SHARING ECONOMY, GUTE IDEE ODER LEBENSLÜGE?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Die sogenannte SHARING ECONOMY, die WIRTSCHAFT DES TEILENS wird immer intensiver diskutiert und inzwischen wurden auch schon die ersten Bücher über das Thema geschrieben.
Die zugrunde liegende Idee ist, dass man sich selten benötigte Dinge nicht mehr selbst anschaffen muss, sondern sie sich von anderen leihen kann. Dazu gehören Geräte wie Bohrmaschinen, Bügelmaschinen, Rasenmäher, etc. Umgekehrt kann man auch Dinge verleihen oder anderen zum Gebrauch überlassen, die man zeitweise nicht selbst nutzt. Dazu gehören Geräte wie die vorgenannten, aber auch Zimmer, Wohnungen oder auch ganze Häuser. Oft werden Leistungen oder Geräte getauscht, oft gegen Gebühren überlassen.

Aber auch die Aktivitäten des Taxi-Konkurrenten Uber, bei welchen private Autobesitzer organisierte (und kostenpflichtige) Personenbeförderung betreiben, gehören in diese Rubrik.

Die Realisierung solcher Ideen ist erst durch das Internet möglich geworden und wohl vor allem interessant für die heutige Generation, die weniger Geld zur Verfügung hat als ihre Eltern. Wer sich alles, was er dachte zu benötigen, irgendwann einmal angeschafft hat, wird es vielleicht nicht so gerne anderen überlassen wollen.

Die Sharing Economy nutzt auch überwiegend denen, die schon etwas (z. B. eine Wohnung) haben. Die Armen sind hingegen auf Jobs angewiesen, die von der Teil- und Tauschwirtschaft akut bedroht sind (Taxifahrer, Zimmermädchen).

Auch dass die Teilökonomie Ressourcen schont - wie oft propagiert - ist noch keineswegs bewiesen.

Auch verlangt echtes Teilen keine Gegenleistung, in der Sharing Economy aber wird vielfach ökonomisch gedacht, was man noch zu Geld machen könnte. Was früher als Nachbarschaftshilfe oder aus Gefälligkeit gemacht wurde, erfolgt jetzt gegen Geld.

Außerdem bewirkt die um sich greifende temporäre Vermietung von Zweitwohnungen oder Zimmern der eigenen Wohnung eine Verschlimmerung der Wohnungsnot. Wer sein nicht benötigtes Zimmer an Touristen vermieten kann, wird es nicht mehr dauerhaft an einen Studierenden geben.

Die Sharing Economy beruht in Wahrheit auf Ausbeutung und einem Verlust an Institutionen und Regeln, für deren Existenz die Menschheit lange gekämpft hatte.

Dazu kommt noch folgende Problematik:
In der Netzwelt wird jeder sozial überwacht. Man muss sich - oft mit einem bei Facebook oder sonstigem Netzwerk hinterlegten Profil - registrieren und nach abgeschlossenem Deal bewertet man sich gegenseitig. Verstößt ein Nutzer gegen die Regeln (verwüstet er die Wohnung, bietet er nur eine Absteige an oder belästigt er im Auto die Mitfahrerin), hat er das letzte Mal beim Teilen mitgemacht. Soziale Ächtung ist ihm gewiss, DIE MASSE ÜBERWACHT DEN EINZELNEN.

Es gibt sogar schon Unternehmen wie TrustScore, die Kundenmeinungen bündeln und sich zu einer Art globaler Vertrauens-Schufa entwickeln können. Jeder kann dann sehen, ob jemand seinen Ruf schon ruiniert hat. Im Grunde handelt es sich hier um eine Art Selbstjustiz (soziale Überwachung statt Rechtsstaat), die mit Demokratie nichts mehr zu tun hat.

(Einige Passagen wurden aus der Süddeutschen Zeitung vom 06. September 2014 sinngemäß übernommen.)

Und hier noch einige Adressen für Teilungswillige:

www.couchsurfing.org
www.hospitalityclub.org
www.bewelcome.org
www.sustainablecouch.org
www.warmshowers.org
www.intervac-homeexchange.com
www.haustauschferien.com
www.homelink.de
www.trustedhousesitters.com
www.housecarers.com
www.mindmyhouse.com