Arm und Reich driften weiter auseinander
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Arm und Reich driften weiter auseinander

Sozialverband VdK Bayern e.V.

VdK fordert steuerpolitische Maßnahmen – Vermögen fließen kaum in den Wirtschaftskreislauf zurück


Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Das bestätigen aktuelle Untersuchungen. Der Sozialverband VdK fordert die Bundesregierung auf, mit steuer- und sozialpolitischen Maßnahmen diese Entwicklung einzudämmen.

Die Verteilung von Armut und privatem Reichtum verfestigt sich mehr und mehr in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Während 1991 noch 5,6 Prozent aller Deutschen als reich oder sehr reich galten, waren es 2011 bereits 8,1 Prozent. In diesem Zeitraum wuchs das Einkommen der reichsten Deutschen um 20 Prozent, während das deutsche Durchschnittseinkommen um nur vier Prozent anstieg.

„Diese Analysen zeigen die Aktualität unserer immer wieder erhobenen Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit“, kommentiert Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, die Zahlen. Sie kritisiert, dass es nach wie vor keine Bestrebungen gibt, die Vermögenssteuer in Deutschland wieder einzuführen und die im EU-Vergleich sehr niedrige Besteuerung von Kapitalerträgen von derzeit 25 Prozent anzuheben. Dabei könnte der Staat seine Einnahmen damit erhöhen und diese für sozialpolitische Maßnahmen verwenden.

Diese wären notwendig, denn Preissteigerungen bei Mieten, Gesundheit oder Energiekosten schlagen bei Menschen aus den unteren Einkommensgruppen voll durch. Viele Rentnerinnen und Rentner, Geringverdiener oder Alleinerziehende drohen in die Armut abzurutschen. Mit aktuell 15,2 Prozent hat die Armutsquote in Deutschland nach Angaben des Paritätischen Gesamtverbandes einen Höchststand erreicht. Jeder zehnte Erwachsene gilt als überschuldet.

Den hohen Einkommenszuwachs am oberen Ende der Gesellschaft erklären die Wissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung mit einem Zuwachs des Kapitaleinkommens. Vorhandenes Vermögen lasse den Reichtum durch Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen weiter ansteigen. Auf der anderen Seite können Menschen selbst mit einem guten Erwerbseinkommen ihr Vermögen kaum vergrößern. Deshalb habe der Mittelstand den Anschluss nach oben verloren, so das Ergebnis der Studie, die sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung stützt.

Zudem werde der Reichtum zu wenig investiert und stattdessen zum Großteil in neue Geldanlagen gesteckt oder an die nächste Generation vererbt. Der Internationale Währungsfonds warnt davor, dass dieses Verhalten das Wirtschaftswachstum erheblich bremst. Wie stark existenzielle Sorgen die Lebensqualität beeinträchtigen, zeigt auch der „Glücksatlas 2014“, der im Auftrag der Deutschen Post erstellt wurde.

„Arm, aber glücklich“ ist demnach eher eine romantische Vorstellung. Gerade Schulden und finanzielle Einschränkungen drücken die Lebensqualität. Besonders alarmierend ist, dass die befragten Menschen mit Behinderung ihr Lebensgefühl deutlich negativer einschätzen als die Durchschnittsbevölkerung. Die Einschränkungen bei den Faktoren Gesundheit, Einkommen, Familie, Arbeit sowie im Umgang mit Ämtern und Behörden sorgen für größere Unzufriedenheit als beim Rest der Bevölkerung. „Dieses Ergebnis zeigt, dass wir die Inklusion noch entschiedener vorantreiben müssen“, betont Mascher. (Dr. Bettina Schubarth)

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