Talk über Ebola: Frank Plasberg
Talk über Ebola: Frank PlasbergFoto-Quelle: (© WDR/Klaus Görgen)

Einigkeit beim Plasberg-Talk: Ebola-Seuche sträflich vernachlässigt

Bernd Berke
Beitrag von Bernd Berke

Darin waren sich bei Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“ letztlich alle einig: Viel zu spät hat die Weltgemeinschaft ihr Augenmerk auf die Ebola-Epidemie in Westafrika gerichtet.

Eine solch dramatische Aufholjagd gegen das seit vielen Monaten wütende Virus, wie man sie jetzt erlebt, wäre andernfalls vielleicht nicht nötig gewesen.

Alarmstimmung angebracht

Plasberg macht schon mal gern ein bisschen in Panik. Bei diesem Thema aber ist eine gewisse Alarmstimmung wohl angebracht. Die Sterblichkeitsrate unter Infizierten liegt über 60 Prozent. Bislang gab es rund 9200 Ansteckungen, für 2015 werden schlimmstenfalls Zahlen befürchtet, die die Million überschreiten könnten; falls nicht schnellstens massiv gegengesteuert wird. Mit Fiebermessungen bei Ein- und Ausreisen an Flughäfen ist es jedenfalls keineswegs getan.

Nur: Solange Europa und Nordamerika nicht unmittelbar bedroht zu sein schienen, haben offizielle Stellen die Sachlage kleingeredet und heruntergespielt. Noch vor Wochen konnte man den Eindruck haben, wir hätten mit all dem wenig zu schaffen.

Hilflos und treuherzig

Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe musste bei Plasberg kleinlaut Versäumnisse und Fehleinschätzungen eingestehen. Man lerne aber täglich hinzu... Das war schon eine reichlich treuherzige Einlassung.

Gleichfalls ziemlich hilflos wirkte Prof. Reinhard Burger, immerhin Präsident des Robert-Koch-Instituts für Infektionskrankheiten. Offenbar hat auch seine Einrichtung Dynamik und Dramatik der afrikanischen Epidemie zunächst sträflich unterschätzt und ist dementsprechend leisetreterisch gegenüber Regierungsstellen aufgetreten. So ging wertvolle Zeit verloren.

"Unwichtiges" Afrika

Der Fachjournalist Werner Bartens („Süddeutsche Zeitung“) machte einen Grund fürs zögerliche Handeln auf globaler Ebene aus: Die betroffenen Länder Afrikas gelten weder wirtschaftlich noch geostrategisch als wichtig. Also bleiben sie lange im Windschatten der Aufmerksamkeit.

Im politischen Getriebe geraten humanitäre Aspekte offenbar vollends unter die Räder. Zynisch betrachtet, könnte man glauben, das Leben schwarzer Menschen sei weniger wert. Man mag sich lieber nicht ausmalen, was passiert, wenn die Krankheit Europa wirklich bedroht.

Bisher nur wenig gespendet

Fassungslos angesichts der immer noch unzureichenden Maßnahmen zeigte sich Maximilian Gertler („Ärzte ohne Grenzen“), der soeben von einem bewundernswerten Ebola-Einsatz zurückgekehrt ist. Seine Organisation warnt seit etlichen Monaten vor den Folgen der Epidemie - und wurde anfangs weitgehend ignoriert.

Dass die sonst so spendenfreudigen Deutschen für die Ebola-Bekämpfung erst etwa 3 Millionen Euro überwiesen haben, kann einen schon ziemlich nachdenklich machen. Woran es wohl liegt?