verwundert , wenn ich in diesem Zusammenhang auf andere Gewohnheiten treffe.
Ändern kann ich nichts !! Eine Änderung kann nur aus der anderen Gesellschaft kommen.
Sonja Bissbort
Es stimmt, dass es nicht einfach ist. Aber wir schauen doch auch nicht einfach nur zu, wenn Frauen oder Kinder geschlagen werden? Da greifen wir doch auch ein.
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Liebe Sonja, du wirst dir damit...dich dort einzumischen keinen Gefallen tun, du wirst diese Struktur nicht aufbrechen können. In einem westlichen Land leben auch andere Kulturen. Eine islamische Kultur ist von gestern, die Bräuche und Gepflogenheiten sind für aufgeklärte Europäer nicht nachzuvollziehen. Wir sind gleichwertig. was zählt ist das Gefühl. Eine Religion die das Leben bestimmt geht mal gar nicht. Unsere Errungenschaften müssen dort wo die stehen erstmal ankommen. Dazu müßten sich die Frauen wehren, kämpfen und auch auf die Straße gehen so wie wir und unsere Mütter und Großmütter einst. Ich fühle mich absolut gleichberechtigt und kein Mann, kein Gott oder wer auch immer bestimmt über mein Leben und mein Schicksal.
Sonja Bissbort
Ich habe am Wochenende mit einer Freundin dazu diskutiert. Sie ist Lehrerin und kennt aus der Schule die Situation islamischer Mädchen bzw. Familien. Sie erzählte folg. Situation: deutscher Junge möchte sich mit islamischem Mädchen verabreden. Ein islamischer Junge, der dies zufällig mitbekommt, aber kein Bruder o.ä. ist, will ihn daran hindern. Meine Freundin hat eingegriffen und dem islamischen Jungen gesagt: Du lebst hier und hier ist es okay, wenn Jungen und Mädchen sich verabreden. Damit musst du dich arrangieren. Ich fand das sehr gut. Wenn wir hier immer nur zusehen und schweigen, dulden wir einen Status, der nicht unserer ist. In gewisser Weise sind Menschen anderer Kulturen bei uns Gäste und haben m.E. nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.
Immigrierte Eltern sind dazu verpflichtet, ihre Kinder in die Assimilation zu entlassen.
Die Wege zu weiblicher Selbstbestimmung und ein gesundes Selbstwertgefühl und klare Grenzen gegenüber jeder anderen Person war noch nie leicht. Es ist immer schwer so festgefahrene Strukturen aufzubrechen, aber es geht und wer helfen kann, sollte es tun
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