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Schuldverschiebung

Von wize.life-Nutzer - Montag, 09.11.2015 - 19:00 Uhr

"Der Fall hat ein grelles Licht auf den Pflegenotstand in deutschen Altenheimen geworfen. Der hat sich seit Ende der 1990-er Jahre verschärft, weil der Anteil der Alten an der Bevölkerung wächst und die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden - eine Folge der Privatisierung."

Hier werden leider wieder einmal verschiedene Sachverhalte unzulässig miteinander vermischt.

Frage: Warum hat sich der Pflegenotstand in deutschen Altenheimen verschärft?

Antwort: Weil die Kostenträger (Pflegekassen und Sozialämter) nicht bereit sind, das für eine angemessene Pflege erforderliche Personal zu finanzieren.

Frage: Warum verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen?

Falsche Antwort, weil tendenziös und sachlich nicht zutreffend: "Folge der Privatisierung". Das würde bedeuten, dass die Arbeitsbedingungen in staatlich oder freigemeinnützig geführten Altenheimen besser wären. Die Skandale in Bayern und NRW belegen etwas anderes!

Richtige Antwort: Weil die Behörden und die Pflegekassen immer mehr Leistung von den Pflegekräften fordern, ohne die hierzu erforderlichen Personalschlüssel anzupassen. Ich nennen nur den ausufernden Dokumentationswahn, die Übertragung von Zusatzaufgaben (SGB V - Leistungen) ohne Vergütung, sozialpflegerische Leistungen ohne Vergütung.

Wenn privat geführte Pflegeeinrichtungen tatsächlich zur Gewinnmaximierung Personal einsparen - mir sind solche Fälle durchaus bekannt - wäre es den Kontrollorganen ein Leichtes, dies abzustellen. Nicht erst ab heute, sondern schon immer!

Anstatt bei der Heimbegehung zu fragen, welcher Radiosender mit welcher Sendung vom Bewohner gehört wird, wäre ein vier- oder fünfmal im Jahr durchgeführter unangemeldeter Abgleich der Dienstpläne mit dem tatsächlich vorhandenen Personal einfach, kostensparend und effektiv zugleich. Allerdings nicht nur bei den privat geführten Einrichtungen, sondern auch bei allen anderen.

Stellt man ein Missverhältnis fest, wäre als erster Schritt ein Aufnahmestopp angebracht und als zweiter Schritt bei Wiederholung die Rückzahlung nicht erbrachter Personalkosten an den Pflegebedürftigen und die Pflegekasse/Sozialämter mehr als effektiv.

Wenn der Staat (Sozialministerium) in der Lage ist, unsinnige Gesetze im Pflegebereich zu beschließen, die sogar rückwirkend gelten, sollte es ihm ein Leichtes sein, auch für erforderliche Realitäten die entsprechende Gesetzesgrundlage zu schaffen.

Leider sind bis heute engagierte Pflegeeinrichtungen auf sich selbst gestellt, ausreichendes Personal zur Verfügung zu halten. Originalton der Pflegesatzkommission: "Wir finanzieren nur das entsprechend der LQV vereinbarte Personal (aus den 1990-er Jahren). Alles andere ist ihnen überlassen!" http://altenpflege-heute.com/…/ausre...gepersonal/

hier der Artikel in der "Welt.de" zum Selbernachlesen.http://www.welt.de/…/Wenn-einer-Pflegerin-nur-der-Notruf-bl…

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1 Kommentar

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Das Problem der Privatisierung ist vor allem das der Krankenhäuser.
Ich finde allerdings, dass sich sämtliche Heimbetreiber, carikativ oder privat, sich zusammenraufen sollten, um den Pflegekassen entgegenzutreten! Hier sollte eine Initiative für mehr qualifiziertes Personal funtkionieren. Ich fand es ganz schrecklich, dass ich als Fachkraft permanent hinter den Hilfskräften (nicht Einjährige Helfer) herfragen und -kontrollieren musste. Das nervt, kostet auf der Gesamtlinie extrem viel Energie und bindet wertvolle Kräfte.
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