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Mein Wort zum Sonntag: Wachstum ohne Ende?
Mein Wort zum Sonntag: Wachstum ohne Ende?Foto-Quelle: © vege - www.Fotolia.com

Mein Wort zum Sonntag: Wachstum ohne Ende?

News Team
Beitrag von News Team

Die Regierungen verlangen und verkünden immer nur eines: wirtschaftliches Wachstum. So plündern wir weiter unseren Planeten. Und wo soll das enden?
Die deutsche Bundeskanzlerin hat etwas sehr Kluges gesagt und getan: Wir müssen sparen, wie eine schwäbische Hausfrau. Und so strebt die deutsche Regierung einen ausgeglichenen Haushalt ohne neue Schulden an, im Gegensatz zu den USA, wo der Schuldenberg ins Unendliche wächst. Gleichzeitig aber wirkt jede Mitteilung der Wirtschafts"weisen" (oder heißt das: waisen?) wie ein Menetekel, wenn sie verkünden: Das diesjährige Wirtschaftswachstum wird nicht bei 2,5 % liegen sondern nur bei 1,8%. Sparen und gleichzeitig wachsen, wie soll das gehen?
In der Erzählung "Alice hinter den Spiegeln" des englischen Mathematikers und Märchenerzählers Lewis Carroll gibt es eine Szene, die das Wesen des modernen Kapitalismus in verblüffender Klarheit schildert, auch wenn dies in keiner Weise Carrolls Absicht gewesen ist. Dort nimmt die Rote Königin Alice an der Hand und läuft mit ihr, so schnell sie können. Aber sie kommen nicht vom Fleck. Verwundert sagt Alice: Aber wir sind doch die ganze Zeit unter dem Baum geblieben? Woraufhin die Rote Königin entgegnet:
"Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst. Und um woanders hin zu kommen, muss man noch mindestens doppelt so schnell laufen."

Der "Rote-Königin-Effekt"

Die Szene hat Eingang in den allgemeinen angelsächsischen Sprachgebrauch gefunden. Das Phänomen: sich übermäßig anstrengen und dennoch nicht weiterkommen, wird als "Rote-Königin-Effekt" bezeichnet. Er gilt sowohl in der Evolutionslehre (Wozu gibt es geschlechtliche Fortpflanzung?) also auch in den Wirtschaftswissenschaften. Womit wir wieder beim Thema wären: Wer nichts tut, fällt zurück, wer sich ungeheuer anstrengt, kann gerade noch mithalten, wer weiterkommen will, muss an die Grenzen der Person und der Firma gehen und diese überwinden. Was dazu führt, dass, gemäß dem Motto "Wachstum um jeden Preis", unser Planet weiterhin geplündert wird, und während die letzten Öl- und Gasreserven durch fragwürdige Methoden der Erde und den Meeren entrissen werden, geht die Natur zugrunde, und mit ihr demnächst auch der Mensch.
Leider ist es wirklich so: Wer das "Rattenrennen" nicht mitmacht, der bleibt zurück und endet im Nichts. Dennoch sei die Frage erlaubt: Geht es auch anders? Es geht! Einige Firmen haben den Wettlauf verlassen, ohne pleite gegangen zu sein. Wie zum Beispiel die Brauerei Neumarkter Lammsbräu, die exzellentes Bier liefert. Wachstum? Nicht um jeden Preis, dafür ökologische Ziele: Wie kann die Brauerei regionale Bio-Landwirtschaft fördern? Wie lassen sich die CO2-Ausstöße weiter reduzieren? Wie kann man qualitativ hochwertige Produkte herstellen und den Kunden zufriedenstellen? Oder auch: Geht es meinen Mitarbeitern gut? Beim Hopfen beispielsweise begrenzt sich die Brauerei selbst, indem sie nur Pflanzen aus einem Umkreis von 70 Kilometern verwendet. Das ist die maximale Entfernung, bei der sich eine Traktorfahrt noch lohnt.

Weniger Wachstum = weniger Ausgaben = mehr Gewinn

Andere Unternehmen entscheiden sich ab einer bestimmten Größe auch aus wirtschaftlichen Gründen gegen mehr Wachstum. Würden sie neue Mitarbeiter einstellen oder ihren Umsatz weiter nach oben schrauben, müssten sie zusätzliche Gesetze und Regelungen beachten. Die Folge: Sprunghaft steigende Verwaltungskosten, die die Mehreinnahmen größtenteils wieder auffressen. Das Schweizer Unternehmen Victorinox beispielsweise wirtschaftet stark antizyklisch: In erfolgreichen Jahren spart der Taschenmesserhersteller einen Großteil seiner Gewinne, anstatt mit dem Geld Betrieb und Verwaltung weiter auszudehnen. Diese Reserven dienen für Krisenzeiten: So musste Victorinox in der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 keinen einzigen Mitarbeiter entlassen. Damals war der Umsatz schlagartig um rund ein Drittel eingebrochen, aufgrund der strengeren Regelungen für Flugpassagiere. Für viele andere Unternehmen wäre das wohl das Aus gewesen.
Wachstum ins Unendliche? Kann nicht sein, muss auch nicht sein!


3 Kommentare

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Ich denke das Grundübel liegt im Geldsystem,....Zins und Zinseszins!
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Wachstum begrenzen - Konvivialismus (Sendung vom 12.09.2014)

Studiogast: Frank Adloff, Philosoph Moderation: Jürgen Wiebicke © WDR 2014 Audio

WDR 5 Philosophisches Radio

http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wd...player.html

Ja, wir müssen uns nun auf den Weg machen und uns neuem Denken zuwenden, den das Alte hat uns zu dem geführt wo wir heute stehen. Was könnten Alternativen sein ? Konvivialismus ? .. schon mal etwas gehört ?

Viel Spaß beim Hin und Zuhören.
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Ein sehr interessanter Beitrag. Ich bin jetzt 68 Jahre. Mein kleiner Enkelsohn 2 Jahre. Oft denke ich daran, wie unser Erdball ausehen wird, wenn der Kleine so alt ist, wie ich es jetzt bin.
Falls es in 66 Jahren überhaupt noch Menschen auf dieser Erde gibt.
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