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Mein Wort zum Sonntag: Wie kann man den IS besiegen?

Von News Team - Sonntag, 17.01.2016 - 00:47 Uhr

Russland, Frankreich, England und Deutschland werfen Bomben auf Syrien. Ist so der Islamische Staat zu besiegen?
Seit sich die Menschen zu größeren Gemeinschaften zusammenschlossen - seit es Dörfer, Städte, Kommunen und Reiche gibt - hat sich der Krieg als Entscheidungsverfahren durchgesetzt, wer ein bestimmtes Gebiet besitzen und nutzen darf. Doch diese menschliche (und oftmals unmenschliche) Tätigkeit entartete bald zu Vernichtungsfeldzügen bis hin zum Völkermord. Die "anderen" wurden versklavt, verschleppt, ausradiert. In dieser Hinsicht ähneln wir sehr unseren Verwandten im Tierreich, den Schimpansen und Pavianen - oder noch mehr den Ameisen, die ebenfalls richtige Kriegszüge (mit Soldaten) führen, Larven stehlen, die neu geschlüpften Ameisenkinder als Sklaven halten, und den Rest des anderen Volks vernichten.

Die Schrecken des Krieges stecken tief im menschlichen Gedächtnis

So hat die Menschheit eine kollektive Erinnerung an Kriege, die nur schrecklich waren, vor allem für die nicht beteiligte Zivilbevölkerung. Die besaß nicht einmal Waffen und konnte sich nicht wehren. Der Dreißigjährige Krieg hat die Deutschen traumatisiert wie keiner seiner Nachfolgerkriege, denn die Bevölkerung war hilflos der Willkür und Grausamkeit aller anderen (und auch der eigenen Mächtigen) ausgesetzt.
Kein Wunder also, wenn Menschen auf Bedrohungen im Inneren, also auf Gewalt, immer gleich reagieren, nämlich mit Gegengewalt. Denn tief im Innern schlummert die Erinnerung an die Vergangenheit: Wer sich nicht wehrte oder die Initiative ergriff, der wurde vernichtet. Und tatsächlich scheint einiges dafür zu sprechen. So wurden die Balkankriege der 1990iger Jahre durch ein kurzes Bombardement der Amerikaner beendet. Ähnliches gilt möglicherweise (die Historiker sind sich uneins) für den Krieg gegen Japan, der durch Abwurf der Atombomben beendet wurde (siehe meinen Beitrag Mein Wort zum Sonntag: Gedanken zur Atombombe). Dagegen scheinen sich die Historiker darüber einig zu sein, dass die Bomben der Amerikaner auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg wenig zum Sieg über die Nazis beigetragen haben. Erst die Bodentruppen der Russen und später der Amerikaner haben den braunen Spuk beseitigt. Und jetzt?

Helfen Bomben, den Islamischen Staat zu besiegen?

In einem bemerkenswerten Interview im STERN vom 7.1.2016 erzählt der französische Journalist Nicolas Hénin, was er davon hält. Hénin war zehn Monate in islamistischer Gefangenschaft. Heute ist er weder begeistert noch verbittert; er hat sich seien kühle Weltansicht bewahrt. Über die Wirksamkeit von Bombe sagt er sinngemäß: Jede Bombe auf Raqqa bestärkt die Islamisten in ihrer Weltansicht. Und über die Situation in Frankreich sagt er: Ich fand die Reaktion von Hollande nach den Anschlägen von Paris noch schlimmer als die von George W. Bush nach 9/11. Hollande ist dabei, die Muslime Frankreichs vom Staat zu entfremden. Da kann man nur hoffen, dass die Deutschen nach der Kölner Sylvester-Krawallnacht nicht den Franzosen nacheifern!
Aber wenn Bomben dem IS eher in die Hände spielen, was hilft dann? Wieder Hénin: Was dem IS Sorgen bereitet, sind Apelle zum Frieden. Und dann sagt er etwas ganz Erstaunliches: Die Flüchtlingskrise [also die bedingungslose Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak durch Deutschland] war ein großer Schlag gegen die IS-Propaganda. Die baut ja auf zwei Behauptungen auf: Ein guter Muslim soll nicht in Europa leben. Und: Europa diskriminiert die Muslime. Aber dann fliehen Hunderttausende aus diesem angeblichen Paradies [des IS], gehen in die Länder der Ungläubigen - und werden, zumindest in Deutschland, von denen auch noch mit offenen Armen aufgenommen!

Menschlichkeit gegen Brutalität

Heißt das, wir sollen dem Terror des IS mit Freundlichkeit begegnen? Wer sagt denn einen solchen Unsinn? Überraschung: Ein gewisser Jesus Christus hat das vor zweitausend Jahren gesagt und damit zur Grundlage des christlichen Abendlands gemacht: Wenn dich einer auf die rechte Bake schlägt, halte ihm die linke Backe hin (damit er die auch noch schlagen kann oder durch deine Freundlichkeit überwältigt wird). Naja, das war doch nur symbolisch gemeint. Wer kann denn schon durch gewaltlosen Widerstand die Mächtigen zu Fall bringen ... Mahatma Gandhi konnte es, Nelson Mandela konnte es. Vielleicht können wir es auch, schließlich glauben wir an Jesus und an seine Worte. Oder behaupten es.
Dazu zum Abschluss noch einmal Hénin: Worte und Ideen sind in diesem Krieg wirksamer als Armeen und Bomben.

13 Kommentare

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Der Ansatz ist nicht schlecht Peter Ripoda, aber bedenke auch Jesus war nicht einverstanden mit der Vorgehensweise der Pharisäer ... und er ließ sie aus dem Tempel entfernen...
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Es stellt sich mir die Frage, was unter "SIEGEN" zu verstehen ist.
Ist es ein Sieg, wenn die Gegner alle umgebracht wurden und die Überlebenden in einem völlig zerstörten Gebiet weiterleben?
Ist es ein Sieg, wenn die Waffen schweigen weil keine Munition mehr vorhanden ist?

Jeder Krieg beginnt mit Worten bevor das Töten beginnt.
Jeder Krieg endet mit Worten wenn das Töten aufgehört hat.

Die Toten können nicht siegen, siegen können nur die Überlebenden.

Ich denke, dass es in Syrien und im Irak schon jetzt nur noch Verlierer und keine Gewinner mehr geben kann. Es kann nur ein Neuanfang der Überlebenden geben, wenn diese zum gemeinsamen Frieden bereit sind.
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Es gibt keinen IS sondern den sogenannten IS - eine Terror und Mörderbande. Diese Bande muß vollkommen vernichtet werden - eine andere Sprache verstehen die nicht.

Die Staaten werden schon dafür sorgen das dies geschieht - auch wenn es länger dauert...
Irgendwann sind sie alle weg - solange wird geschossen....
Das Gesabbel nützt gar nichts gegen Terrorbanden. Diese müssen erst mit Waffengewalt vernichtet werden.
DANN können wir sabbeln bis zum Morgengrauen. Und humane Lösungen finden.
Wer den Krieg nicht begriffen hat, sollte nicht darüber reden.
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Lieber Herr Ripota,
empfehle dazu Eugen Kogons Buch "SS-Staat" Er schreibt: erst als die Wehrmacht in Russland auf dem Rückzug war ebbte die unmenschliche sadistische Grausamkeit der SS im Lager Buchenwald ab. Man kann Mörder also durchaus mit militärischer Bedrohung beeindrucken.
Beste Grüße
Otto Huber
Danke für den sehr nachdenklich machenden Beitrag. Ob die Menschheit je zu der Einsicht gelangt, dass Rachefeldzüge Kriege gegen den Rächer sind? Es wäre der erste Schritt in Richtung Paradies.
Na, dann ernte Du mal.
Ich jedenfalls werde mich wehren.
Alfred, bleib mal cool und setz Deine blühende Phantasie etwas kreativer ein. Auch Beschimpfungen kann man etwas feiner und intelligenter formulieren, wenn Mann kann.
Du warst schon mal deutlich besser.
Glücklicherweise musst DU dieses Problem auch nicht lösen und ich auch nicht. Da könntest Du Dir den pazifistischen und selbsthassenden Schaum vor dem Munde sparen.
Und wie ICH mich gegen Zumutungen wehre, lass beruhigt MEIN Problem sein.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
Ich habe deutlich gemacht, dass es ohne milit. Sieg über den IS überhaupt keine anderen Lösungen geben kann, das aber nicht die einzige bleiben kann. Binsenweisheit.
DIe Kolonialwirtschaft als einzige Kausalität darzustellen, ist ein bisschen zu denkfaul, das ist zwar eine gern benutzte Parole seit ca. 40 J., dadurch wird sie nicht richtiger. Besonders für D und CH nicht, denn deren koloniale Vergangenheit dürfte sich im Bereich homöopathischer Dosierungen befunden haben.
Was die sog. Bringschuld angeht, es steht Dir jederzeit frei, diese zu bedienen. Ich sehe da nichts derartiges, also bedien ich dieses Vorurteil auch nicht.
Gegen Deine angebliche moralische Überlegenheitsgeste habe ich überhaupt nichts, solange Du sie für Dich auslebst und andere nicht damit behelligst.
Sauer werde ich nur, wenn man mich zwingen will, offenkundigen Unsinn für höherwertige Philosophie zu halten.
Schönen Tag noch.
Es gibt auch den Begriff der Betriebsblindheit.
Immerhin hat die USA geholfen, D vom Nazifaschismus zu befreien ohne anschließende Unterwerfung und Ausplünderung a la Stalin.
Die US Außenpolitik kritisch zu sehen, besonders die von Obama, bedeutet nicht, in den USA den monokausalen Weltbrandstifter zu sehen. Da gibt es noch andere und viele.
Die Fragen der dtsch. Souveränität sind durch die 4 plus 1 Gespräche abschließend geklärt, ich vertraue da mit Verlaub dem dtsch. Außenminister mehr, als einem vielreisenden Schweizer Bürger. Das Grundgesetz hat seinen Namen aus vielerlei Gründen behalten, einer davon war die Art des Beitritts der neuen Bundesländer, wäre die andere Alternative gewählt worden, hätte eine Neue Verfassung erlassen werden müssen, was meine Priorität gewesen wäre. Kohl hatte wohl wenig Lust dazu, auch wegen der Zeitknappheit.
Da es zwischen USA und D mehrere Bündnisse zu unserem gegenseitigen Wohle gibt, ergeben sich daraus auch Pflichten. Dass die Neutralität der Schweiz eine andere historische Sicht darauf produziert, ist nur natürlich - aber für D völlig ungeeignet. Man kann nicht jeden Schuh über den gleichen Leisten bearbeiten.
Albrecht,
Wir sind ja nicht immer gleicher Meinung, aber hier muss ich Dir mal wirklich meinen Respekt erweisen und mein Lob erteilen für diesen Kommentar, weil er sehr sachlich, frei von Polarisierung und einseitiger Schuldzuweisung ist. Es gibt durchaus gute Gründe dafür, Kritik an der Politik der USA zu üben, aber man sollte sich doch davor hüten, den Splitter im Auge des Bruders USA zu sehen und dabei den Balken im eigenen Auge zu ÜBERsehen.
Warum sollten wir in bestimmten Sachfragen nicht einer Meinung sein? Auch ich stimme Dir nicht selten zu, das geschieht vielleicht etwas zu leise, die Nichtzustimmung dann um so lauter und deutlicher, das sollte aber nicht über einen deutlichen Grundkonsens hinweg täuschen.
Welcher das ist, testen wir ja schon recht lange aus.
Außerdem sind wir beide uns vermutlich einig darin, dass wir als Menschen auch nicht selten uns irren und auch schon mehr als einmal korrigiert haben.
Ich jedenfalls.
Also weiterhin auf einen munteren und mitunter deutlich kontroversen Meinungsaustausch, wovor wir uns beide vermutlich nicht fürchten.
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