Anne Will mit Gästen zum Thema IS-"Staat" (v. li.): Politiker Armin Laschet  ...
Anne Will mit Gästen zum Thema IS-"Staat" (v. li.): Politiker Armin Laschet (CDU) und Jan van Aken (Die Linke).Foto-Quelle: © NDR/Wolfgang Borrs

Noch zwei Talks zum Thema: Ist der Westen hilflos gegen die IS-Banden?

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Ich muss wohl Masochist sein. Oder warum habe ich mir gestern und heute zwei weitere Talkshows über die Bedrohung durch den terroristischen IS-"Staat" angeschaut? Am Mittwoch war Anne Will (ARD) an der Reihe, jetzt eben Maybrit Illner (ZDF).

Beide Sendungen unterschieden sich nicht wesentlich. Die Grundfrage lautete beiderseits, ob der Westen hilflos zuschaue. Von einer Tragödie war hie wie da die Rede, von Schande ebenfalls.

Es waren ja nun wirklich nicht die ersten TV-Gesprächsrunden zum Thema. Im Gegenteil. Auch an dieser Stelle haben wir schon eingehend darüber gesprochen, siehe hier: http://www.seniorbook.de/themen/kate...-islamismus

Konkurrenz um Experten

Die Besetzungen war weitgehend artverwandt, so dass man sich gut vorstellen kann, wie die Redaktionen unter der Woche um dieselben Experten konkurriert haben, bis die Telefondrähte glühten. Und so hatten auch beide Talk-Damen jeweils einen deutschen Ex-General an Bord, um die militärische Lage einschätzen zu können. Letztlich vergebens, denn die Herren waren nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Wie denn auch?

Inhaltlich gab es gleichfalls so manche Überschneidung. Man redete sich die Köpfe heiß über die Verantwortung der USA – und akut vor allem der Türkei, die offenbar sehenden Auges die kurdischen Erzfeinde ins „Messer“ der IS laufen lässt und offenbar den NATO-Bündnisfall provozieren will. Welch ein Pulverfass!

Komplizierte Gemengelage

In beiden Talkshows kamen die deutschen Patriot-Raketen zur Sprache, die vor Zeiten zum Schutz der Türkei aufgestellt worden sind und die nun per Abzugsdrohung als Druckmittel eingesetzt werden könnten. In vermeintlich weiterer Entfernung vom Kriegsschauplatz Kobane, hört sich so manches Argument nach wohlfeiler „Stammtisch“-Parole an.

Die Gemengelage ist aber auch ungemein kompliziert. Sie scheint es zu erfordern, dass man nun mit dem Regime von Assad in Syrien oder mit den höchst zweifelhaften Herrschern von Iran und Saudi-Arabien kooperiert, um die IS-Banden zu stoppen. Ja, sind denn plötzlich alle Mittel heilig? Taugt denn notfalls jeder zum Verbündeten?

Verständliche Ratlosigkeit

In beiden Sendungen war das Bemühen um ernsthafte Aufarbeitung spürbar, doch auch eine ziemliche Ratlosigkeit. Gut möglich, dass der einstige US-Botschafter John Kornblum mit seiner Einschätzung recht hat, dass wir es neuerdings mit ganz anderen politischen Koordinaten zu tun haben als zuvor und uns erst orientieren müssen. Wohltuend auch seine Einlassung an einer anderen Stelle, er sei nicht Experte genug, um dies und jenes zu beurteilen. Das wollen wir in Talks künftig öfter mal hören.

Bedenkt man alle möglichen Konsequenzen auch für Mittel- und Westeuropa, so kann einem wirklich angst und bange werden. Und das womöglich auf Jahrzehnte hinaus. Wahrlich, wir leben in schwierigen Zeiten. Und Politiker möchte man dabei auch nicht unbedingt sein...