ZSKA Moskau
ZSKA Moskau

Nicht bei ZSKA Moskau!

Hans-Herbert Holzamer
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Am 30. September 2015 soll nach dem Willen der UEFA der FC Bayern München in der russischen Hauptstadt bei dem ZSKA Moskau in der Gruppenphase der Champions League antreten. Das geht gar nicht. Moskau ist die Hauptstadt eines derzeit als Aggressor kriegsführenden Staates. Reguläre und irreguläre russische Truppen morden und brennen in der östliche Ukraine.

ZSKA Moskau ist der Zentrale Sportklub der Armee

Im Spalier stehend sich die russische Nationalhymne anzuhören muss für alle, vor allem aber für Arjen Robben den holländischen Spieler des FC Bayern, eine nicht hinnehmbare Schmach sein. Denn unvergessen sind die Bilder der niederländischen Toten der MH 17 und ihrer Mörder, die sich mit den Teddys der toten Kinder filmen ließen. Der ZSKA Moskau ist der Zentrale Sportklub der Armee, und es ist diese Armee, die in Putins Auftrag und Namen, in "ihrer Freizeit", so sagt er, gegen das Nachbarland Krieg führt. Die Vorstellung, dass diese Mörder als andere Gestaltung ihrer Freizeit am 30. September gegen einen deutschen Club, den Vorzeigeclub Bayern München, Fußball spielen, lässt schaudern.

Moskau ist Krisengebiet

Generell darf nach UEFA-Statuten in Krisengebieten nicht Fußball gespielt werden, und Krisengebiete sind nicht nur die Länder, in den gestorben wird, sondern auch und noch viel mehr die Gebiete, aus denen die Mörder kommen. Der Vorstand des FC Bayern hat also jeden Grund zu sagen, dass man beim ZSKA Moskau nicht spielen könne. Und die Bundesrepublik hat jedes Recht, den Spielern und Funktionären für das Rückspiel die Visa zu verweigern, solange Russland nicht die Gewähr dafür bietet, dass die Männer in ihren schwarzen Masken, die Flugzeuge abschießen und den Osten der Ukraine terrorisieren, nicht mit denen identisch sind, die sich in München einen schönen Abend machen wollen. Keiner, der für sich in Anspruch nimmt, dass er moralischen und ethischen Prinzipien folgt, wird im Fernsehen die Mörder der 80 holländischen Kinder oder auch nur ihre Unterstützer sehen wollen.

Die UEFA und ebenso die Fifa folgen ihren eigenen Gesetzen. Dass Fifa-Präsident Joseph Blatter soeben Russland "das volle Vertrauen für die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgesprochen" hat, ist übel genug. Aber die engen wirtschaftlichen Kontakte sind bekannt, und dass Männer mit viriler Ausstrahlung auf weichliche Typen faszinierend wirken, ist ebenso bekannt.
Aber das soll den FC Bayern nicht anfechten, seine Entscheidungen autonom zu treffen.
Blatter meint, ein Boykott sei keine Lösung. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach meint, der Versuch, über den Sport auf politische Dinge Einfluss zu nehmen, sei gescheitert. "Niemand von uns nimmt das Wort Boykott in den Mund, und das wird auch nicht von der Politik erwartet."

Niersbach , UEFA und Fifa haben von der Politik überhaupt nichts zu erwarten. Die Politik tanzt in diesem Land bitte nicht nach der Pfeife der Sportverbände. Und wieso soll ein Boykott zum Scheitern verurteilt sein? Wenn man die militärische Auseinandersetzung aus guten Gründen meidet, müssen alle anderen Möglichkeiten der Auseinandersetzung angewandt werden, wirtschaftliche und natürlich auch sportliche. Gerade bei einem Typen wie Putin, der auf männliche Attribute setzt, dürfte ein Sport-Boykott wirken. Jedenfalls mehr als wirtschaftliche Sanktionen, die vor allem das Volk treffen und nicht die Politik- und Oligarchenkaste.
Auch der IOC-Präsident Thomas Bach barmte, dass sich der Sport nicht verleiten lassen dürfe, den Boden der politischen Neutralität zu verlassen. Von welcher Neutralität redet er? Da marschieren Freizeit-ZSKA-Krieger in einem autonomen Nachbarland ein, da werden 80 Kinder ermordet, die in den Urlaub fliegen wollten, und da zieht er sich auf die Position einer "politischen Neutralität" zurück?

Wir sind nicht neutral

Wir sind nicht neutral, wir sind Partei, Partei der Holländer und der Ukrainer, und mit der Parteinahme der Putinisten in diesem Land kann ich jedenfalls leben.
Am 8. September nun soll es "zu einer großen Sitzung mit Vertretern der Spielergewerkschaft FIFPro, der europäischen Klub-Vereinigung, der Kontinentalverbände und der Ligen kommen." Da geht es natürlich nicht um das Spiel des FC Bayern, da geht es um die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar. Und um so viel Geld, dass man davon ausgehen kann, dass die Spiele nicht neu vergeben werden. Denn dann müssten einige einiges zurückzahlen.
Aber weder Putin noch Blatter sind übermächtig. Sie haben nur so viel Macht, wie man ihnen überlässt. Wenn der FC Bayern sagt, wir spielen nicht in einem kriegsführenden Land, oder nur dann, wenn uns ZSKA Moskau die Gewähr bietet, dass er keine Freizeitkiller in seinen Reihen hat, dann treten wir an. Es ist zu befürchten, dass selbst dies zu viel verlangt ist, weil man von der UEFA ja vermutlich mit Punktabzug bestraft würde.

Wenigstens Arjen Robben?

Und wenn wenigstens Arjen Robben sagt, bei einem Mörderverein spiele ich nicht? Vielleicht tut er es ja und nimmt die Konsequenzen in Kauf. Ich wäre auf Lebzeiten sein Fan. Aber vermutlich wird die einzige Reaktion sein, dass ich mich am 30. September dem Anhören der russischen Nationalhymne und dem Betrachten der ZSKA-Männer durch Nichtanschalten des Fernsehers entziehe.