Podiumsteilnehmer (von links): VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, Vd ...
Podiumsteilnehmer (von links): VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder, VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher, Dr. Winfried Teschauer von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und VdK-Pressesprecherin Dr. Bettina Schubarth.Foto-Quelle: Sebastian Heise

VdK Bayern fordert eine Demenzoffensive

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Mascher: „Auch die Staatsregierung ist in der Pflicht“


„Die Zeit läuft uns davon“, warnte VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher auf der Sommer-Pressekonferenz des VdK Bayern in München angesichts der steigenden Zahlen von Demenzerkrankten im Freistaat.

Je nach Statistikgrundlage – die Staatsregierung spricht von derzeit 180.000 Erkrankten, die Deutsche Alzheimer Gesellschaft aufgrund der neuesten Zensus-Zahlen von aktuell 217 000 Demenzpatienten – werden wir in 20 Jahren 300.000 bis 350.000 Betroffene haben. „Für diese Entwicklung ist Bayern nicht gerüstet“, so Mascher. „Wir fordern deshalb eine bayerische Demenzoffensive.“ Es müsse von der Staatsregierung ein verbindlicher Zeitplan erstellt werden, welche Ziele in 5, 10 und 15 Jahren in Bayern umgesetzt sein müssen, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu sichern.

Ein ausgebautes Netz an Beratung, Versorgung und Betreuung für Demenzpatienten suchen Betroffene und ihre Angehörige bisher in Bayern vergebens. Die unverbindliche Beschreibung vorbildlicher Projekte in Bayern, die in der „Demenzstrategie“ der Staatsregierung zusammengetragen wurden, genügt dem VdK Bayern nicht. Mascher: „Wenn die Weichen nicht bald in Form konkreter Zielvorgaben gestellt werden, bricht das jetzt schon lückenhafte System, das sich vor allem auf die kostenlose und aufopferungsvolle Familienpflege stützt, in den nächsten Jahren zusammen.“

Beim Thema Pflege sei nicht nur die Bundesregierung zuständig, so Mascher: „Auch die Staatsregierung ist in der Pflicht.“ An vielen Stellen könne der Freistaat regulierend eingreifen, wie sich an den steigenden Anmeldezahlen in Altenpflegeschulen nach dem Wegfall des Schulgeldes schon gezeigt hat.

Auch am Land Hessen könne man sich ein Beispiel nehmen: Die „Charta für die Vereinbarung von Beruf und Pflege in Hessen“, eine von der hessischen Regierung und Arbeitgebern verabschiedete Selbstverpflichtungserklärung, erfährt großen Zuspruch. Die Arbeitgeber verpflichten sich darin, ihre Arbeitnehmer bei der Organisation der häuslichen Pflege sowie einer flexiblen Arbeitsorganisation zu unterstützen. Mascher: „Es stünde der bayerischen Staatsregierung und den Arbeitgebern gut zu Gesicht, sich die Förderung der Angehörigenpflege mit einer eigenen Charta auf die Fahnen zu schreiben.“

Gerade bei den niederschwelligen und wohnortnahen Betreuungsangeboten wie Angehörigengruppen oder Helferkreisen sieht Mascher noch großen Nachholbedarf in Bayern: Gerade einmal 500 solche Angebote gibt es im Freistaat, damit werden nur 5 Prozent der Betroffenen erreicht. Auch für die effektive mobile geriatrische Rehabilitation, die bei Demenzpatienten zu Hause stattfindet, gibt es in ganz Bayern nur zwei Anbieter. „Von einer Flächendeckung sind wir meilenweit entfernt“, kommentierte VdK-Landesvorsitzende Mascher. Für die Anbieter forderte Mascher mehr Finanzierungssicherheit.

Dr. Winfried Teschauer von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft war zu Gast auf der VdK-Pressekonferenz. 11 Prozent aller Krankenhauspatienten haben die Diagnose Demenz und gehen im Alltag dort häufig unter. Teschauer forderte mehr Betreuungskräfte für Demenzpatienten im Akutkrankenhaus. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ist Kooperationspartner des Sozialverbands VdK bei der gemeinsamen Kampagne „Große Pflegereform – jetzt!“. (Dr. Bettina Schubarth)

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