Was Frauen wirklich denken: Will ich Flüchtlingen ein Zuhause geben?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Da schlingert ein verrosteter Fischerkahn über das Mittelmeer. An Bord rund 200 Flüchtlinge aus Ägypten und Syrien. Kleinkinder, Frauen, darunter Schwangere, Männer. Sie sind seit 8 Tagen auf See. Man kann nur erahnen, wie viel Angst und Not sie erlitten haben in diesen Tagen, bevor ein italienisches Schiff sie sichtet und aufnimmt.

Im Interview mit den Flüchtlingen, nachdem sie an Bord und an Land aufgenommen wurden, zeigen sich Menschen und Gesichter, gezeichnet von Erschöpfung und Angst. Die Erleichterung, erst einmal gerettet worden zu sein, ist noch nicht bei den Menschen angekommen. Ein Flüchtlingstreck unter hunderten.

Zu ungewiss ist ihre Zukunft.


Werden Sie eine neue Heimat in Europa finden? Wird man sie abweisen und zurückschicken? Was wird dann aus ihnen? Viele haben ihre letzten Ersparnisse für die Flucht zusammengekratzt.

3000 Euro verlangen die Schlepper pro Kopf. Ein einträgliches Geschäft. Umso einträglicher, als der Ausgang unsicher ist und das Risiko allein der einzelne Flüchtling trägt, natürlich kein Recht auf Rückerstattung des gezahlten Fluchtgelds hat. Einträglich auch, weil der Transportweg das Nichtankommen durchaus einkalkuliert. Der Fischerkahn, dessen Bergung im TV aufgezeichnet wurde, hätte bei einem mittelmäßigen Unwetter durchaus in den Fluten des Mittelmeers verschwinden können.

Der italienische Kapitän betont, es sei die Pflicht jedes europäischen Landes, Flüchtlingen ein Zuhause zu geben.

Eine Position unter vielen verschiedenen. Helfen wollen sicher die meisten, aber wie weit muss, soll, darf diese Hilfe gehen? Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezieht - so ein focus-Beitrag - hierzu eindeutig Position. Er fordert die Bürger dazu auf, bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu helfen. Wer mehr hat, soll auch mehr geben. So sollten die Menschen in Europa solidarischer verteilt werden – z.B. entsprechend der Steuerkraft der Länder.

Kretschmann hebt Angebote von Privatpersonen hervor, die ihre Liegenschaften Flüchtlingen zur Verfügung stellen.


Kann dies so weit gehen, dass Flüchtlinge möglicherweise zugewiesen werden? Dass jeder, der Haus und Hof hat, ein größeres Zuhause, als er für sich und seine Familie braucht, Flüchtlinge aufnehmen muss? Nach dem 2. Weltkrieg war dies zum Beispiel so. Vertriebene aus den Ostgebieten und endlose Flüchtlingstrecks wurden auf diesem Weg "untergebracht".

Möchte ich mein Zuhause teilen müssen? Möchte ich fremde Menschen in meinen vier Wänden? Möchte ich so weit gehen - bei allem Mitgefühl für jeden einzelnen Flüchtling? Ja, ich möchte helfen, keine Frage. Aber ich bin nicht sicher, ob ich dazu bereit wäre. Und Sie?