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Faschismus?

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 16.05.2015 - 21:56 Uhr

Das Wort
„Die pauschale Verwendung des Wortes Faschismus in der politischen Polemik der Kommunisten trug erheblich dazu bei, dass sich ein einigemaßen präzise umrissener Faschismus-Begriff nicht bildete. [Hans J. Lieber Polit.Theorien]

Dazu liefert Lieber folgende Erklärung:

Die Entstehung
Bereits in 1922 gelangte die Faschistischen Partei in Italien an die Macht.
Die Kommunisten werteten dieses Ergebnis als schwerer Rückschlag bei ihren Bemühungen um die Weltrevolution .

Auf dem 4. Kongress der Kommunistischen Internationale sagten Sinowjew, wie auch Karl Radek eine faschistische Umwälzung in Mitteleuropa voraus.
„Der Sieg des Faschismus sei wohl die größte Niederlage, die der Sozialismus und der Kommunismus seit Beginn der Periode der Weltrevolution erlitten habe.“

Der Begriff

Für die Kommunisten wurde der Sieg der Partei Mussolinis zum Menetekel.
Für sie waren fortan alle antikommunistischen Kräfte faschistisch.
Auch die Sozialdemokraten wurden als „Sozialfaschisten“ mit eingeschlossen.

Das Phänomen Faschismus

Unbestritten ist, dass der Faschismus
 scharf antimarxistisch orientiert ist und
 dazu bereit ist,
 seine Ziele auf diktatorischem Weg durchzusetzen,
 die Menschen in ein straffes System der Führung einzugliedern,
 das Kollektiv dem Individuum gegenüber zu betonen,
 Ernst Nolte: „Faschismus ist Antimarxismus“

Drei Bewegungen unterschiedlicher Ausprägung

Der italienische Faschismus nach Mussolini
Der französische Faschismus nach Maurras,
Der deutsche Nationalsozialismus nach Hitler und Ludendorff

Lassen sich die drei Strömungen in einem Atemzug nennen?

Renzo de Felice sah im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus „zwei Welten, zwei Traditionen, zwei Nationalgeschichten, die absolut nicht miteinander vergleichbar sind.

Der Nationalsozialismus oder Hitlerismus

Der Hitlerismus war von derart ausgeprägter Eigenart und setzte
*Menschenverachtung
*Terror
*Mordwillen
in so starkem Maße ein, dass es nicht vertretbar erscheint, ihn in den Faschismus ohne weiteres einzuordnen.
Das liefe, worauf Karl Dietrich Bracher verwiesen hat, auf eine Bagatellisierung hinaus.

Der Nationalsozialismus war also von entschieden anderer Qualität als der Faschismus.

5 Kommentare

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Bei der Definition, wie der Faschismus ist, fehlt ein extrem wichtiges Merkmal: Er ist Anti-Demokratisch !
Faschismus lediglich als Anti-Marxistisch zu definieren, zielt schon alleine deswegen zu kurz, weil es auch einen "linken" Faschismus gibt.
Die weitern drei, hier aufgeführten Merkmale:
- seine Ziele auf diktatorischem Weg durchzusetzen,
- die Menschen in ein straffes System der Führung einzugliedern,
- das Kollektiv dem Individuum gegenüber zu betonen,
wirken nur dann nicht verniedlichend, wenn man auch auf die Ziele schaut, das System der Führung als repressiv erkennt und nicht übersieht, das im Faschismus das Gefühl des "Kollektivs" immer über die Abwertung anderer Gruppen geschaffen wird.

Die Abgrenzung eines Hitlerismus vom Faschismus wäre nur dann möglich, wenn ich die Merkmale Menschenverachtung, Terror und Mordwillen, nicht in jedem Faschismus finden würde.
@Michael, meine Vermutung, dass der Begriff "Faschismus" anstelle von "Nationalsozialismus" eingesetzt wir, hat mich durch Bennos Kommentar bestärkt.

Die Assoziation zum Sozialismus soll vermieden werden.

Eine geringe Verfälschung der historischen Tatsachen wird also billigend in Kauf genommen, um den "Schein zu wahren".
Weil mir das unaufrichtig erscheint, habe ich den Begriff "Hitlerismus", der von Erich Fromm benutzt wurde, zur besseren Differezierung des Faschismusbegriffs verwendet.

Da ich kein Geschichtslehrer bin, habe ich das Buch "Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart", von Hans-Joachim Lieber zur Hand genommen, nachgelesen und zitiert.
Schwerpunkt seiner wissensch. Arbeit sind Probleme der Ideologien, insbesondere des Marxismus und des Marxismus-Leninismus.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass Faschismus eine Ideologie ist. Dieser Ideologie bedienten sich verschiedene Regime. In Italien, quasi dem Geburtsort dieser Ideologie, nannte man sie Faschismus.
Andere totalitäre Regime, die auf der gleichen Ideologie fußten, gaben sich andere Namen (Nationalsozialismus, Movimiento Nacional, etc. und ich weiß nicht wie es in Nord-Korea heißt).
Gute Idee, Michael
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Um die Frage zu klären "was ist Faschismus", sollte man sich evtl. seinen Ursprung ansehen:
Der Begriff wird historisch auf die „fasci di combattimento“ zurückgeführt: jene „Kampfbünde“, die Mussolini im März 1919 gründete. Sie sahen Gewalt als legitimes politisches Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele an. Ziel ihrer Angriffe waren zunächst Einzelpersonen und Anschläge auf das Eigentum von Gegnern, später erstreckten sich die Aktionen auf kleinere Orte bis man zuletzt im Rahmen von „Strafaktionen“ auf die Besetzung von Städten und die Zerstörung der Infrastruktur der Gegner überging. Ziele waren vor allem Vereinslokale und Zeitungsredaktionen. Die Opfer wurden verprügelt, erschlagen oder wurden gezwungen, Rizinusöl zu trinken (in größeren Mengen führt es zu einem qualvollen Tod).
Mit Hilfe dieser Paramilitärs, Straßenterror, einem starken Personenkult, Massenpropaganda und dem wirksam inszenierten „Marsch auf Rom“ eroberte Mussolini 1922 das Amt des italienischen Ministerpräsidenten. Er baute dann schrittweise mit einem Ermächtigungsgesetz, Verbot der übrigen Parteien, Aufhebung der Bürgerrechte und Pressefreiheit, Ausbau der Parteimiliz und politischen Morden bis 1925 eine Einparteiendiktatur unter einem von ihm geführten „Großen Faschistischen Rat“ in Italien auf.
So erscheint es sehr schwer, einen Hitlerismus von einem "Mussolinismus" abzugrenzen. Der gemeinsame Begriff "Faschismus" ist also doch hilfreich, diese Ideologie zu kennzeichnen.
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