Prunkbau Deutsche Bahn Berlin
Prunkbau Deutsche Bahn BerlinFoto-Quelle: © Susanne Schmich / www.pixelio.de

Was Frauen wirklich denken: Streik ohne Happy End?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Bahnfahren, wenn der Zug denn fährt, ist nicht das, was die Bahn verspricht oder der Fahrpreis suggeriert. Fast im Jahrestakt sind die Preise gestiegen, auch wenn Superschnäppchentickets uns weismachen, wir kommen für 19 Euro quer durch Deutschland. Wer heute von Stuttgart z.B. nach München oder Frankfurt "ganz normal" unterwegs ist, zahlt in Euro mehr als in D-Mark.

Dazu kommt: Bahnfahren gleicht immer öfters Abenteuerreisen.


Von zehn Fahrten nach München sieht meine persönliche Quote selbst in Zeiten ohne Streik so aus: Zwei Züge fuhren pünktlich ab und kamen pünktlich an. Der Rest hatte technische Defekte, startete mit über einer Stunde Verspätung, andere blieben auf der Strecke mehrfach liegen und kamen entsprechend verspätet und unkalkulierbar an. Das ist besonders attraktiv, wenn am Zielort Geschäftspartner warten oder Flüge nicht warten.

Dazu kommt auch: ungepflegtes Interieur, unfreundliches Zugpersonal.


Das ganz normale Abteil, der ganz normale Großraumwagen, die Toilette, selbst Bistro und Bordrestaurant lassen jenen Grad von Sauberkeit vermissen, den ich mit dem Ticketpreis verbinde. Und wenn man Pech hat, trifft man zudem auf Bahnmitarbeiter, die gerade einen schlechten Tag haben. Dass die Bahn mittlerweile seit 20 Jahren privatisiert ist, ist noch nicht bei allen Mitarbeitern und im Serviceverständnis angekommen.

Vieles liegt im Argen. Angeblich vor allem die Lohnstruktur.


Letzteres will uns zumindest GDL-Chef Claus Weselsky nahelegen und legt deshalb immer mal wieder den Zugverkehr lahm, um via Streik seine Forderung nach mehr Geld und weniger Arbeitszeit durchzusetzen. Die Reisenden finden das nicht besonders apart. Entweder man steht in prachtvollen neuen Bahnhöfen oder völlig veralteten oder im Umbau befindlichen und kommt nicht weiter wie geplant.

Aber auch innerhalb der GDL wächst der Ärger. So ein Focus-Beitrag. "Eine Lokführer-Initiative stellt sich offen gegen den Gewerkschaftschef."

Der Vorwurf:

„Ein Streik muss die Ultima Ratio sein."


GDL-Veteran Kowalsky wirft Weselsky vieles vor: „Erst wird verhandelt. Aber Weselsky verhandelt ja gar nicht.“ Angeblich gehe es ihm um den eigenen Machtausbau die Ausweitung des Machtbereichs der GDL und der Streik sei dafür Mittel zum Zweck.

Weselsky stellt dies natürlich anders da. Wer hat nun Recht?

Ich finde, wir. Wir, die Reisenden, die letztlich das Unternehmen Bahn finanzieren, jeden einzelnen Mitarbeiter und irgendwie auch jeden Gewerkschaftsfunktionär. Angesichts des Vorgehens frage ich mich zunehmend, ob Gewerkschaften wirklich noch im Sinne der Arbeitnehmer agieren oder vor allem im Sinne der eigenen Mitglieder und des eigenen Systemerhalts. Denn die Schäden in Millionenhöhe für diese Streiks zahlen in erster Linie wir. Und:

Wohin soll die stete Lohn-Preis-Spirale nach oben führen?


Im Fall der Bahn haben Streik und Konfrontation für mich kein gutes Ende gefunden: höhere Preise - höhere Löhne - schlechtere Leistung. Das ist kein Zug Richtung Zukunft.