Landesfrauenrat Bayern
Landesfrauenrat BayernFoto-Quelle: Logo Landesfrauenrat Bayern

Soziale Netzwerke frauenpolitisch nutzen!

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Der Bayerische Landesfrauenrat hat im Sommer 2013 eine sehr gute Stellungnahme seiner Medienkommission herausgegeben. Sie lohnt es, noch einmal gelesen zu werden.

A. Präambel

Unabhängig von Zeit und Raum kann jede und jeder im Internet aktiv sein. Dies kommt mobilen, aber auch immobilen Menschen zugute. Die Form der Kommunikation im Internet ist zunehmend durch die „sozialen Netzwerke“ geprägt. Sie nehmen einen breiten Raum im kommunikativen und sozialen Leben ein, und dies nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen und politischen Bereich.

Die technische Möglichkeit ständiger Erreichbarkeit sorgt für Vor- und Nachteile. Einerseits kann sich durch die rasche Weitergabe von Informationen eine schnelle und lebendige Kommunikation, insbesondere auch zu politische Fragen, entwickeln. Andererseits nimmt im Alltag der Druck zu, immer sofort zu reagieren, ohne dass genügend Zeit zum Nachdenken bleibt. Die ständige Erreichbarkeit führt zu einer Aufhebung der Grenzen zwischen beruflichem und privatem Bereich.

Diskussionen über fehlenden Datenschutz, Cybermobbing und Suchtgefahren in und durch soziale Netzwerke verunsichern viele Nutzerinnen und Nutzer. Gleichzeitig erleichtern eine gezielte Nutzung der sozialen Netzwerke und die Möglichkeit der Interaktivität eine spontane Teilnahme an politischer Meinungsbildung und an politischen Prozessen1, erweitern den Horizont und fördern die Kreativität. Daher ist es notwendig, die frauenspezifische Nutzung sozialer Netzwerke aus Sicht des Bayerischen Landesfrauenrats genauer zu betrachten.

B. Beschreibung der aktuellen Situation

Die Betreiber der erfolgreichsten sozialen Netzwerke sind US-amerikanische Unternehmen „Global Player“. Deren Ziel ist es, die von den Nutzerinnen und Nutzern ins Netz gestellten Daten und Informationen in Form von Texten, Bildern, Videos zu verwerten und zu vermarkten.

Als Anwendungsmöglichkeiten werden angeboten:
Videoportale, Social Network Sites als Kontakt- bzw. Beziehungsnetzwerke zur beruflichen und privaten Vernetzung, Internetforen und Blogs mit persönlichen Artikeln, die kommentiert werden können, Mikrobloggingdienste, um in Kurzform auf aktuelle Informationen hinzuweisen, Online-Enzyklopädien, in welche Artikel eingestellt, abgerufen oder verändert werden können, Fotocommunitys.

Frauen sind kommunikativer und verbringen mehr Zeit in sozialen Netzwerken als Männer.(2) Sie vernetzen sich gerne mit ihren Offline-Freundinnen und -Freunden, neue Kontakte werden dagegen eher vorsichtig bis gar nicht geknüpft. Das gilt allerdings nicht für junge Frauen, die durchschnittlich mehr Kontakte online haben, da sie sich auch mit den Freunden und Freundinnen ihrer Freunde vernetzen. Am meisten nutzen Frauen die kommunikativen Möglichkeiten, indem sie Nachrichten verschicken, chatten sowie Fotos oder Videos kommentieren. Sie teilen gerne gemeinsame Erlebnisberichte, spielen die angebotenen Spiele und sehen sich Videos an oder besuchen „Fanpages“ von Berühmtheiten. Insgesamt interessieren sie sich für ähnliche Themen, wie sie sie auch in den Printmedien finden.

Frauen posten durchschnittlich mehr Fotos als Männer, ändern auch häufiger ihr Profilbild. Für die berufliche Vernetzung nutzen sie die sozialen Netzwerke seltener als Männer und stellen auch weniger gesellschaftspolitische Informationen ein. Je nach Lebenslage sind Themen, Häufigkeit und Art der Nutzung einem permanenten Wandel unterworfen.(3)

Am Bloggen zu politischen Themen sowie bei der Erstellung von online-Enzyklopädien beteiligen Frauen sich eher weniger - mit der Folge, dass auch frauenpolitische Themen sowie Inhalte zu Frauengeschichte und Frauen im kulturellen Bereich unterrepräsentiert sind.

C. Folgerungen

Das Kommunikations- und Informationsverhalten ist dabei, sich völlig zu verändern – weg von den klassischen Informationsmedien Fernsehen und Zeitung hin zu Informationsvermittlung durch das Internet. Neben den Internetnachrichten der klassischen großen Medienhäuser gewinnen auch ungefilterte Informationen durch Livestreams sowie die Meinungsbildung aus politischen Blogs und Internetforen an Bedeutung. Außerdem wird mit der Möglichkeit experimentiert, dass die Bevölkerung über Interaktivität in den sozialen Netzwerken den Programmverlauf mitgestalten kann.(4)

Es ist wichtig, den Anschluss nicht zu verpassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Frauen einerseits zunehmend von politischen Informationen und Diskussionen, aber auch von der Wahrnehmung demokratischer Rechte, zum Beispiel bei Online-Petitionen oder Protestaktionen im Internet, ausgeschlossen sind und andererseits frauenpolitisch relevante Themen in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen werden.


Neue Kommunikationsformen beinhalten neue Risiken und Gefahren. Da ordnungspolitische Regelungen nur begrenzt möglich sind und der Umgang mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oft verwirrend ist, gibt es immer wieder Diskussions- und Informationsbedarf. Es ist wichtig, Vorteile und Gefahren von sozialen Netzwerken ständig zu thematisieren und abzuwägen und gleichzeitig das Problem der Verquickung von dienstlichen Inhalten und privater Nutzung im Auge zu behalten, damit Frauen ohne Unsicherheiten und Hemmschwellen auch in den sozialen Netzwerken Verantwortung für ihre Teilhabe an den politischen Prozessen übernehmen können.

D. Forderungen:

Der Bayerische Landesfrauenrat unterstützt die verantwortungsvolle Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet durch Frauen und fordert vor diesem Hintergrund:
- dafür zu sorgen, dass die Betreiber den Datenschutz einhalten und Sicherheitsprogramme zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vorinstallieren;
- von den Verantwortlichen in der Politik, dafür Sorge zu tragen, dass über neue Entwicklungen sachgerecht und für alle nachvollziehbar informiert wird;
- den Ausbau geschlechtsspezifischer medienpädagogischer Angebote, für Schülerinnen ebenso wie für die ältere Generation.

Der Bayerische Landesfrauenrat empfiehlt den Frauenverbänden: - die sozialen Netzwerke als Kommunikationsform zu nutzen; - die Bildung von Frauennetzwerken in den sozialen Medien zu unterstützen. Der Bayerische Landesfrauenrat fordert alle Frauen auf: - Verantwortung für ihre politische Teilhabe zu übernehmen, frauenpolitische Forderungen aktiv in den sozialen Netzwerken zu kommunizieren und Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen dort zu verbreiten.


Anmerkungen
1 Dr. Antje Schrupp (Bloggerin), Vortrag 18.09.2012 (www.prezi.com/bespb3oroqbn/kommunizieren- im-web-20/)
2 ComScore Media Metrix, Mai 2010 3 Sabine Jörk (Medienwissenschaftlerin), Vortrag, 24.04.2012 4 Sabine Buchner (Teamleiterin on3.de, Bayerischer Rundfunk), Vortrag 18.09.2012