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Kein Hass im Netz!

Umgang mit Hasstiraden und Fremdenfeindlichkeit in sozialen Netzwerken

Von Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern - Montag, 28.12.2015 - 11:34 Uhr

In diesem Jahr hat es bedauerlicherweise sehr viele Hassmails und eine große Zahl von geschmacklosen bis gefährlichen Kommentaren gegeben. Manche meinen, ihrer Sorge angesichts der vielen Tausend neuankommenden Flüchtlinge in Deutschland so Ausdruck geben zu müssen. Auch seniorbook war nicht frei davon. Viele dieser Hassmails und Kommentare haben aber die Grenze zur Meckerei und ordinären Pöbelei überschritten. Was tun gegen Hasstiraden und Fremdenfeindlichkeit in sozialen Netzwerken? In dem Artikel ist zwar das meistdiskutierte soziale Netzwerk Facebook genannt, jedoch gelten die Aussagen genauso für andere Soziale Netzwerke, auch dieses hier. Auf einen guten Umgang miteinander zu achten und uns darin gegenseitig zu bestärken, können wir alle tun. Es geht uns alle an.

Rechte Gruppierungen nutzen die Situation für sich aus


Im Zuge der Flüchtlingsproblematik und der daraus resultierenden öffentlichen Diskussion in den Sozialen Netzwerken lösten vor allem die Hasstiraden gegen Flüchtlinge und die Flüchtlingspolitik große Empörung in der Bevölkerung, den Medien und bei Politikern aus. Es geht um menschenverachtende Kommentare, um Volksverhetzung, Beleidigungen, Rassismus bis hin zu Gewaltandrohungen. Da gibt es beispielsweise Nutzer, die den Tod eines syrischen Flüchtlingsjungen „feiern“ und sich dabei nicht einmal hinter einem Pseudonym verstecken.

Rechte Gruppierungen nutzen die Situation für sich aus und verbreiten ihre fremdenfeindlichen Parolen und „Tatsachenbehauptungen“ in rasantem Tempo im Sozialen Netz. Es werden Medienberichte gepostet, in denen Asylsuchende als Vergewaltiger, Sozialbetrüger oder IS-Kämpfer dargestellt werden, die Deutschland nun unterwandern wollen. Solche Meldungen werden unreflektiert geteilt und kommentiert. Es werden „Bürgergruppen“ gegründet, die sich angeblich um Deutschland sorgen, denen es „reicht“ und die mit ihren Parolen wieder für „Recht und Ordnung“ sorgen wollen. Und das Traurige ist, sie erfreuen sich hoher Zustimmung in allen Bevölkerungsschichten.

Löschen veranlassen und Verstöße gegen die Menschenwürde melden


Wie aber geht man nun in der Öffentlichkeit mit dieser Fremdenfeindlichkeit, den Hasstiraden, überhaupt der entgleisten Kommunikationskultur im Netz um? Zunächst einmal mit der öffentlichen Aufforderung an beispielsweise Facebook, menschenverachtende Posts und Kommentare zu löschen. Das ist wichtig und auch richtig und Facebook will dies auch künftig tun. Es geht nicht um Zensur oder Missachtung der Meinungsfreiheit, sondern um den Schutz der Würde des Menschen, so wie es in unserem Grundgesetz verankert ist.

Selbst mithelfen, dass sich was bessert!


Problematisch ist jedoch, sich jetzt zurückzulehnen, Facebook diese Aufgabe alleine zu überlassen, so unter dem Motto„die werden das schon richten“. Faktisch können sie das aber nicht und ich glaube auch nicht, dass wir ernsthaft wollen, dass Facebook alle unsere Posts und Kommentare überwacht. Hier sind wir gefragt mitzuhelfen, dass sich etwas ändert. Und das können wir, indem wir menschenverachtende Parolen an Facebook melden und auf dem Löschen bestehen, uns bei konkreten Gewaltandrohungen an die Polizei wenden.

Wir dürfen uns aber auch nicht einbilden oder gar vormachen, dass diese Parolen nur bei Facebook zu finden sind. Es gibt sie in allen Sozialen Netzwerken, also auch bei Youtube, Twitter und anderen. Es gibt Blogs und Webseiten sowie Foren, die fremdenfeindliche Inhalte transportieren. Auch hier sind wir mit verantwortlich und müssen uns dafür einsetzen, dass menschenverachtende Parolen angezeigt und gelöscht werden. Leider wird das in der medialen Öffentlichkeit nicht so diskutiert, was dann wiederum dazu führt, dass Nicht-Nutzer von Facebook glauben, das alles gibt es nur wegen Facebookund die würden das befürworten.

Hasstiraden sind leider Bestandteil der realen Welt


Schließlich möchte ich noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Hasstiraden und die fremdenfeindlichen Parolen nicht nur in der virtuellen Welt verbreitet werden, sondern sie sind leider Bestandteil unserer realen Welt, haben ihren Ursprung in unserer Gesellschaft. Man findet sie genauso in der realen Welt und nicht nur am„Stammtisch“, der einzige Unterschied besteht darin, dass man nicht immer gleich wüst beschimpft oder bedroht wird, wenn man diese fremdenfeindlichen Meinungen nicht teilt. Zumindest in der Face-to-Face Kommunikation gibt es Gott sei Dank noch eine Hemmschwelle.

Lassen Sie uns gemeinsam aktiv gegen Fremdenhass und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt vorgehen und uns nicht einschüchtern lassen! Nicht Facebook ist das Problem, sondern wir Nutzer und Nutzerinnen selbst. Wir sind verantwortlich für unsere Posts und Kommentare. Ein amerikanisches Unternehmen kann und darf unsere gesellschaftlichen Probleme nicht lösen, wir aber schon!

Sabine Jörk, EAM ­Vorsitzende

Veröffentlicht in def aktuell 4/2015, S. 29.

2 Kommentare

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Der Aufruf zur Selbstbeschränkung, Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle ist mehr als berechtigt. Dabei geht es nicht nur um Vermeidung von Hass- und Hetztiraden, sondern auch um die gemäßigte und respektvolle Ausdrucksweise, um den Ton in den Kommentaren, denn bekanntlich macht der die Musik.
Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern
Da stimmen wir Ihnen zu und wollen selbst auch darauf achtgeben! Gutes Neues Jahr!
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