Flüchtlinge in Goma 2012
Flüchtlinge in Goma 2012Foto-Quelle: MONUSCO Photos unter https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/

Mein Wort zum Sonntag: Müssen wir helfen?

News Team
Beitrag von News Team

Tausende von Flüchtlingen stranden an unseren Küsten. In arabischen und schwarzafrikanischen Ländern herrschen mörderische Bürgerkriege. In Indien werden Kinder versklavt. Viele sterben an Ebola. Sind wir stets zum Helfen verpflichtet?

Wozu Entwicklungshilfe gut ist

Die Entwicklungshilfe war eine Idee der Amerikaner, um nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen dritten Krieg dieser Art zu vermeiden. Die besiegten Länder Deutschland und Japan wurden nicht gedemütigt und wirtschaftlich ruiniert (wie am Ende des Ersten Weltkriegs), sondern mit viel Geld aus den USA aufgepäppelt. Und es funktionierte: Beide Länder entwickelten sich zu wirtschaftlich starken Nationen mit gefestigter Demokratie, die es dort vorher nicht gegeben hatte.
Das Experiment lief so gut, dass die Welt nun dachte, man könnte die Methode auch auf andere Länder anwenden. Und das scheiterte phänomenal, denn eines hatten die Entwicklungshelfer vergessen: Ohne gleichzeitige Etablierung einer gefestigten Demokratie kann das nicht funktionieren. Und man kann niemandem eine demokratische Kultur aufzwingen – Institutionen ja, innere Überzeugungen nein.

Hilfe, die nichts hilft

Dennoch wurde Entwicklungshilfe zu einem wesentlichen Bestandteil der Nachkriegspolitik vieler reicher Nationen. Gerade in Europa verhalf das schlechte Gewissen der kolonialen Ausbeutung afrikanischer Völker zu einem steten Zustrom von Geld, das auf Schweizer Konten verschwand und den Völkern nicht zugute kam. Jüngstes Beispiel: der Südsudan. Seit drei Jahren gibt es ihn, Milliarden hat er an Wirtschaftshilfe aus aller Welt bekommen, so viel, wie noch nie ein Staat (pro Einwohner). Resultat: Die Gelder sind verschwunden, ein Bürgerkrieg ist ausgebrochen, Angehörige verschiedener Stämme massakrieren einander. Was tun? Nehmen wir ein paar Beispiele:

Flüchtlinge, die übers Meer kommen

Hier müssen wir auf jeden Fall helfen, und zwar den Ländern, die diese Flüchtlinge aufnehmen, also Griechenland, Spanien und Italien. Zu sagen: Das geht uns nichts an, ist nicht nur unsolidarisch, sondern auch unverschämt. Die Frage geht aber weiter: Müssen wir diesen Flüchtlingen aus verarmten oder von Kriegen verwüsteten Ländern Asyl gewähren? Schließlich sind sie doch "nur" Armutsflüchtlinge. Aber erstens sind wir selber Schuld an deren Armut, weil unsere global agierenden Firmen dort Land aufkaufen, Wasserquellen besetzen und mit Lebensmitteln spekulieren, sodass die Länder arm bleiben müssen. Und zweitens: Bei einer vernünftigen Integrationspolitik gäbe es wenig Probleme, diesen Menschen ein menschenwürdiges Dasein in diversen europäischen Ländern zu ermöglichen.

Bürgerkrieg in Syrien

Hier haben die westlichen Länder es verabsäumt, die gemäßigte Opposition zu unterstützen, was auch im eigenen Interesse vernünftig gewesen wäre. Unsere Waffen wären ja, so das Argument, in die falschen Hände geraten. Jetzt haben die "falschen Hände" die Herrschaft in Teilen Syriens und des Irak übernommen, und wir reiben uns die Augen. Hätten wir halt früher was getan!

Kindesmissbrauch in Indien

In Indien scheint es häufig vorzukommen, dass arme Familien ihre Kinder in den Zug nach Goa setzen, mit einer Fahrkarte ohne Rückkehrmöglichkeit. Am Zielbahnhof werden sie von Sklavenhändlern und Kinderschändern abgepasst und entsprechend eingesetzt. Europäische Hilfsorganisationen haben wenig Erfolg, da sich diese Kinder Fremden nicht anvertrauen, sondern nur Einheimischen. Und damit ein schreckliches Schicksal erleben.
Schrecklich für uns, nicht für die Inder. Die finden die Sache in Ordnung, denn ihre Religion sagt ihnen: Diese Kinder waren im früheren Leben böse, recht geschieht ihnen. Müssen wir hier trotzdem eingreifen?

Ebola in Zentralafrika

Betroffene lehnen die westliche-medizinische Behandlung ab und lassen sich lieber von ihren Medizinmännern gegen Hexenzauber behandeln, sodass sich die Krankheit noch weiter verbreitet. Müssen, können, sollen oder dürfen wir hier eingreifen? Mit welcher Begründung?