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Anmerkungen zur Gedenkfeier 8.Mai 1945

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 09.05.2015 - 11:34 Uhr

Der 8. Mai 1945 als historisches Datum hat - meine ich - zwei Dimensionen.

1. Die Befreiung vom Hitlerismus.

Dieser Befreiung müssen wir gedenken, weil sie uns Deutsche von unsäglichen Leiden erlöst hat.
Wir werden gemeinsam mit allen Betreiligten der Befreiung mit Gedenkreden , entsprechenden Zeremonien und tiefer Betroffenheit gedenken.

2. Die Niederwerfung Deutschlands.

Wer das Museum in Berlin-Karlshorst, in der ehemaligen Pionierkaserne, in der Stalin die Wiederholung der Kapitulation (Reims) gefordert hat, je besucht hat, spürt den Geist des sowietisches Triumpfes, des Sieges über Deutschland.

Diese Niederwerfung, die für jeden betroffenen Deutschen neben dem Hochgefühl der Befreiung auch

das bittere Gefühl der Demütigung

ausgelöst hat, wird heute von ( manchen) damaligen Siegern mit Militärparaden zelebriert.

Militärparaden sind keine Gesten der friedlichen Handreichung.
Handreichungen, die in der aktuellen geopolitischen Lage angebracht wären.

Ich erinnere an eine Feststellung, die von einem ungarischen Literaten in der Paulskirche vor einigen Jahren getroffen wurde:

"Der gemeinsame Hass der Nachbarstaaten auf Deutschland ist der Kitt, der diese Staaten zusammenhält."

Die Kanzlerin hat der Gedenkfeier am Grabmal des Unbekannten Soldaten in Moskau beigewohnt.

Sie wird der Siegesfeier über Deutschland in Moskau fernbleiben.

14 Kommentare

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Wie wenig der Nationalsozialismus aufgearbeitet wurde kann man in dem Beitrag an dem Satz: "Dieser Befreiung müssen wir gedenken, weil sie uns Deutsche von unsäglichen Leiden erlöst hat", erkennen.

Auf die Idee, dass ganz Europa von unsäglichem Leiden erlöst wurde, ist der Schreiber gar nicht gekommen.
Dass man vielleicht auch in Russland ein "bitteres Gefühl der Demütigung" empfand, nachdem dort 20 Millionen Menschen ermordet wurden?
Dass die faschistische Terrorherrschaft in Holland, Frankreich, Italien, den Balkan-Staaten usw. dort evtl. als "Demütigung" empfunden wurde?

Der angebliche "gemeinsame Hass der Nachbarstaaten auf Deutschland" der diese Länder zusammen gekittet haben soll, wäre nicht sehr verwunderlich.
Wirklich verwunderlich ist die große Bereitschaft, mit der diese Länder wieder in freundschaftlichen Dialog mit den Deutschen getreten sind. Obwohl man auch dort gesehen hat, das eine echte "Entnazifizierung" in Deutschland nicht stattgefunden hat.
Michael,
die Schrecken und Leiden, die der Hitlerismus über die Menschheit gebracht hat, sind Teil, sind eine Facette des „Deutschen Leids“.

Diese Lektion haben wir, die Nachgeborenen, von unseren Vätern und von unseren Lehrern gelernt.
Dass Du darauf ausführlich nochmals hinweist, das ist lobenswert. Es ist jedoch hinlänglich bekannt.

Im Beitrag geht es mir allerdings um die Bewertung der Militärparade in Moskau.

Zu Recht hat Felix in seinem Kommentar deutlich gemacht, dass die Teilnahme deutscher Soldaten an der Militär-Parade in Paris heute anders bewertet wird, als vor 30 Jahren.

Unsere Väter sind verstorben. Wir SBler, im 3. Drittel unseres Lebens, spielen auch die „große Geige“ nicht mehr.

Diejenigen, im 2. Drittel, oder gar die im 1. Drittel, die leben nach ihren eigenen Vorstellungen . Für die ist unsere Haltung – ob entnazifiziert oder net entnazifiziert – nicht mehr so prickelnd relevant.

Wahrgenommen wird von der jungen, aktiven Generation jedoch das Handeln der politisch, ökonomisch , kulturell Handelnden.

In diesem Licht würde ich die Militärparade in Moskau gerne sehen.
Siegesfeiern, wie „Sedan“ oder „Berlin“ passen nicht mehr in unser vereintes Europa.

Kannst Du mir da zustimmen?
Ja, Manfred. Das kann ich im Prinzip. Militärische Siegesfeiern (und jede andere Form militärischer Feiern) sind generell pervers. Denn sie feiern stets das verbreiten von Leid und den Mord an anderen Menschen.

Irritierend ist Dein Begriff "Hitlerismus". Warum schreibst Du nicht Faschismus? Glaubst Du es könne eine menschliche Form des Faschismus geben? Du wärst damit auch auf der sicheren Seite, denn es gibt ja den rechten, wie den linken Faschismus.
Michael, ich möchte zu Deiner letzten Frage einen Betrag verfassen, den ich unter Themen einstellen werde.
Super Idee Manfred. Ich bin gespannt, denn ich bin schon davon ausgegangen, dass Du Dir dabei etwas ganz spezielles denkst.
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Es war Ende der 1980er als deutsche Soldaten in Frankreich zum ersten Mal nach der Befreiuung von 1944 anl. der Parade zum 14. Juli auf den Champs Elysee paradierten. Hier hatte die Militärparade das Symbol einer Handreichung.
Hier, Felix, hatte die Parade das Symbol der Teilhabe, einer Handreichung gleich, gehabt.

Es hat in Deutschland des Kaiserreiches einen unwürdigen Feier- und Freudentag gegeben. (Schulfreiheit)

Den "Sedantag".

Er sollte an die Niederwerfung des "Erzfeindes Frankreich" am 2. September 1871 erinner --- an den Triumph über Frankreich erinnern.

Dieser unseelige Sedantag war - so meine ich - von gleicher Qualität, wie der 8. Mai 1945 - so, wie er in Moskau heute noch gefeiert wird.

Gedenktage, die an die Staatsgründung (Israel) oder an die Befreiung vom osmanischen Joch (Griechenland) oder an die Befreiung der Bastille erinnern sollen, haben für den jeweiligen Staat identitätsstiftenden Charakter.

Definiert sich Russland über den Sieg über Deutschland?
Sicher nicht.

Aber Stalin hat sich über den Triumph über Hitler definiert.
Dem Sieg
des Bolschewismus Stalin´scher Prägung
über
den Nationalsozialismus Hitler´scher Prägung.
Militärparaden immer ein Ausdruck von Stärke, ein "Spiel der Muskeln" oder ein Zeichen des Sieges.
Auch die Militärparade in Paris zum 14. Juli ist ein Zeichen der Präsens Frankreichs, wenn die neuesten Waffensysteme der Welt gezeigt werden, wenn ganz bewusst die "force de frappe", genauer die "Force de dissuasion nucléaire" gezeigt wird. Das Zielrichtung dieser Signale dürfte auch klar sein. Hier geht es nicht nur um die Bedeutung des "Sturm auf die Bastille".

Ungewöhnlich ist es jedoch, dass ein ehemaliger Feind gerade an solch einer Parade teilnehmen durfte und darf, ein Feind, der 70 Jahre zuvor eine Parade zum Sieg über Frankreich, mit der Absicht der Demütigung, abhnahm, an dem Ort an dem Frankreich sich militärisch zeigt, .
Meiner Wahrnehmung nach wurde Frankreich von "den Deutschen" nie als ein "Feind" wahrgenommen sondern schlimmstenfalls als ein militärischer "Gegner".
Oh für Frankreich war Deutschkand sehr wohl ein Feind. Denken wir an die Gründung des Deutschen Reiches in Versailles, an den Stellungskrieg im 1. Weltkrieg, an den Überfall 1940 mit der Unterzeichnung der franz. Kapitulation am selben Ort, wie die deutsche Kapitulation von 1918, alles Ereignisse, die das Bild der deutschen in Frankreich über Jahrzehnte geprägt haben und das nicht als Freunde. Es gab auch Ausnahmen. De Gaulle war einer der deutlichsten nach dem Weltkrieg...
Ausdruck der Feindschaft war wohl auch die Benennung einer Metro-Station nach "Stalingrad"?
Ne, die Station wurde in Erinnerung an den Sieg der Roten Armee in der Schlacht um Stalingrad so genannt. Das ist ein feiner Unterschied, zu Ausdruck als Feindschaft.
Völkerfeindschaft ... ein schlimmes Wort.
Wir, die Generation danach, wollen Völkerfreundschaft anstreben. unkonditionierte Völkerfreundschaft.
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In zehn Jahren wird es in Deutschland nur noch ein verschwindend kleines Häuflein Menschen geben, die das Ende des zweiten Weltkrieges noch in bewusster Erinnerung haben. Die Frage ist erlaubt, ob es danach noch immer bei uns Menschen geben wird, die die Niederlage Deutschlands nicht als Befreiung von einem verbrecherischen Regime, sondern alss einen beklagenswerten historischen Vorgang ansehen, den sie am liebsten ungeschehen machen würden. Aus vielen Kommentaren zur geegenwärtigen Politik in Europa und der Welt, die ich hier bei SB in den letzten Wpochen lesen konnte, kann man mehr oder weniger deutlich heraushören, dass die Niederlage Nazideutschlands und deren Folgen von den Schreibern als zutiefst demütigend empfunden wird. Die Siegermächte von 1945, die ja auch alle Deutschen vom Naziterror befreiten, werden offen und unverhohlen als "Besatzer", als ausbeutende Unterdrücker und Sklavenhalter tituliert, es wird ihnen unterstellt, dass sie nur zum Schein uns ihre untaugliche Demokratie aufoktroyiert hötten, um uns ihren Interessen gefügig zu machen. Gesstützt und verstärkt werden solche Ansichten durch eine Unzaahl von sogenannten "aufklärerischen, unabhängigen" Nachrichtenseiten im Internet, deren vorrangiges Ziel es ist, Angst, Wut und Hass zu verbreiten. Als bevorzugte Zielscheiben dienen sowohl die eigene Regierung als auch insbesondere die USA, die beschuldigt wird, schon beim Eintritt in den 2. Weltkrieg die Weltherrschaft im Blick gehabt zu haben.
Für diese Leute war nicht Auschwitz und Dachau, sondern die Kapitulation Deutschlands eine Schande. Die Kriegsschuldfrage ist auch gelöst: Nicht Hitler wollte den Krieg, sondern wir wurden hineingezwungen. Naziverbrechen? - Es war doch Krieg, da passieren solche Sachen eben. Und die anderen waren und sind doch auch nicht besser.

Kann man hoffen, dass solche Parolen in 10 Jahren nicht mehr zu hören sein werden?
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