Reiche Kirche? Arme Kinder?
Reiche Kirche? Arme Kinder?Foto-Quelle: © Esther Stosch / www.pixelio.de

Wir zahlen 11 Mrd. Euro Kirchensteuer - zu viel?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Dank der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland erhalten offensichtlich die katholischen und evangelischen Kirchen im Jahr 2014 Hunderte Millionen Euro mehr als in den Vorjahren. Seit 2005 sind die Einnahmen aus der Kirchensteuer gar um 43 Prozent gestiegen.

So viel Geld wie nie zuvor.


Laut der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (F.A.S.) steigt das Kirchensteueraufkommen nach den Rekordjahren 2012 und 2013 auch in diesem Jahr noch einmal erheblich. Man rechnet mit einem Mehr von vier bis fünf Prozent. In Zahlen erhält die katholische Kirche zusätzliche 250 Millionen Euro , die Evangelische Kirche gut 200 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr.

Das macht summa summarum...

.. für beide Kirchen zusammen: knapp elf Milliarden Euro.


Wohlgemerkt: Nicht die kirchliche, sondern die konjunkturelle Entwicklung bereitet dieses Geldsegen. Anders als in fast allen anderen Ländern der Welt finanzieren sich die deutschen Kirchen nicht über Spenden. Die deutschen Finanzbehörden sorgen im direkten Einzugsverfahren für das monetäre Wohl. Fakt ist: Die Zahl der Mitglieder geht zurück ebenso wie die Zahl der kirchlichen Aktivitäten.

Gleichwohl betonen die Kirchen, wie dringend die das Geld brauchen. Angesichts stetig steigender Personalkosten. Z.B.

Außerdem - so der Finanzchef der EKD Thomas Begrich gegenüber der "F.A.S.": „Von einem Rekord möchte ich nicht gern sprechen, denn inflationsbereinigt liegen wir noch unter dem Niveau von 1994."

Nehmen wir eine andere Zahl zum Vergleich: das deutsche Kindergeld.


Die Gesamtsumme, die 2013 für Kindergeld aufgebracht wurde, beträgt rund 37,8 Mrd. Euro. Das klingt erst einmal recht viel. Wenn man jedoch sieht, dass davon 14 Mio. Kinder "leben" müssen und dass Experten sogar "vor einem höheren Kindergeld warnen", ja Politiker und Medien das Kindergeld regelmäßig auf den Prüfstand schicken, dann stellen sich doch erhebliche Fragen.

Kirchen haben erheblichen Privatbesitz, um nicht zu sagen: Pfründe. Sie werfen nicht nur wie in Limburg das Geld oftmals zum Fenster raus. Sie geraten zunehmend auch bei Politikern - wie dem
FDP-Politiker Kubicki - in die offene Kritik. Denn neben den Kirchensteuern erhalten sie auch noch Kollekten und Spenden in mannigfaltiger Höhe sowie Ausgleichszahlungen, so genannte Staatsleistungen in Höhe von jährlich 480 Millionen Euro, für Kirchengüter, die unter Napoleon eingezogen wurden.

Man darf es nicht nur laut denken, sondern auch sagen:

Die Kirche ist nicht arm. Aber Kindergeld sichert oft genug die Existenz.


37,9 Mrd. Euro Kindergeld für 14 Mio. Kinder klingt - wie gesagt - auf den ersten Blick viel. Gleichwohl gehen viele Kinder ohne Frühstück oder Pausenbrot in die Schule, haben kein warmes Mittagessen und oft nur die nötigste Kleidung.

Das rührt unter anderem auch daher, dass lt. Sozialgesetzbuch II und XII das Kindergeld "durch Anrechnung den Bezug von Grundsicherungsleistungen" vermindert. Das heißt, in sozial schwachen Familien "übernimmt es faktisch auch eine existenzsichernde Funktion".

Mit anderen Worten: Der Staat zahlt Kindergeld und verrechnet dies mit anderen Sozialleistungen.

Wie wäre es, wenn die beiden Kirchen z.B. auf die Hälfte oder auch gänzlich auf "ihre" 11 Mrd. Euro Kirchensteuer verzichten würden? Zum Wohle der Kinder, das den Kirchen angeblich auch so sehr am Herzen liegt?