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Weit mehr als ein Tante-Emma-Laden

Weit mehr als ein Tante-Emma-Laden

Von Sozialverband VdK Bayern e.V. - Montag, 18.05.2015 - 09:38 Uhr

Wo die Grundversorgung gefährdet ist, müssen Bürger selbst anpacken – Das Erfolgskonzept Dorfladen macht Schule


Was tun, wenn ein Lebensmittelgeschäft und eine Drogerie um die Ecke fehlen und auch die nächste Apotheke fern ist? Nicht jeder kann weite Wege bis zum nächsten Einkaufszentrum zurücklegen. Damit eine fußläufige Grundversorgung erhalten bleibt, tun sich mancherorts Bürger zusammen und betreiben einen Dorfladen.

Dass die Idee sehr gut gelingen kann, weiß Wolfgang Gröll aus Starnberg. Der Unternehmensberater begleitet seit mehr als 20 Jahren Deutschlands Dorfladen-Gründer und bestätigt: Das Modell macht bundesweit Schule. Es ist nicht so, dass die bayerische Marktgemeinde Waal im Ostallgäu mit ihren rund 2200 Bewohnern überhaupt nicht versorgt ist. Immerhin sind dort zwei Bäckereien, ein Naturkostladen und eine Metzgerei angesiedelt. Das Problem ist, dass der einzige normale Supermarkt seit 2013 geschlossen hat.

„Wer spontan mal Backpapier, Paniermehl, Milch oder Spülmittel kaufen wollte, ist schnell in den Edeka marschiert“, erzählt Doris Neuner, VdK-Ortsvorsitzende von Buchloe. Der hat das Sortiment des täglichen Bedarfs gedeckt und zu einem günstigen Preis angeboten. Jetzt steht das Geschäft leer. „Der nächste Discounter ist sieben Kilometer entfernt in Buchloe“, sagt Doris Neuner. Als Seniorenbeauftragte von Waal liegen ihr besonders die Belange der älteren Mitbürger am Herzen: „Ohne zentral gelegene Einkaufsmöglichkeiten sind vor allem die hochbetagten und gehbehinderten Menschen von der Versorgung abgeschnitten.“

Doch jetzt ist eine Lösung in Sicht. „Als klar war, dass sich kein Nachfolger für das alte Lebensmittelgeschäft finden würde, entstand die Idee, einen Dorfladen in Waal zu gründen“, erzählt Kerstin Neubert, Vorsitzende des Arbeitskreises Dorfladen Waal. Damit wollen die Initiatoren nicht nur den Ladenschwund bremsen, sondern auch einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen – eine Grundphilosophie der Dorfläden.

Gewinner und Verlierer

Das Problem der mangelnden Grundversorgung kennen viele strukturschwache Regionen. Studien zum demografischen Wandel in Deutschland machen immer wieder auf die Gewinner und Verlierer der Entwicklung aufmerksam: Während die Großstädte und ihr Umland boomen und bereits heute aus allen Nähten platzen, drohen einige ländliche Gebiete extrem zu schrumpfen und von einer attraktiven Infrastruktur abgehängt zu werden. In Bayern sind vor allem Ober- und Unterfranken sowie die Oberpfalz betroffen.

Wo die Grundversorgung gefährdet ist, müssen Bürger selbst aktiv werden. Das gemeinnützige Konzept Dorfladen hat sich als zuverlässige Investition etabliert und schon viele Nachahmer gefunden. Laut Dorfladen-Netzwerk gibt es bundesweit mehr als 200 Bürger-Dorfläden, die meisten davon in Bayern. „90 Prozent der Dorfläden sind erfolgreich“, weiß Wolfgang Gröll aus Starnberg. Der Unternehmensberater reist quer durch die Republik, um die Dorfladen-Betreiber zu begleiten. Seit mehr als 20 Jahren gibt er ihnen das Rüstzeug an die Hand, damit der Prozess von der Gründung über die Eröffnung bis hin zum laufenden Betrieb gelingt.

Zurzeit unterstützt er das Team in Waal, das schon mitten in der Vorbereitungsphase steckt. Gründungsmitglied Kerstin Neubert: „Ich bin relativ blauäugig an das Thema herangegangen. Doch von Wolfgang Gröll habe ich gelernt, dass auch ein Dorfladen eine rechtliche Absicherung braucht.“ Von Anfang an wurden die Bürger eingebunden. Denn ein Dorfladen hängt vom Zuspruch der Bewohner vor Ort ab. „Die gute Grundstimmung der Mitbürger hat uns Aufwind gegeben“, freut sich Vorsitzende Neubert. „Im Idealfall beteiligen sich die Bürger selbst, stehen also beispielsweise hinter der Theke“, sagt Wolfgang Gröll.

Ein weiterer Tipp des Unternehmensberaters lautet: „Jeder Dorfladen sollte sein eigenes Gesicht haben und darf nicht mit bereits bestehenden Gewerbetreibenden konkurrieren.“ Um das Angebot auf den Bedarf der Bürger zuzuschneiden, wurden die Waaler zu ihren Wünschen befragt. „Drogerieartikel, frische Blumen, Schreibwaren und Kopierservice, Lottoannahme und einen Apothekendienst“: Kerstin Neubert zählt auf, was die Kundschaft im Dorfladen Waal für ihr Geld bald bekommen soll. Natürlich zusätzlich zu Lebensmitteln.

Die 58-Jährige hofft, das Sortiment noch um Produkte aus der Region erweitern zu können. „Körbchen mit frischen Johannisbeeren und Eier direkt vom Bauernhof – das wäre toll.“ Mit dem Dorfladen, der im Herbst starten soll, holen die Bürger das Lebensmittelgeschäft in den Dorfkern zurück. Und wer sich beim Einkauf mit Nachbarn und Bekannten austauschen kann, geht gern dorthin. (Elisabeth Antritter)

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1 Kommentar

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Ich kann nur sagen : ich liebe unseren Dorfladen !!
Da wird noch gschwätzed….
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