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One WorldFoto-Quelle: © Thorben Wengert / www.pixelio.de

Wie viel ist ein Leben wert?

Von Sonja Bissbort - Freitag, 24.10.2014 - 08:25 Uhr

Noch nie wurde das Recht des Einzelnen auf Selbstverwirklichung so groß geschrieben wie heute. Noch nie gab es so viele Menschen, die immer höhere Ansprüche entwickeln. Und noch nie wurde so viel Gewalt von Menschen gegen Menschen und von Menschen gegen Mitgeschöpfe und unsere Umwelt so publik wie heute.

Da foltern und prügeln "Eltern" ihre kleinen Kinder IdJV2JwrWmc[/youtube]]zu Tode, drücken auf dem kleinen Körper brennende Zigaretten aus. Nur ein Beispiel von vielen. Da ermorden japanische Walfänger trotz internationalen Commitments Jahr für Jahr 12 000 Zwergwale - angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Da wird ein Umweltaktivist per Interpol gesucht, weil Japan ihn beschuldigt, seine Walfangflotte zu behindern. Da werden Frauen und Männer auf der Münchner Wies'n Opfer sexueller Gewalt - einfach so, neben Jubel und Trubel im Bierzelt.

Das Schlimmste, das ich diese Woche las:

Alle 15 Minuten wird ein Elefant von Wilderern getötet.


Es geht um Elfenbein und viel Geld für die Drahtzieher dahinter. Der kleine Wilderer, der von Strohmännern angeheuert wird, verdient pro totem Elefant rund 1400 Euro, die er oft genug nur zur Hälfte oder gar nicht erhält. Die Strohmänner sind bewaffnet und zu allem fähig.

Die Hintermänner, die die Strippen ziehen, bilden eine Mafia, die sich an der Ermordung der letzten afrikanischen Elefanten bereichert. Das angeblich so kostbare Elfenbein wird zu Kitsch verarbeitet: Nippes. Manchmal auch zu Klaviertasten und Intarsien für Billardkugeln. Mit jedem toten Elefanten wird - perfiderweise - das Elfenbein noch teurer: weniger Elefanten, weniger Elfenbein, steigende Preise, höhere Rendite.

Afrika hatte einst 30 Millionen Elefanten. Heute sind es schätzungsweise noch rund 400 000. Vielleicht auch 500 000.


Alle 15 Minuten stirbt ein Elefant. Wenn es so weiter geht, gibt es 2025 keine Elefanten mehr.


Es sterben unter den Kugeln der Wilderer immer die älteren Elefanten. Bullen und Kühe. Sie tragen stolze Stoßzähne. Begehrliches Elfenbein, das vor allem in Asien - China und Thailand voran - Höchstgewinne verspricht.

Jedes Mal stirbt ein Elefant zu viel.


Oft sind es Elefantenmütter mit kleinsten Elefantenbabys, die durch den Tod der Mutter und das brutale Vorgehen der Wilderer, die die Stoßzähne aus dem Gesicht herausschneiden, traumatisiert sind. Ohne Hilfe sterben die Elefantenbabys in kurzer Zeit einen grauenvollen Tod.

Mit den Alten stirbt zudem das Wissen einer Elefantenfamilie. Die Alten sind in der Regel die Leittiere. Sie tragen das Wissen ganzer Generationen in sich und geben es an die nächste Generation weiter. Ohne ihre Alten können oft auch die restlichen Familienmitglieder nicht überleben. Sie kennen nicht die Wege zur Nahrung, sie kennen nicht die Gefahren. Es ist, als würde man in einer Gesellschaft die Vordenker und führenden Köpfe beseitigen. Zu dem faktischen Tod gesellt sich der soziale und emotionale Tod.

Was wiegt letztlich schwerer? Der Tod kleiner Kinder? Die Gewalt an Mitmenschen? Die Zerstörung von Lebensraum und Vernichtung anderer Lebewesen? Wer will dies letztlich wissen?!

Noch immer glauben wir Menschen, dass ein Menschenleben über allem steht. Alles rechtfertigt.


Ich glaube, wenn wir nicht lernen, dass auch ein Menschenleben nur so viel wert ist wie das Leben eines jeden Mitgeschöpfes, werden wir wie die Dinosaurier verschwinden. Weil die Welt irgendwann für uns und unsere Hybris, unsere Gewalttätigkeit und Habgier keinen Platz mehr hat. Und ich hoffe wie so viele andere Menschen, die anders denken, dass ein Ruck durch die Menschheit geht und wir endlich den Mut finden, uns gegen Verbrechen und Täter zu erheben.

Wenn der letzte Elefant gestorben ist, wird nämlich die Gewalt nicht aussterben. Sie wird sich ein anderes Opfer suchen.


Solange bis wir ein Elefantenleben nicht mehr in Elfenbein-Euros aufwiegen und erkennen, dass auch ein Menschenleben nur so viel wert ist, wie wir Gutes tun.

7 Kommentare

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Gegen die Gier des Menschen hat die tierische und pflanzliche Natur auf die Dauer keine Chance. Man kann den Prozess vielleicht ein wenig aufhalten, aber keineswegs stoppen. Wozu sich also aufregen oder engagieren? Also pflegen wir lieber unsere eigene kleine 'heile Welt' wie Wohnung, Haus, Garten, etc. und halten uns die Probleme der Welt nach Möglichkeit vom Leib. So leben wir glücklicher, gesünder und schlafen besser........
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Immer noch leben viele Menschen in einer geradezu unterirdischen Unbewusstheit. Sie schädigen anderes Lebens und empfinden, jedenfalls im Moment, keine Reue. Dass sie sich letztlich damit selbst schädigen, entgeht ihnen dabei völlig.
Was bleibt einem selber zu tun? Man kann sich der empfundenen Ohnmacht ergeben. Oder aber man schreitet ein, wenn man sieht, dass ein Kind in Bedrängnis ist, oder auch ein Erwachsener. In Bezug auf die Qualen der Tiere ist es möglich den WWF, BUND, NABU doer auch Greenpeace zu unterstützen. Zum großen Glück finden sich immer wieder Menschen, die hier ganz direkt tätig werden. Das kostet Geld, schließlich müssen auch sie leben und benötigen Equipment. Sie sind jene, die Wilderer und ihre Hintemänner stoppen können. Und es bedarf in diesen Ländern der Förderung von Bildung.
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Wenn Ihnen kein gescheiter Kommentar zum Thema einfällt, sollten Sie's doch besser bleiben lassen.
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Dein Wort, Sonja, in "Gottes" Ohr! Und man kann als Einzelner leider nur sehr wenig tun. Aber das Wenige sollte man tun.!
@ Walter Keller: Ihre letzte Bemerkung kann nicht unwidersprochen bleiben. Sie sollten sich zuerst mal informieren, aus welchem Grund die Frauen in manchen Ländern so viele Kinder bekommen.
Da haben Sie Recht. Auch beim WWF, bei Greenpeace und beim Roten Kreuz gab es schon Leute, die sich einen beträchtlichen Teil der eingehenden Gelder in die eigene Tasche gesteckt haben. Sobald eine Organisation und damit ihr Verwaltungsapparat wächst, wird er immer undurchschaubarer und es gibt immer Leute, die der Versuchung nicht widerstehen können..........
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