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„Das rote Auge von HAL 9000“

Künstliche Intelligenz – Bedrohung oder Hoffnung?

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 17.05.2015 - 19:02 Uhr

Das Thema wird heute ebenso aktuell und interessiert bewertet, wie schon vor Jahrzehnten aus der damaligen technologischen Perspektive. Dazwischen liegen umfassende Entwicklungen und IT-Forschungen, die viele unserer SB-Mitglieder vermutlich auch miterlebt haben. Vielleicht sogar beruflich, oder als interessierte Laien praxisbezogen zuhause an den verschiedenen PC unterschiedlicher Generationen.
Zum Verständnis, worum es sich bei diesem Thema handelt, soll mit folgendem Zitat einmal verdeutlicht werden:
<< Die Menschheit wird sich daher im weiteren Verlaufe mehr und mehr, ob sie das nun wünscht oder nicht, den Entscheidungen technischer Intelligenz anvertrauen müssen, auch wenn sie deren Argumente und Ratschläge immer häufiger blind wird akzeptieren müssen, weil sie nicht mehr dazu in der Lage ist, ihr Zustandekommen zu durchschauen. Was das kulturell und historisch bedeuten würde, liegt auf der Hand.
Den ersten Fall dieser Art scheinen wir übrigens bereits hinter uns gebracht zu haben. Der amerikanische General McArthur empfahl seiner Regierung gegen Ende des Koreakriegs den Einsatz von Atombomben. Der Vorschlag wurde bekanntlich abgelehnt und der General (wenn auch nicht allein aus diesem Grunde) abgelöst. Nachträglich wurde bekannt, daß dies geschah, nachdem strategische Computer die möglichen Konsequenzen des Einsatzes von Atombomben durchgespielt hatten, und zwar mit einem für die USA negativen Ergebnis. Wenn die Information stimmt, dann wäre dies historisch wohl das erste Mal gewesen, daß die Entscheidung eines Computers der des verantwortlichen menschlichen Entscheidungsträgers in einer Situation von weltpolitischer Bedeutung vorgezogen wurde. Vielleicht also verdanken wir es einem Computer, daß die Erde heute noch besteht.>> (Quelle: weiter unten bei 1985)

Ich bin mir jetzt auch gar nicht so sicher, in welcher „Themenkategorie“ der Beitrag unzweifelhaft platziert werden soll! Natürlich hat er einen philosophischen Kontext, und auch ‚Forschung’ ist involviert. ‚Computer & Technik’ würde wohl ebenfalls passen, ich habe mich letztlich dann für ‚Politik & Gesellschaft’ entschieden – hier sind vermutlich die intensiveren Berührungspunkte zu erwarten. Aber als interessierter Laie kann (und darf! ) ich mich natürlich irren …

Es ist doch erstaunlich, wie sich gleichwertige Denkansätze zu dieser Problematik trotz der dazwischen liegenden Jahrzehnte prinzipiell und inhaltlich gleichen. Hier einige Beispiele dafür, dass die heutigen Besorgnisse und Ängste auch schon vor mehr als 30 Jahren beunruhigten!

2015:
Physiker warnt vor künstlicher Intelligenz:
<<Der Astrophysiker Stephen Hawking warnt vor den Auswirkungen der künstlichen Intelligenz für die Menschheit, und warum sie in der Zukunft negative Auswirkungen haben könnte. […] Er sieht darin eine Bedrohung und glaubt, dass dadurch das Ende der Menschheit eingeleitet werden könnte. […] Er fürchte die Konsequenzen einer (technischen) Entwicklung, die dem Menschen gleich kommt oder diesen sogar überrunde. „Da der Mensch durch langsame biologische Evolution beschränkt ist, könnte er nicht konkurrieren und würde verdrängt werden“. […] Ob die Maschinen irgendwann die Kontrolle übernehmen werden, werde die Zukunft zeigen. Was aber bereits heute klar sei, dass sie die Menschen zunehmend vom Arbeitsmarkt verdränge.>>
http://www.handelsblatt.com/technik/...067072.html

1985:
Die Bedeutung von künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft:
(Vortrag bei der Fa. Nixdorf in Paderborn, 1985 - Hoimar v. Ditfurth)
<< Inwieweit würden wir uns einer nichtmenschlichen, uns überlegenen (etwa elektronischen) Intelligenz überhaupt anvertrauen dürfen, würden wir von ihr abhängig werden, oder hätten wir sie vielleicht sogar zu fürchten? […] Ich glaube, daß die weitere Entwicklung Formen künstlicher Intelligenz hervorbringen wird, welche die menschliche Intelligenz nicht nur einholen, sondern auch überholen und schließlich auf unvorstellbare Weise hinter sich lassen werden. Inwieweit die heute lebenden Menschen von den ersten Schritten dieser mir unaufhaltsam erscheinenden Entwicklung bereits betroffen werden könnten, weiß ich nicht. […] Technische Systeme, die künstliche Formen von Intelligenz realisieren, wären solchen Einschränkungen und biologischen Abhängigkeiten grundsätzlich nicht unterworfen. […] Schon heute … produziert unsere Gesellschaft Strukturen von einer Komplexität, welche die analytische Potenz der menschlichen Intelligenz überfordern. Nicht der kleinste Teil der heutigen globalen Probleme ist eine direkte Folge dieses Mißverhältnisses. […] Es wäre denkbar, daß die weitere Entwicklung auf diesem Wege einmal so etwas wie eine fortschreitende Entmündigung des intellektuell mehr und mehr zurückfallenden Menschen herbeiführen könnte.>>
http://www.facebook.com/notes/hoimar...36480270499

1979:
Computer als Richter und Arzt?
(SPIEGEL-Gespräch mit Wissenschaftlern / Heft-Nr. 17/1979)
<< SPIEGEL: Werden wir es noch erleben, Herr Professor von Ditfurth, daß Maschinen intelligenter sein werden als wir Menschen? […] Aber lassen Sie mich, einmal ganz unabhängig vom Datum, über die Konsequenzen spekulieren. Es könnte ja bedeuten, daß wir uns als eine bloße Übergangsstufe der Evolution zu verstehen haben, daß wir vielleicht einmal abgelöst werden könnten von kybernetischen Strukturen. Eine solche Perspektive, wenn wir sie akzeptieren, hätte doch Rückwirkungen auf unser Selbstverständnis heute, selbst wenn das erst in tausend Jahren geschehen würde. […] Ich sehe darin, ob dem Computer Grenzen gesetzt werden, weder ein technisches noch ein abstraktes ethisches Problem, es ist in erster Linie ein soziales Problem. Es wird in Zukunft oft zu entscheiden sein, wo man Computer zuläßt und wo nicht. Diese Entscheidungen werden sehr weit in das Verständnis vom Menschen reichen.
[…]
Ich kann mir nicht nur vorstellen, daß militärische und politische Entscheidungen bis hin zu einer Kriegserklärung allzu stark von der Bereitstellung und Analyse der Fakten durch den Computer beeinflußt würden. Ich habe sogar die Sorge, daß dies in einigen militärisch und technologisch potenten Ländern schon heute geschieht.>>
http://www.spiegel.de/spiegel/print/...352047.html

Soweit die Themenbasis und einige Informations-Schwerpunkte. Die daraus auch resultierenden ‚Besorgnisse und Ängste’ sind damit noch nicht aus der Welt, ermöglichen aber vielleicht perspektivisch veränderte Denkansätze. Sicher ist nur Eines: Die Entwicklung bleibt (ergebnis)offen …

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Assoziationen und Infos:
--> 2001: Odyssee im Weltraum ('HAL 9000')
--> Künstliche Intelligenz

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5 Kommentare

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Peter, ich lese deine Beiträge immer mit Vergnügen. Obwohl das hier ein ernstes Thema für die Menschheit ist.
Das militärische und politische Entscheidungen sehr stark durch Computer beeinflusst werden, ist seid Jahren bekannt. Besorgniserregend sind dabei die Militärs, da sie dazu gedrillt werden, Befehlen zu gehorchen.
1983 siegte aber der menschliche Verstand über die unmenschliche Logik eines Computers. Oberst Stanislav Petrow befehligte seinerzeit die sowjetische Zentrale des Raketenwarnsystems "OKO". Dieses meldete am 26. September den Abschuss einzelner amerikanischer Raketen. Somit hätte er den Gegenschlag auslösen müssen und Westeuropa sowie Amerika durch einen nuklearen Angriff auslöschen müssen. Sein Gefühl sagte ihm jedoch, dass die Amerikaner niemals einzelne Rakete abschießen würden, wenn sie einen nuklearen Krieg planten. Deshalb war es für ihn ein falscher Alarm und die russischen Raketen wurden nicht abgefeuert.
Seine mutige Tat wurde in der UDSSR getadelt, da er die Befehle missachtet hatte. Für alle Menschen sollte er aber als Held in Erinnerung bleiben, da er der kalten Logik einer Maschine misstraute.
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Ein wirklich interessantes Thema.
Ich denke, es wird künstliche Intelligenz geben und vielleicht erlebe ich das auch noch bei der rasanten Entwicklung.
Dies könnte dann auch viel Fragen klären bezüglich Bewusstsein, Leben, Gott-Religionen und insoweit finde ich das super spannend.
Ob der Mensch dann überflüssig wird und untergeht oder ob es zu einer Symbiose kommt - darüber mag ich derzeit nicht wirklich nachdenken. Angst empfinde ich derzeit nicht, nur der immer wieder fatale Missbrauch neuer Technologien im Zusammenhang mit Militär und Krieg stimmt bedenklich, aber vielleicht gebietet ja grad eine künstlich-objektive Intelligenz solch sinnlosem letztlich selbstzerstörerischen Treiben Einhalt.
Das wäre halt zu fragen, ob sie "nur" ein Abbild der menschlichen Intelligenz bleibt und im übrigen auch, ob die menschliche Intelligenz so bedrohlich ist oder nicht eher die Dummheit, die u.a. von Religionen, Aberglauben und so befördert wurde und wird.
Ich denke, da hat sich vieles einfach auch entwickelt und viele Einflüsse spielten beim Entstehen von Religionen und anderem ne Rolle.
Freilich können wir letztlich nur spekulieren und Möglichkeiten nur für mehr oder weniger wahrscheinlich halten.
Qualitative Sprünge halte ich für sehr wahrscheinlich und nur so erkläre ich mir die Entstehung von Leben und uns Menschen. - Finde ich jedenfalls viel wahrscheinlicher als biblische Gottes-Schöpfungs-Phantasien
Die Gesetze von Isaac Asimov
§1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
§2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
§3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Hört sich doch ganz gut an, doch wer ist in der Lage das zu garantieren? Kann ein Präsident oder Militär die Gesetze aussetzen oder verändern? Gibt es Chef-Roboter- oder Compuer, die mehr Kompetenzen haben? Einen Chip neu einzubauen oder umzuprogrammieren ist jederzeit möglich!? Wer ist ein menschliches Wesen? usw. usw. Meine Oma sagte immer: "Ich trau dem Braten nicht!"

Der friedlicher Besucher aus dem Weltall, der aussieht wie ein aufgepumpter Luftballon, kann jederzeit umgebracht werden!

Also, bevor Roboter mit "Intelligenz" ausgerüstet werden, sollte der Mensch noch intelligenter werden! Und das dauert!
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