wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Brave New World - Die Welt im Wandel

Brave New World - Die Welt im Wandel

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 23.12.2015 - 11:11 Uhr

Heute möchte ich die User von SB aufmerksam machen auf einen in der Zeitung "Die Welt" erschienenen Artikel, der - wie ich meine - uns auf eindrucksvolle Art einen überraschenden Blick auf die Zukunft der Gesellschaft und besonders der Arbeitswelt werfen lässt. Ob man der Sichtweise des Verfassers zwingend folgen muss, ist wohl jedem Leser selbst zu überlassen, aber mir scheint doch, dass der Artikel eine innere Logik aufweist, der man sich nur schwer entziehen kann. Ich wünsche allen viel Spaß bei der Lektüre und würde mich freuen, wenn der eine oder andere gelegentlich seine ganz persönliche Sicht dazu mitteilen würde.
Ich verbinde diesen Hinweis mit einem herzlichem Weihnachtsgruß und den besten Wünschen für das bevorstehende Jahr.

In seinem Artikel schreibt Prof. Gunter Dueck:
Freuen wir uns doch über den radikalen Wandel!

Die Arbeitsplatzverlustangst geht um. Dabei stellen wir uns naiv vor, dass einige von uns den Job verlieren, aber viele den ihren schließlich doch behalten. Das ist falsch, will ich hier sagen: Es geht uns irgendwie allen an den Kragen. Mir auch. Ihnen auch. Das wollen die meisten anderen nicht wahrhaben – sie glauben sich selbst einigermaßen sicher und weinen ein paar Krokodilstränen über Menschen, die in prekäre Verhältnisse rutschen: "Wo soll das nur hinführen? Die armen Prekären."

Als ich geboren wurde, waren fast die Hälfte aller Deutschen in der Landwirtschaft tätig, heute sind es noch knapp zwei Prozent, wobei ich nicht einmal weiß, ob das Betreiben von Skiliften durch Almbauern auch Landwirtschaft ist. Wie auch immer – solche Entwicklungen haben jetzt viele andere Berufsgruppen vor sich. Es kommt so radikal wie in der Landwirtschaft und im Bergbau.

Die Computer, das Internet und zentrale Cloud-Intelligenzen teilen uns in zwei Klassen: Es gibt Menschen, die nach Bildschirminstruktionen arbeiten, und andere, die den Computern die Instruktionen geben.

Früher mussten Briefträger und Taxifahrer genaueste Ortskenntnisse nachweisen! Das war der wertvollste Teil ihres Berufes. Mit Barcodelesern und Navis kann es heute jeder. Bankgeschäfte? Fast alles geht im Internet. Wie viel ist ein Gebrauchtwagen wert? Das sagt eine App. Warum stellen Ärzte ein Rezept aus? Mit einem einfachen Internetzugangscode wäre es getan, wir könnten dort bestellen – keine Apotheke mehr. Lehrer können zum Teil durch Internetvideos ersetzt werden, mittelmäßige Professoren ganz sicher.

Wenn der ganze Verkehr total auf selbstfahrende Taxis umgestellt wird (keine Privatautos mehr!), braucht man gerade noch so viele Autos, wie gleichzeitig auf der Straße fahren müssen. Heute aber parken (!) zu fast jeder Zeit bis zu 90 Prozent der Pkw, warum solche Verschwendung? Selbstfahrende Autos betrinken sich nicht, geisterfahren nicht und ermöglichen den ältesten Mitmenschen bequemes Reisen zu jeder Zeit. Keine verstopften Städte mehr, keine Parkhäuser und nur ein paar Standardautos. Die Selbstfahrautos bringen dann auch die Post.

Trauen Sie sich, diese Entwicklungen zu Ende zu denken? Die meisten Leute lachen ein bisschen frostig und verdrängen alles mit dem bequemen "Das kommt so nicht. Das sagen die Präsidenten der Autolobby und der Banken doch auch!".

Dabei gewöhnen sich die Jungen schon an Carsharing, es gibt Internet-Unis, die Bankfilialen sind schon lange in großer Zahl unrentabel und werden langsam geschlossen, Warenhausketten werden von Investoren wie heiße Kartoffeln weitergereicht.

Was geschieht da? Kurz gesagt: Jeder Beruf verliert einen Teil seiner Arbeit an das Internet. Manche Berufe wie Taxifahrer oder Postboten verschwinden ganz, Professoren so halb, Autobauer weitgehend auch, der größte Teil der Verwaltungsberufe wird automatisiert. Andere Berufe verlieren ihren einfachen Anteil: Vor dem Arztbesuch googelt man doch erst einmal, oder? Wir rennen nicht bei jedem Rechtsproblem voller Angst zum Rechtsanwalt, wir googeln. Alles, was wir fragen könnten, googeln wir: Fahrpläne, Steuertabellen, Öffnungszeiten, Wertpapiertipps etc. etc. Ich will sagen: Jeder Beruf verliert seinen "einfachen" Teil, es bleibt nur noch der "schwierige". Wer zum Arzt, Anwalt, Bankberater, Versicherungsagenten, Web-Designer, Innenarchitekten, Klempner, Buchhändler, Elektriker etc. kommt, hat nun immer öfter etwas Kompliziertes zu regeln, was mit Googeln nicht zu erledigen war.

Und die logische Konsequenz ist: Unsere Arbeit wird komplexer, schwieriger und "herausfordernder", wie man neudeutsch sagt. Das Einfache erledigt heute der Kunde selbst. Er kommt nur noch mit mehr oder weniger hässlichen Problemen aller Art. Das Lösen dieser Probleme verlangt Mühe und bringt wenig Gewinn! Immer mehr Stressiges zu regeln – mit Anrufen, Streitigkeiten und Sonderwünschen der "selbstbewussten" Kunden. Wir werden Experte, Vermittler, Manager und Verkäufer in einem. Wenn wir aber Probleme schlecht lösen und dabei Kunden vergrätzen, ist der Schaden unter Umständen immens. Bei größeren Projekten kann ein inkompetenter Mitarbeiter mit einem Fehler mehr Verlust einfahren, als sein ganzes Lebensgehalt kostet. Denken Sie an Ärztefehler, verlorene Prozesse oder das Feuerschutzvergessen beim Berliner Flughafen. Ganz nüchtern, platt und beunruhigend: Wer heute in einem Beruf nur mittelmäßig ist, packt ihn demnächst nicht mehr, eben weil es nur noch Schwieriges zu erledigen gibt. Man kann nicht mehr wie früher die Leistungsschwächeren mit einfachen Aufgaben betrauen, weil es die in den besser bezahlten Berufen nicht mehr gibt.

Lesen Sie den Rest des Artikels unter folgendem Link:
http://hd.welt.de/ausgabe-b/thema-de...Wandel.html

7 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Habe den Beitrag erst heute entdeckt und kann dem Verfasser gut folgen. Die sozial politische Entwicklung der Gesellschaft kann gar nicht schnell genug den wirtschaftlichen Veränderungen folgen. Der Einzelne wird nur durch vielseitigem Wissen und Kreativität die Zukunft meistern. Möge es gelingen
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
man konnte noch nie seine kinder auf alle möglichkeiten vorbereiten , man konnte sie nur so stark machen , das sie mit allem zu recht kommen ! das klingt banal und vielleicht sogar dumm , aber es ist - heute , wo alles schnelllebiger ist , noch viel mehr - das einzige was erfolgversprechend ist und auch immer war ! wer weiss schon wirklich , was und wie es kommt ! nachsatz : lernen und wissen war schon immer sehr wichtig , aber manchmal sind diese möglichkeiten begrenzt und da stellt sich wie immer die frage nach dem schlüssel der verteilung ! intelligenz oder skrupellosigkeit kann nicht über satt und hungrig entscheiden dürfen , vielleicht sollte man als ein lernziel für die nächste generation soziales verhalten sehen !
Sehe ich auch so. Gruß, Kunigunde
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Friedhelm, die Analyse stimmt, aber die Praxis sieht anders aus. Gesetze werden von Menschen geschaffen und diese handeln immer im Einklang mit ihren Wählern. Deshalb sind die Übergänge zu anderen Verhaltens-Mustern ein langwieriger Prozess, der nicht einfach dem Markt überlassen wird.
Beispiel: Der Uber-Taxi-Dienst ist im Internet-Zeitalter eigentlich logisch. Aber die Gerichte untersagen diese Dienstleistung.
Deshalb sollten wir nicht in Panik verfallen, sondern die Entwicklung positiv und aufmerksam begleiten. Jeder Mensch sollte sich permanent weiterbilden, damit er die Entwicklung versteht und für seine Zwecke nutzt.
Bernhard, natürlich meine ich die Politiker. Nimm das aktuelle Beispiel Polen. Die überwiegende Mehrheit hat die Konservativen gewählt und diese krempeln den Staat in ihrem Sinne um. Natürlich glauben sie sich im Einklang mit ihren Wählern, denn diese wussten schließlich wen sie wählen.
Auch in Deutschland gibt es Beispiele: Als Schröder die lahmende Wirtschaft mit Reformen (Stichwort "Hartz IV) ankurbeln wollte, änderte er den Wählerauftrag und war für die SPD nicht mehr tragbar. Das wirkt bis heute nach, denn deren Umfragewerte sind nach wie vor im Keller.
Merke: Gegen den Wählerwillen hat ein Politiker langfristig keine Chance.
Frohe Festtage
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es stimmt was in diesem Beitrag geschrieben wird. Selbstfahrende Autos die ohne Fahrer durch die Gegend fahren gibt es bereits z.B. die Fa. Tesla.
Minicomputer die den Blutdruck kontrollieren oder Funtionen übernehmen, damit z.B. Blinde wieder etwas sehen können. Diese Entwicklung fortschreiben zu können, schafft man nicht mit Personen die kein fundiertes Wissen sich aneignen. Bildung ist alles, lernen bis zum Lebensende.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr interessanter Artikel - kann auch nichts dafür, dass ich kurz nach dem Einstellen ihn zufällig auch als erstes heute fand. Doch er beschäftigt sich mit einem Thema, über dass ich mir selbst schon viele Gedanken gemacht habe.
Mir macht diese Zukunft keine Angst. Gut - ich lebe gar nicht mehr so lange als dass sie mich betreffen könnte, aber auch wenn man noch länger lebt, muss man eben umdenken und die Sache anders angehen, dann kann das sogar eine sehr positive Zukunft sein.
Ich selbst lebe auf eine Weise, die, wenn genügend Eigeninitiative vorhanden ist, Zukunft sein könnte. Aber diese Möglichkeit ist nicht jedem gegeben - und nicht jeder ist in der Lage, diese Selbständigkeit aufzubringen. Persönlichkeiten sind unterschiedlich. Davor warne ich in meinen Beratungen auch oft Kunden.
Wie auch immer, ich bin überzeugt, dieses Zukunftsproblem kann gelöst werden, und das befriedigend für alle, auch für die, die im Moment extrem Panik davor haben. Ihnen muss klar werden, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben.
Allerdings ist eine Grundvoraussetzung für diese positive Entwicklung ein magisches Wort: Bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Aber dazu nun eine Erklärung abzugeben würde Bücher füllen - die vermutlich bereits geschrieben werden. Ich hätte aber durchaus eine Idee, wie das zu verwirklichen wäre - nur fragt mich keiner.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren