Sieh hin!
Sieh hin!Foto-Quelle: ro18ger/www.pixelio.de

Sieh hin!

Beitrag von wize.life-Nutzer

Hunger haben andere, nicht wir. Zum Bersten voll sind die Kühlschränke in deutschen Landen, wir entbehren nichts. Gebläht und ausgeleiert unsere Mägen und während unser Magen vor Übersäuerung brennt, verkrampft er sich andernorts vor Hunger.

Wir kochen viel, servieren gigantische Mahlzeiten und füttern unsere Mülltonnen wie Haustiere, so wie es sich gehört, des Wohlstands üblicher Ordnung wegen.

Auf der anderen Seite der Welt macht sich ein achtjähriger Junge auf den Weg zur Schule. Er verlässt die kleine Hütte, gefrühstückt hat er nichts.

Der Weg ist weit, über eine Stunde Fußmarsch. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel und in der Savanne sind die ersten Tiere erwacht. Tapfer setzt der Junge Schritt für Schritt und in Gedanken sagt er ein Gedicht auf, um das quälende Hungergefühl zu verdrängen.

Schmal und zierlich ist er und die Rippen an seinem Oberkörper zeichnen sich durch das schmutzige Unterhemdchen ab. Nach über einer halben Stunde kommt er an ein Wasserloch. Gierig trinkt er mit den Händen das gräulich verfärbte Nass. In der Nähe ein Strauch mit Beeren, er pflückt sich eine Handvoll und stopft sie sich in den kleinen Mund.

In Deutschland pendeln wir derweilen zwischen Tellern und Kloschüsseln hin und her und tragen unser Völlegefühl spazieren. Zwischendurch gehen wir zum Sport, um nicht einzurosten, von der maßlosen Fresserei nicht fett zu werden. Wir schieben unsere vollen Einkaufswägen durch die Supermärkte und verschwenden keinen Gedanken an unterernährte Herzen.

Sieh hin! Der kleine Junge im fernen Afrika steht in der langen Reihe seiner Mitschüler zum Essen fassen. In seiner Hand ein altes Blechschüsselchen. Je eine Kelle des pampigen Maisbreis wird an die Kinder verteilt. Mehr wird er nicht bekommen an diesem Tag.

Was gibt es heute zu Mittag, fragen wir uns in der Frühstückspause? Sonst stellen wir keine Fragen, schon gar nicht nach leeren Tellern andernorts....

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