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Der Niedergang des weißen Mannes

Von wize.life-Nutzer - Dienstag, 29.12.2015 - 16:57 Uhr

Interessanter Beitrag von Joschka Fischer in der Süddeutschen Zeitung vom 29. Dezember 2015.

Auszüge:

In vielen Mitgliedstaaten der EU waren und sind nationalistische und fremdenfeindliche Parteien im Aufwind, übrigens lange bevor die syrischen Flüchtlinge in nennenswerter Zahl Europa erreicht hatten: Wilders in den Niederlanden, der Vlaams Blok (und seine Nachfolgeorganisation Vlaams Belang) in Belgien, Strache und die FPÖ in Österreich, Blocher und die SVP in der Schweiz sowie die Schwedendemokraten, Die Finnen und die Dansk Folkeparti, um nur einige zu nennen.

Gewiss gibt es für den Aufstieg und den Erfolg dieser rechtspopulistischen Parteien national höchst unterschiedliche Gründe, zugleich aber auch nicht zu übersehende Gemeinsamkeiten vor allem in ihren Grundpositionen: All diesen Parteien ist gemein, dass sie gegen das "System", gegen die "politische Klasse" und gegen Europa kämpfen. Sie sind alle nicht nur fremdenfeindlich (vor allem auch islamfeindlich!) und extrem nationalistisch ausgerichtet, sondern sie greifen auch mehr oder weniger unverhohlen auf eine ethnisch-völkische Begründung (eine Nation wird nicht durch die Gemeinschaft ihrer Staatsbürger und der Verpflichtung auf eine gemeinsame Verfassungs- und Rechtsordnung definiert, sondern durch die gemeinsame Abstammung und Religion) ihrer Politik zurück, wie man es in Europa seit den Dreißigerjahren nicht mehr kannte.

Wie jeder extreme Nationalismus kommt auch der gegenwärtige ohne "Identitätspolitik" nicht aus und landet so zwanghaft meist früher als später im Völkischen, im Rassismus und im Religionskrieg. So ist es auch diesmal wieder zu besichtigen.

An erster Stelle steht wohl Angst, sehr viel Angst, das instinktive Spüren von Schwäche und Niedergang der "Welt des weißen Mannes", wie sie über Jahrhunderte hinweg, scheinbar ganz selbstverständlich, den Globus und die Gesellschaften des Westens beherrscht hatte. Diese Vorherrschaft geht in unseren Tagen definitiv zu Ende, und zwar nicht nur außenpolitisch, sondern auch im Innern der westlichen Gesellschaften.

Galt die Globalisierung bisher weitgehend als eine Einbahnstraße zugunsten des Westens, so wird jetzt doch mehr und mehr spürbar, verbunden mit der Finanzkrise von 2008/9 und dem vor aller Augen stattfindenden Aufstieg Chinas zur führenden Macht des 21. Jahrhunderts, dass die Globalisierung eine Zweibahnstraße ist, die für den Westen zweifellos den Verlust seiner globalen Vorherrschaft und einen Transfer von Macht und Reichtum von West nach Ost bedeutet.

Auch die Probleme der Welt lassen sich, zumindest für Europa nicht länger verdrängen und ausgrenzen, denn sie haben jetzt das europäische Haus direkt erreicht. Aber auch innenpolitisch finden in den westlichen Gesellschaften große Veränderungen zu Lasten des "weißen Mannes" statt: Europa, Zuwanderung, Globalisierung der Arbeitsmärkte, Frauengleichstellung, die Emanzipation sexueller Minderheiten, die über Jahrhunderte hinweg diskriminiert und verfolgt worden waren. Kurzum, eine fundamentale Erschütterung traditioneller Rollenbilder und Verhaltensmuster.

Der "weiße" Westen hat eine durchaus realistische Selbstwahrnehmung: Er sieht sich selbst als reich, alt und schwach - und das macht Angst, sehr viel Angst offenbar!

Den gesamten Beitrag kann man nachlesen unter
http://www.sueddeutsche.de/politik/a...s-1.2798078

14 Kommentare

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Was den "Weißen Mann" betrifft gebe ich einfach mal zu überdenken, dass dieser auf der Welt schon immer in der Minderzahl war und auch ist – trotzdem sollte man diese „Spezies“ erhalten“!
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Die politische Entwicklung in Europa hat den "Rechtsruck" beflügelt. Die Vorgaben der EU für die einzelnen Länder sind zu groß. Die Mitgliedstaaten der EU haben einen Teil ihrer Bürger verprellt, da die Bürger dass Gefühl haben, dass die eigenen Regierungen vieles gar nicht mehr entscheiden können, weil es für die EU bereits so festgelegt wurde.
Wir sind noch sehr weit davon entfernt uns als Europäer zu betrachten. Wir betrachten uns viel mehr als Angehörige des entsprechenden Mitgliedstaates der EU.

Die Unterstützung der türkischen Regierung wird zu einem weiteren nationalen Rechtsruck führen, da viele EU-Bürger die Machenschaften eines Erdogan und der türkischen Regierung ablehnen.
Dass 'die Bürger dass Gefühl haben, dass die eigenen Regierungen vieles gar nicht mehr entscheiden können, weil es für die EU bereits so festgelegt wurde' ist doch unvermeidbar. Die EU ist nun mal eine Wirtschaftsgemeinschaft und da müssen gewisse Regeln vereinheitlicht werden. Dadurch müssen auch die einzelnen Mitgliederländer bzw. deren Regierungen in einzelnen Bereichen auf einen Teil ihrer Souveränität verzichten.
Das sehen viele ein. Aber die Entscheidungen der EU und deren Organe sind vielen unklar. Die Arbeit des gewählten EU-Parlaments kommt in unseren Nachrichten so gut wie gar nicht vor. Ganz zu schweigen von deren Abstimmungen.
Wer sich dafür interessiert, findet viele Informationen über die Arbeit der EU im Internet, z. B. in
http://www.eu-richtlinien-online.de/
In den Medien dagegen werden meist negative Aspekte publiziert, weil sich negative Informationen besser verkaufen lassen.
Soll ich daraus schließen, dass in der EU alles in Ordnung ist, weil die Presse wenig berichtet?
Wie dem auch sei, die Länder der EU müssen zusammenwachsen bzw. sich zusammenraufen und unbedingt den in einzelnen Ländern wie Ungarn und Polen aufflammenden Nationalismus unterdrücken.
Und: Wo ist schon 'alles in Ordnung' auf dieser Welt?
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Ein lesenswerter Beitrag eines namhaften Zeitzeugen, der - schon wegen seiner als Außenminister gewonnenen Einblicke - eine verständliche Erklärung für so manche politische Entwicklung in Europa und der Welt darbietet. Man muss seine Sicht nicht teilen, aber sie ist wenigstens plausibel.
Gab es denn zu Joschkas "wilden" Zeiten überhaupt andere als weiße Polizisten? Und nannte man nicht einige von ihnen "weiße Mäuse"?
'war ein andersfarbiger Vorzeigebeamter', warum immer diese rassistischen Untertöne?
Das sind aber schon laute "Obertöne": ein Bankräuber.... Vorzeigebeamter..... in Polizeiuniform..... mit Dienstwaffe --- das muss doch ein "Andersfarbiger" sein !
Ich finde, man sollte die Hautfarbe eines Menschen bei solchen Äußerungen generell außer acht lassen. Was heißt überhaupt 'Andersfarbiger'? 'Anders' als wer oder was?
Nein, so sehe ich das nicht. Mit dem 'Niedergang des weißen Mannes' ist die jahrhundertelange geistige, wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft der Europäer über den Rest der Welt gemeint.
Was "vernünftig und normal" ist, ist nur selten das, was diejenigen dafür halten, die es von anderen fordern.
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