Seniorbook - Wenn das Private öffentlich ist
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Beitrag von wize.life-Nutzer

Social Media verändert unser Leben und zeigt, dass wir heute stärker als früher auf uns selbst fokussiert sind.
(Freitag, 24. Oktober 2014) Seit zehn Jahren gibt es Facebook. Das soziale Netzwerk ist in Deutschland mittlerweile Nummer eins unter den Social-Media- Anbietern. 56 Prozent der Internetnutzer geben laut der dritten, erweiterten Studie über soziale Netzwerke von Bitkom aus dem Jahr 2013 an, Facebook aktiv zu nutzen. Darüber hinaus haben in Deutschland vier von fünf Internetnutzern mindestens einen Account in einem sozialen Netzwerk, zwei Drittel von ihnen sind aktiv.

Abgesehen von den Business-Plattformen Xing und Linkedin werden die Netzwerke laut Umfrage vor allem dazu genutzt, sich mit Freunden auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Facebook, Stayfriends, Google Plus, Wer kennt wen, seniorbook, Xing und Twitter sind die beliebtesten Netzwerke und gehören für die meisten von uns inzwischen zum Alltag dazu: 69 Prozent der Netzwerker besuchen täglich die Plattform, auf der sie aktiv sind.
Social Media spiegelt den wachsenden Narzissmus wider
Social-Media-Plattformen haben den Ruf, ein wichtiges Betätigungsfeld für Narzissten zu sein – hier suchen sie nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Applaus. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass Social Media generell den wachsenden Narzissmus in unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Dabei stellten die Forscher von der University of Michigan Folgendes fest: Junge Erwachsene und Studenten leben ihren Narzissmus bevorzugt über Twitter aus, während Ältere Facebook favorisieren. Ihre These lautet: Twitter ist ein Megaphon, Facebook der Spiegel von Narzissten. Die Begründung: Junge Erwachsene gewichten ihre persönliche Meinung stärker. Über Twitter, das Megaphon, streuen sie ihre Ansichten zu einem breiten Spektrum an Themen und Fragen, um ihren sozialen Kreis zu erweitern. Menschen mittleren Alters haben in der Regel ihr soziales Selbst gefunden. Sie nutzen soziale Netzwerke dafür, Anerkennung von denen zu bekommen, die bereits in ihrem sozialen Umfeld sind. Allerdings konnten die Wissenschaftler nicht bestimmen, ob Narzissmus zu einer verstärken Nutzung von Social Media führt und ob Social Media hingegen Narzissmus fördert.
Auf der Suche nach dem gesellschaftlichen Ich
Selfi es, selbstgemachte Porträtfotos, machen einen großen Teil dessen aus, was Nutzer auf Social-Media-Sites von sich posten. Vor allem Frauen, so eine Studie der Universität von Buffalo, deren Selbstwertgefühl auf ihrer äußerlichen Erscheinung fußt, stellen demnach viele Selbstporträts ins Internet. Aber es finden sich auch Selfi es auf Social-Media-Plattformen mit der Frage: „Bin ich hässlich?“ oder „Bin ich schön?“. Fraglich, ob dabei Selbstverliebtheit und Fishing for Compliments eine Rolle spielen oder ob der User auf der Suche nach seinem gesellschaftlichen Ich ist.
Mobber fühlen sich im virtuellen Bereich geschützt
Sich mit anderen austauschen – das ist für die meisten Nutzer das Hauptanliegen. Die Beiträge und Kommentare sind dabei positiver und negativer Art. Als Internettrolle werden die Menschen bezeichnet, die im Internet stänkern, derbe, menschenverachtende Posts veröffentlichen und sogar vor Morddrohungen nicht zurückschrecken. Das passiert oft unter einen Pseudonym, aber auch User mit Klarnamen lassen auf sozialen Netzwerken ihre Wut und ihren Ärger ungeschönt raus. Die Medien-Journalistin Ingrid Brodnig aus Wien zeigt in ihrem Buch „Der unsichtbare Mensch“, dass sich Mobber im virtuellen Bereich geschützt und unbeobachtet fühlen. Oftmals vergessen Social-Media-User jedoch, dass ihre Kommentare beispielsweise auf öffentlichen Facebook-Seiten für jedermann sichtbar sind – sie unterschätzen ihre mediale Reichweite enorm, wie eine Studie der Universität Stanford zeigt: Demnach gehen Internetnutzer davon aus, nur 27 Prozent ihres tatsächlichen Publikums zu erreichen.

Auf eine höhere Reichweite im Netz müssen die Menschen gehofft haben, die beim Hochwasserdrama im Sommer 2013 an der Elbe ihre Hilfe angeboten haben. Auf Twitter und Facebook entstanden etliche Gruppen, die ihre Hilfe anboten oder Hilfe an bestimmten Stellen anfragten. Allerdings unkoordiniert, weil es darüber hinausgehend keine Moderation gab. Während des arabischen Frühlings 2011 wurde Social Media zum ersten Mal als Instrument der Revolution genutzt: Über Facebook und Twitter organisierten die Menschen Protestmärsche und informierten die Weltöffentlichkeit über die Vorfälle in ihrem Land.
Datensicherheit gewinnt an Bedeutung
Es zeigt sich der Trend, dass Social-Media- Nutzer für den privaten Austausch mit Freunden in Zukunft kleinere Chats bevorzugen als Facebook, um intimer kommunizieren zu können. Der Schutz des Privaten vor der Öffentlichkeit und Datensicherheit spielen für viele Social-Media-User eine wichtige Rolle. Laut Bitkom-Studie haben 91 Prozent der User die Auffassung, dass die sozialen Netzwerke für einen besseren Datenschutz sorgen müssen.