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Was Frauen wirklich denken: Ist Arbeit nun Last oder Lust?
Was Frauen wirklich denken: Ist Arbeit nun Last oder Lust?Foto-Quelle: © PixelWookie / pixelio.de

Was Frauen wirklich denken: Ist Arbeit nun Last oder Lust?

Von Sonja Bissbort - Montag, 03.11.2014 - 14:18 Uhr

War es früher selbstverständlich, zur Arbeit zu gehen, hat sich spätestens in den 1970er Jahren im Zuge der Fun-Generation eine völlig neue Einstellung zur Arbeit breit gemacht. Wir diskutieren über Arbeit auch in den Medien, als sei sie notwendiges Übel und als lebe man erst, wenn man nicht arbeitet. Arbeit klingt und schmeckt nach Last und Belästigung.

Liegt dies nun an der Selbstentfremdung durch unsere Arbeitswelt?


Wieso glauben so viele Menschen, der Sinn des Lebens liege nicht am Arbeitsplatz, sondern anderswo? In der Freizeit, im Urlaub, im Hobby, im Nichtstun. Dabei stürzen nicht wenige Menschen in ein so genanntes Leisure-Syndrom.

Zu viel ungefüllte und unerfüllte Freizeit macht Menschen unzufrieden, unglücklich, ja sogar krank. Eine Nachbarin von mir wurde buchstäblich mit dem Tag ihrer Frühberentung krank. Diffuse Krankheitsbilder beherrschten über Jahre ihren Alltag und den ihres Mannes. Statt mit Arbeit war nun der Tag gefüllt mit Arztterminen und Therapien jeglicher Art.

Das ist nicht untypisch. Viele ereilt kurz nach der Rente Herzinfarkt oder Depression.

Mein Großvater arbeitete noch mit über 70.


Er war Bäcker und hatte mit meiner Großmutter eine Bäckerei von Null aus aufgebaut. Nachdem sie alles an meinen Onkel übergeben hatten, arbeiteten beide Großeltern weiter. Jeden Morgen kurz vor 5 Uhr stand mein Großvater in "seiner" Backstube und half. Ich glaube, seine Mithilfe für den Sohn war vor allem Hilfe für ihn selbst - gegen das Nichtstun und das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden.

Arbeit und Leben waren für ihn eins.


Mein Großvater hat nie etwas von Work-Life-Balance gehört. Und viel Arbeit war ihm kein Stress, sondern Freude, weil dann alles gut lief. Es war keine leichte Arbeit, er stand Tag für Tag stundenlang in der Backstube. Im höheren Alter musste ein Bein amputiert werden, wohl mit eine Folge des vielen Stehens, der einseitigen Belastung. Gleichwohl hat er nie gemurrt - gegen seinen Beruf oder sein Schicksal.

Tätiges Tun nennt ein bekannter Unternehmer seine Arbeit.


Er hat einen kleinen mittelständischen Betrieb zu einem führenden Weltkonzern geführt. Sein Denken und Handeln ist gleichwohl humanistisch geprägt, seine Ethik durch soziale Verantwortung. Seine Arbeitszeit pro Woche beträgt 70 Stunden und mehr. Krank war er eigentlich nie.

Was also macht krank? Zu viel Arbeit, zu wenig? Oder einfach unsere eigene Einstellung? Und wenn ja, warum hat sich diese so verändert?

Warum aber jammern heute so viele Menschen über ihre Arbeit, über zu viel Arbeit, über Stress? Haben wir zu viel über die angebliche Last des Arbeitens geredet und gehört und dies so verinnerlicht, dass wir uns unbewusst dagegen wehren?

Mögen wir Arbeit nur noch, wenn sie hoch entlohnt wird, uns sozusagen Schmerzensgeld für entgangene Lebenszeit und Freizeit bietet?


Die Yir-Yoront, ein einheimischer Stamm in Australien, bezeichnen Arbeit und Spiel mit dem gleichen Wort. Die Dogon in Mali haben ein und dasselbe Wort für Ackerbau und für den Tanz bei religiösen Zeremonien, für Arbeit hingegen haben sie keinen allgemeinen Begriff.

Vielleicht, frage ich mich, kommt die Lust an der Arbeit von ganz allein zurück, wenn wir aufhören, sie als Last und Belästigung zu empfinden. Ganz ehrlich: ich wüsste nicht, was ich mit mir und meinem Leben anfangen sollte, wenn ich nicht arbeiten würde. Auch wenn ich mal stöhne und mir mehr Freizeit wünsche. Aber irgendwie sind Leben und Arbeiten für mich eins. Und meistens macht es einfach Freude und Spaß.

5 Kommentare

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Ich bin total Deiner Meinung.
Ich habe gern gearbeitet.
Arbeit war für mich immer ein Zeitvertreib,
ich bekam Anerkennung, hatte Gespräche,
Gesellschaft, und ich habe damit sogar
noch Geld verdient. Es hat auch Zeiten
gegeben, in denen die Doppelbelastung
kaum zu schaffen war. Aber genau das
hat mich stark gemacht, jetzt im Renten-
alter kann ich Haus, Garten immer noch
bestens bestellen und meine sonstigen
Geschäfte ohne Hilfe vortrefflich abwickeln.
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Ein mangelnde Lust am Arbeiten liegt meines ERachtens daran, dass viele nicht den Beruf ausüben, der ihnen Freude bereitet. Und wenn er einmal Freude bereitete, ja wenn es einmal der Traumberuf war, dann hat sich doch vieles in der Arbeitswelt verändert. Ich kann davon ein Lied singen. Mit 4 Jahren wusste ich: ich werde Krankenschwester! Jawoll. Damals hatte ich zwar noch das Bild der adretten jungen Frau im Kopf, gekleidet mit einem blau-weiß gestreiften Kleid, einer weißen Schürze und Häubchen. Ich verfolgte dieses Ziel, bis ich angekommen war und mein Examen in Händen hielt. Ich liebte den Beruf. So viel Spannendes gab es da zu lernen und erfahren und ich konnte (was mir noch nicht klar war) mein Helfersyndrom ausleben. Egal. Durch Familie unterbrochen arbeitete ich später wieder und ich fand es immer noch gut. Die Patienten waren froh mit mir, ich wusste, was ich geleistet hatte. Doch Ende der 90er Jahre machte sich immer mehr die weltberühmte Qualitätssicherung breit. Nach Autoindustrienorm! Ha! Und heute stolpert man bei jeder besten Gelegenheit darüber. Und Papier ist verdammt geduldig, was Qulitätssicherung angeht. Der einzige, der sagen kann, wie er sich behandelt fühlt, ist der nicht genormte Patient. Oder der nicht genormte Kunde, wenn man Brot konsumiert. Und so wurde allmählich aus meinem Traumberuf einer, der mir schwer wurde.

Dein Großvater arbeitete in seinem Takt. Er schuf etwas mit seinen Händen. Das fällt heute für viele flach, vor allem für Computerarbeiter, oder für jene, die Teile vom ganzen herstellen. Die Ergebnisse, die Erfolge fehlen ganz oft. Und: Kaum ein Chef kann wirklich loben. Die Arbeit wird nicht gewertschätzt. Man bekommt zwar den Lohn, aber ein 'haste gut gemacht' fehlt.
Und es kommt hinzu, dass künstliche Hektik erzeugt wird. Nehmen wir den Warentransport. Just in time ist das Zauberwort. Keine Frage, Lagerhaltung kostet einen Haufen Geld und scheint unrentabel zu sein. Aber die LKW-Farher werden von A nach B gehetzt, haben oft kleine Zeitfenster, um zu laden oder die Ware abzuladen. Das erzeugt unnötigen Stress.
Und wir als Kunden hätten, brauchen, wollen, müssen haben. Das erzeugt auch Stress bei den entsprechenden Arbeitskräften. So zieht der Unmut seine Kreise und es kommt das dabei heraus, was Du berichtest.
Hallo Renate Rathmann!
Sie haben einen derart t r e f f e n d e n Bericht geschrieben, dass dem nichts hinzu zu fügen ist! Sie haben den Punkt getroffen, den die Frage der Autorin in vollem Umfang beantwortet!
Oh, vielen Dank auch.
LG
Gehe mit Deinen Ausführungen völlig konform!
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