Die Trolle Grýla und Leppalúði in Island
Die Trolle Grýla und Leppalúði in IslandFoto-Quelle: David Stanley

Kommunikation in Online Communities: Das Outing eines Trolls

Thomas Bily
Beitrag von Thomas Bily

Wenn man mit guten Absichten unterwegs ist, zum Beispiel auf seniorbook oder auch im Straßenverkehr, dann kann man sich nur schwer vorstellen, dass hinter dem nächsten Bildschirm oder Lenkrad irgendwelche Berserker rumhantieren, die nur eines im Sinn haben: Um jeden Preis aufzufallen. Angetrieben durch negative Motive wie Frust, Wut, Ärger, Neid.

Russian Roulette im Netz

Immer höchste Anspannung, immer höchstes Risiko, man kann gar nicht weit genug gehen mit Kommentaren und Äußerungen. Die Community aufzumischen und gerade soeben zu vermeiden, dass man in rechtliche Schwierigkeiten kommt. Aber selbst die nimmt der Troll in Kauf, berauscht von seinem selbstauferlegten Auftrag, es den anderen jeden Tag mal richtig zu zeigen. Auf faz.net ist das Outing eines Trolls nachzulesen. Die Welt des Trolls ist sehr einfach.

Trollnahrung im Netz: Publikum und Aufmerksamkeit

Angenommen ein Troll wie der in faz.net aufgeführte Herr Ostertag bekäme auf seine - sehr durchsichtigen Provokationen - keine Resonanz und wenn dann nur sachliche ruhige Argumente entgegengebracht... Aber nein, das ist unrealistisch.
Ein Teil der Internetgemeinde scheint geradezu auf Trolls abzufahren. Eine klitzekleine Provokation und schon zünden sie. Vermeintlich ruhige Zeitgenossen explodieren von jetzt auf gleich. Gelassenheit zeigen und Dampf ablassen? Ist gar nicht von Interesse. Man will in die Luft gehen. Und nirgendwo anders als im Netz kann man das mit mehr Getöse und unbehelligter zugleich.

Zeit für Manieren und Raumaufteilung

So wie bei der Sozialisierung neuer Territorien und Gemeinschaften, nehmen wir mal den Wilden Westen, so wird es auch im Netz zu immer mehr Konventionen kommen. Einerseits vorgelebt und moderiert durch die Betreiber, aber final verbreitet und durchgesetzt durch die Teilnehmer. Abweichler werden sich als solche dann nicht mehr wohl fühlen und auch keine Beachtung mehr finden außer vielleicht einen schrägen Spruch nach dem Motto: "Gibt´s solche Typen immer noch?".
Und es wird auch im Netz eine Segmentierung geben nach Qualität und Anspruch. Momentan wird Güte fast allein an Nutzerzahlen gemessen. Durch den Schutz der Anonymität kann der Einzelne das Bekenntnis zur mangelnden Qualität verbergen. Keiner muss zugeben, dass er als Troll unterwegs ist auf Nachrichtenseiten oder aus dümmlicher Neugier auf gefakte Schlagzeilen im Social Web klickt. Aber auch das wird sich regeln durch einen Reifeprozess der Netz-Gesellschaft. Wir stecken ja noch in den Kinderschuhen. Oder um es mit Wild West Sprache zu sagen: wir sind erst ganz knapp hinter St. Louis.

In diesem Zusammenhang ein weiterer interessanter Artikel zum Thema: "Kommunikation in Online Communities: Privatfehden und Hitzeschlachten"