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Wie Du mir, so ich Dir

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer kennt sie nicht, die Sätze aus den Kindertagen, die oft eine Rechtfertigung für das eigene Handeln waren oder als solche missbraucht wurden.

Wie Du mir, so ich Dir!

Oder biblisch ausgedrückt; Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber das klingt mehr nach „Rache ist Blutwurst“, denn ein „Wie Du mir, so ich Dir“ lässt ja auch zu Gutes zu tun, wenn der oder die Andere mir Gutes getan hat. Genau das ist der Knackpunkt, zuerst muss der Andere / die Andere handeln, ich reagiere nur und agiere nicht. So trifft mich keine Schuld die in der Handlung des Anfangs liegen kann.

Was Du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem Andern zu!

Da steht der weinende Jonas im Kindergarten. Er weint weil ihm Lukas das Spielzeug weggenommen hat. Die Kindergärtnerin/Erzieherin fragt dann den Lukas ob Jonas ihm morgen auch mal sein Spielzeug wegnehmen soll. „Wenn der das macht, dann hau ich den“. Das Lukas verlegen den Kopf senkt, dem weinenden Jonas sein Spielzeug bringt, sich entschuldigt und Jonas tröstet entspricht einem Wunschdenken. Da hilft nur der eher kindliche Erziehungsgrundsatz der mit dem Satz „Was Du…“ beginnt. Als Kind oft gehört aber nicht gestört. Und wir, die wir von uns behaupten erwachsen zu sein, erinnern wir uns lediglich an diesem Satz oder ist er zu einer Maxime unseres Handelns geworden?

Lange habe ich gefragt, von wem der Satz eigentlich sei. Bis ich einmal hörte, das er in der Bibel steht. Im Alten Testament steht “Auge um Auge, Zahn um Zahn“, aber den Satz “Was Du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem Andern zu.“ Habe ich nicht gefunden.

Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch. (Lukas6,31)
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch. (Matthäus 7,12)

Diese beiden Sätze stehen tatsächlich im Neuen Testament, aber sind sie mit den beiden bisher genannten Sätzen identisch? Einige Leserinnen und Leser mögen es je nach der Fallgestaltung als identisch einstufen. Der große Unterschied liegt jedoch im Handeln. Hier wird nicht erst zum agieren aufgefordert oder an meine eigene Angst appelliert. Hier bin ich der zuerst Handelnde, ich agiere wohlwollend und zeige dadurch wie ich behandelt werden möchte. Das ist kein Hammer und Ambos Spiel, da ist kein Raum für schlagen oder geschlagen werden. Oder ich agiere mit Gewalt und gebe damit bekannt, dass auch ich Gewalt erleiden möchte.

Wir leben in einem juristischen Kriegszustand, denn eine Grundform unseres Denkens und Handelns lautet: “Was nicht verboten ist, ist erlaubt“. All unsere Verbote, die mittlerweile ganze Bücherregale füllen reichen da nicht aus um ein friedliches Miteinander herbeizuführen. Sie dienen eher den Anwälten zum Erwerb ihres Lebensunterhalts.

Egal welcher Religion, welcher Rasse oder welcher Staatsbürgerschaft, wenn wir die oben genannten Sätze aus dem Neuen Testament bedenken und danach handeln würden, wäre unsere Welt friedlicher.

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2 Kommentare

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Sich für etwas zu rächen heißt doch, sich auf die gleiche niedere Stufe zu stellen. Das sollte man sich schon überlegen, ob man das will, denn manchmal sind die Folgen nicht abzusehen, und ob das dann Genugtuung bringt, ist auch fraglich.
Stimmt!
Ich denke ich habe hier drei unterschiedliche Stufen oder Ebenen des menschlichen Miteinanders aufgezeigt, wobei die erste Stufe auch die unterste Stufe darstellt.
Die höchste Stufe habe ich weggelassen, weil sie nur ganz selten in Betracht kommt.
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