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Die Sache mit den Extremen

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 17.10.2015 - 12:19 Uhr

Wie Heere auf einem Schlachtfeld stehen sie sich gegenüber, die Meinungen. Am liebsten würden sie sich gegenseitig abschlachten.

Verbal natürlich nur - und das tun sie auch. Gegenseitig.

Dunkel

Die einen sehen den Untergang ihres "Vaterlandes" kommen, fühlen es verraten und verkauft durch diesen Umbruch, der im Moment in Europa stattfindet. Sie wollen es bewahren, am liebsten schließen, es mit Mauern und Stacheldraht umgeben, damit diese gefährlichen, kriminellen Fremden aus einer anderen Kultur, mit anderer Religion, anderer Lebensweise, nicht näher kommen. Sie halten ihre Lebensweise für die einzig richtige, erstrebenswerte und versuchen mit allen Mitteln zu verhindern, dass es Veränderungen gibt. Interessanter Weise sind diejenigen, die lange Jahre ihres Lebens hinter einer Mauer und Stacheldraht zugebracht haben, diejenigen, die diese Abschottung am lautesten fordern - dieses Mal nicht, um die Leute innerhalb ihrer Länder zu halten, sondern das Fremde draußen.

Sie kämpfen mit allen Mitteln, um auf all das Böse, das mit den Fremden kommt, hinzuweisen, zu warnen. Sie wissen genau: Alle diese Frauen, Kinder, Alte und natürlich vor allem diese jungen Männer sind alle durch und durch schlecht. Sie sind kriminell, handeln mit Drogen, stehlen, begehen Raube. Sie schicken ihre Frauen auf den Strich, Zwangsprostitution ist völlig normal bei diesen Fremden. Natürlich wollen alle den Deutschen nicht nur ans Geld, sondern auch noch an den Kragen. Und dann ist da noch diese unmenschliche Religion.

Hell

Die anderen sehen in den Neuankömmlingen die ultimative Chance, ihr Helfersyndrom endlich uneingeschränkt ausleben zu können. Sie sehen die kleinen hilflosen Kinder, sehen Frauen, die verzweifelt versuchen, ihre Familien zu retten und Männer, die begierig alles aufsaugen, was die neue Welt ihnen bieten könnte, wenn sie es täte, Männer und Frauen, die lernen wollen und sich der Arbeitswelt mit ihrem Können und ihrer Intelligenz zur Verfügung stellen möchten. Diese positiv eingestellten Deutschen sehen nur gute Menschen, die grauenvolles erlebt haben. Das Herz tut ihnen weh bei so viel Leiden.

Was sie nicht sehen, ist, das die jeweils anderen auch Recht haben.

Die Mentalität

Seit ich denken kann, ist die deutsche Mentalität - in diesem Fall fast flächendeckend sehr extrem. Bekanntlich war sie das auch schon vorher, vor meiner Geburt.

Von Flensburg bis Garmisch-Patenkirchen und von Saarbrücken bis - ja, ich vermute, die tschechische oder polnischen Grenze, auch wenn da irgendwann an der alten innerdeutschen Grenze historisch gesehen ein Bruch stattfinden kann - sieht man nur schwarz und weiß, Grautöne werden nicht wahrgenommen. Das gilt keineswegs nur für das hier beschriebene Problem, das gilt für alle Themen - das gilt sogar für die Demokratie als Ganzes. Wenn die Deutschen sich für etwas engagieren, im positiven wie im negativen, tun sie es ganz und gar und bis zum bitteren Ende. Wie eine Herde Rinder in einer Stampede stürmen sie unaufhaltsam auf ihr jeweiliges Ziel zu, ohne anzuhalten, ohne sich aus dem Konzept bringen zu lassen, egal wie logisch und zwingend andere argumentieren. Das können auch die deutschen Politiker sehr gut. Die anderen Europäer müssen schon sehr laut werden, wenn sie gegen den Willen der Deutschen bestehen wollen.

Doch zurück zum aktuellen Thema: Entweder ist alles gut und romantisch, das Herz geht auf und bleibt offen für alles - oder aber alles ist schlecht, bösartig und gefährlich. Dazwischen gibt es nichts.

Menschen

Gestern stellte jemand fest, dass diese alle Neuankömmlinge kriminell seien, ihre Frauen unterdrückten und Zwangsprostitution an der Tagesordnung sei. Aufschrei der anderen Gruppe - wie kann er so etwas behaupten.

Richtig - wie kann er das behaupten? Er kann, erst mal - denn es stimmt - es gibt kriminelle Flüchtlinge, Asylbewerber, es gibt Zwangsprostitution. Wo er nicht Recht hatte: Nicht alle sind kriminell. Die meisten sind anständig und wollen nur ein sicheres Leben für sich und ihre Familien leben, das nicht von Gewalt und Bomben bedroht ist.

Wie die Europäer sind auch diese Menschen aus Vorderasien oder Afrika nicht nur Engel. Es gibt auch Teufel darunter. So wie es auch das Böse in der deutschen Welt gibt. Gerade Zwangsprostitution ist ein Gesamteuropäisches Problem - ich habe die armen Mädchen gesehen. Es ist grauenvoll - es waren Europäerinnen.

Sich positionieren - entweder oder. Oder???

Ich gehöre zu der positiv eingestellten Fraktion, die offen für Flüchtlinge ist, die helfen möchte, die möchte, dass diese Menschen in Sicherheit leben können. Ich bin offen für alles Fremde, finde es spannend und freue mich, neues kennenzulernen, neues auszuprobieren. Ich toleriere alle Religionen - solange sie mich in Ruhe lassen - und akzeptieren Lebensweisen, die der europäischen nicht entsprechen.
Damit habe ich - logisch - Feinde. Ich werde von denen, die diese Offenheit ablehnen, abgelehnt - angefeindet, beschimpft. Das ist mir eine Ehre.

Doch ich sehe auch die Realität. Ich weiß, es gibt Kriminalität unter den Neuankömmlingen, ich weiß, Frauen werden zu Zwangsprostitution gezwungen, ich weiß, Kinder werden verkauft. Denn ich weiß, dass es Menschen sind - und in menschlichen Gesellschaften so etwas vorkommt. Egal woher sie kommen.

Wenn ich das nun sage, habe ich die, die zu meiner Fraktion gehören, an der Backe. So etwas darf ich nicht sagen. Ich darf nicht unterstützten, dass ein Schatten auf dieses Denken in Liebe und Hilfsbereitschaft fällt. Damit spiele ich ja unseren Feinden in die Hände.

Sie wollen die Realität nicht sehen.

Und das ist nun ein Punkt, da sind beide Seiten gleich. Sie haben sich ihre eigene Welt zurechtgezimmert, im Extrem. Dazwischen darf es nichts geben - auch nicht die Realität.

19.10.2015 - Ergänzung eines Links, weil Martin Klingst in seiner Kolumne genau das ausdrückt, worum es mir geht:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2015...rstellungen

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34 Kommentare

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Ein wirklich fundierter und differenzierender Beitrag. Es bleibt zu hoffen, dass die Kommentare ähnlich differenziert ausfallen. Grundvoraussetzung dafür ist allerdings, dass man den Text nicht nur überflogen, sondern tatsächlich gelesen hat !
Der Artikel ist fast drei Jahre alt. Auch wenn er noch immer aktuell ist, ist das mit den Kommentaren so eine Sache.
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Ich weiß nicht so recht, ob ich Deinen Beitrag gut finden soll, der "Gute Wille" ist sicherlich erkennbar, aber gleich am Anfang eine fatale FEHLEINSCHÄTZUNG :

...Umbruch, der im Moment in Europa stattfindet...

Der findet lediglich in D statt und seit geraumer Zeit in Schweden.
Der Rest Europas widerspricht, z,T. ganz energisch, dieser Tendenz.
Vor allem auch die Verursacher dieser Fluchtbewegungen.

Ich denke, Du wirst Deinen gut gemeinten Artikel in wenigen Wochen umschreiben müssen, um - außer von einigen ideologischen Hardlinern -
Überhaupt noch verstanden zu werden.

Aber ob das gut ist, will ich keineswegs behaupten.
Wir werden uns von vielen eingefahrenen und tradierten Vorstellungen verabschieden müssen, auch von Deinen. Das wäre dann nicht mal so schlecht.
Was soll das denn nun? War dir das nun wichtig?
Was deine Zukunftsprognosen angeht, so werden wir abwarten, was passiert.
Und Europa ist im Umbruch - ich weiß, was ich schreibe und warum. Aber ich habe nicht die Absicht, mit dir darüber zu diskutieren.
Du scheinst schwerste Probleme mit kritischen Antworten zu haben.
Mit Leuten, die einen demokratischen Diskurs weder führen können, noch wollen, bin ich auch nicht geneigt, Gedanken auszutauschen.
Deine Haltung ist ungefähr so intelligent, wie die der PEGIDA Leute. Glückwunsch! Solche unfeine Gesellschaft meide ich besser.
Ich habe kein Problem mit kritischen Antworten, aber mit Leuten, die gleich mitteilen, wie dumm ich bin. Und damit ist das hier beendet.
Das Wort "dumm" wurde bisher nur von Dir benutzt, von mir nicht.
Gegen Selbsterkenntnis ist aber niemals etwas einzuwenden.
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Sehr gut geschrieben, realistisch und wahr
Menschen sind Menschen
Keiner ist nur gut oder nur schlecht

Deine Ansichten sollten zu Einsichten werden!
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Sara, dein Beitrag spiegelt exakt meinen Eindruck wieder! Fast mein ganzes Leben schon ist es mir ein Rätsel, warum ein Großteil der Menschheit - und da möchte ich mich nicht nur auf die Deutschen beschränken - so im schwarz-weiss Denken verhaftet ist. Ich weiß nicht, ob es meinem Sternzeichen geschuldet ist, erst mal alles abzuwägen, zu durchleuchten und mir vielleicht dann erst eine Meinung zu bilden; ich weiß nur, dass es mich mittlerweile unglaublich ankekst, wenn beide Fraktionen (auch die klügeren Köpfe!), nicht in der Lage sind, auch die Grautöne zu sehen!
Mag sein, dass es andere auch können, aber dieser Überschwang, diese Begeisterung - oder halt das jeweilige Gegenteil davon - ist in Deutschland schon immer sehr extrem. Wenn dann die Ernüchterung kommt, passiert es dann leicht, dass ins andere Extrem geschwenkt wird. Und dann wird es gefährlich.
Vielleicht liegt das mit dem Schwaz/ Weiß sehen daran, das wir einen Tag und eine Nacht haben Gi Ka....
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Sehr schön, endlich wird der Nazigeist aus Deutschland ausgetrieben. Die Alt68ziger haben Tränen in den Augen. Sehr weit sind sie schon gekommen. Diesen Altfaschisten haben sie das Kinderkriegen ausgetrieben. Freude überall, dass sich dieses widerliche Nazivolk endlich selber abschafft. Es ist auch eine Unverschämtheit, dass sich die Flüchtlinge integrieren müssen. Augstein hat es richtig gesagt, die Deutschen müssen sich integrieren. Freudig werden die grünen Emanzen an den Herd zurückkehren und sich dem Mann unterwerfen!
Was für ein hübsches Geschwurbel...
Ach, Herr C.C. - habe ich nicht gerade mal wieder ein Tirade Ihrerseits gegen alles "Rote" gelesen? Sie sind der Inbegriff derer, die nur das Extreme sehen und nicht auch nur im geringsten gewillt sind, die Welt etwas differenzierter zu sehen. Deshalb habe ich zu Ihre Feststellung da eigentlich nur ein müdes Grinsen übrig.
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Druck erzeugt eben Gegendruck,....genauso wie Argumente immer extremer und lauter vorgebracht werden wenn sie von der Gegenseite "vermeintlich" ignoriert werden.
Das trifft für beide Seiten zu.
Das ist zwar richtig - und aus dem Bauch raus auch nachvollziehbar und - das gebe ich gerne zu - auch von mir ab und an durch einen Adrenalinstoß praktiziert, aber wenn das vorbei ist, könnte man das Hirn wieder einschalten und nachdenken - und vielleicht entsprechend beim nächsten mal handeln, bevor das Adrenalin überhand nimmt.
Beziehst du dich jetzt damit auf konkrete Vorkommnisse,... und zwar von einer der Seiten?
Ich meinte nämlich definitv beide Seiten,..... gleichermaßen.
Wenn ich reagiere, reagiere ich von meiner Seite her. Mir ist klar, dass du beide Seiten meintest - und ich habe im Artikel auch nicht Bezug auf nur eine genommen, auch wenn ich definitiv weiß, wohin ich tendiere.
Die Fähigkeit, die Realität nicht zu sehen, da geben sich beide Seiten nichts.
So isses wohl.
Nein - es war falsch ausgedrückt. Die Realität wird zurechtgerückt, um der anderen Seite einen vor den Latz zu knallen.
Die freundlichen wollen nicht das Negative - Kriminalität z.B. - ans Licht ziehen, das könnte ihren goldenen Kindern den Charme nehmen.
Die unfreundlichen - na ja, die wollen einfach nichts freundliches, die haben es eindeutig einfacher.
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Dieses könnte ein versöhnlicher - weil versöhnender - Beitrag sein, wenn........ja, wenn er denn auch auf versöhnensbereite Leser stieße.
Das hast du sehr schön ausgedrückt. Doch ich fürchte, das würde nicht gewollt werden.
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Meine Sicht der Dinge deckt sich mit deiner .
Ich sehe es realistisch .....nicht dunkler, als es ist, aber eben auch nicht heller.
Sagen wir grau... Wobei ich das Rot am schönsten finde...
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Gut so Sara. Allerdings siehst Du die Deutschen zu negativ. Ängste gibt es in allen Ländern, sonst würden sich nicht soviel EU-Länder weigern, Flüchtlinge aufzunehmen.
In Polen haben die Konservativen beim momentanen Wahlkampf in Umfragen eine Mehrheit, weil sie gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sind. Obwohl sie es auch einmal waren, als sie vom Osten nach Westen umgesiedelt wurden.
Problematisch könnte eine Subkultur werden, wenn sich diese Menschen hier nicht integrieren. Aber, ich denke, dass sich mit der Zeit die Unterschiede minimieren, sodass wir eine interessante Gesellschaft werden.
Ich sprach von deutscher - gesamtdeutscher - Mentalität. Die polnische kenne ich nicht - und auch wenn diese mir im Moment Sorgen macht, so ist sie nicht das Thema.
Und ansonsten gilt auch hier:
https://www.seniorbook.de/themen/kom...077348b45c8
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positiv sein heisst das Helfersyndrom ausleben? Also ich helfe, bin positiv eingestellt, habe aber kein Helfersyndrom. Ansonsten
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