wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Mehr Frauen in der Führung machen eine Firma nicht sozialer

Von News Team - Sonntag, 24.01.2016 - 10:21 Uhr

Berlin. Je mehr Frauen in die Chefetagen aufsteigen, desto härter und zielorientierter wird der Führungsstil im Unternehmen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Untersuchung der internationalen Personalberatung Russell Reynolds Associates, die der „Welt am Sonntag“ exklusiv vorliegt. In gemischten Führungsteams nimmt der Fokus auf gute soziale Beziehungen danach signifikant ab.

Das widerspricht der bisher herrschenden Meinung in der Diversity-Debatte. Danach werde mit dem Einzug weiblicher Chefs auch die Führung „weiblicher“, sprich sozialer und verantwortungsvoller.

Der Auswertung von Tiefeninterviews mit über 4300 internationalen Entscheidern zufolge ist das Gegenteil der Fall: Steigt der Frauenanteil in Führungsgremien über die kritische Masse von 22 Prozent, bricht der klassische Geschlechterstereotyp auf. Dann kümmern sich Frauen stärker um ihre eigene Karriere und nähern sich in Sachen Durchsetzungskraft und Härte ihren männlichen Kollegen an. Die Fürsorge für andere und die Beziehungspflege dagegen nehmen messbar ab und das sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

„Dadurch wird die Managerwelt härter“, sagt Studienautor Joachim Bohner, Assessment-Experte von Russell Reynolds, der „Welt am Sonntag“. Dafür würden alle miteinander fokussierter, kämpferischer und damit auch erfolgreicher. „Frauen und Männer an der Spitze nähern sich dem Idealtypus des ‚General Managers‘ an“, so Bohner. Dieser Typus ist nach Ansicht der Personalberater am besten gerüstet für unsere dynamische Zeit, in der sich Märkte und Anforderungen an Unternehmen mit so rasanter Geschwindigkeit verändern wie nie zuvor. „Dieser hat eine hohe Leistungsorientierung, gepaart mit der Kraft und der Fähigkeit, Menschen emotional mitzunehmen, scheut aber auch nicht vor härteren Entscheidungen zurück, wenn diese in Transformationsprozessen nötig sind.“

Für die Managerinnen in aller Welt ist die Überwindung der klassischen Geschlechterrollen „ein Befreiungsschlag“, davon ist Bohner überzeugt. „Sie können ihren Exotenstatus abschütteln und einfach nur Führungskräfte sein“, sagt der promovierte Psychologe. Frauen werde nicht mehr allein aufgebürdet, mit ihrer vermeintlich höheren emotionalen Intelligenz auch noch die sozialen Probleme in den Teams zu lösen. „Dadurch haben sie endlich gleiche Chancen, in ihrem eigentlichen Job erfolgreich zu sein, wie männliche Manager.“

Berater von Russell Reynolds haben anhand von 48 Dimensionen, etwa abstraktes Denken, menschliche Wärme oder Angstgefühl, sogenannte psychometrische Profile von Topmanagerinnen und Topmanagern aus 25 Ländern erstellt. Diese haben sie nach Ländern mit geringem, mittleren und hohen Anteil weiblicher Führungskräfte sortiert.

Einmal in größerer Zahl in Top-Jobs angekommen, unterscheiden sich Männer und Frauen der Studie zufolge kaum mehr signifikant in ihren Charaktereigenschaften. „Dann werden die Persönlichkeitsunterschiede von Mensch zu Mensch wesentlich relevanter als die Unterschiede zwischen Mann und Frau“, erklärt Bohner.

2 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Frauen in Führungspositionen sind immer noch unterbesetzt und der Anteil stagniert bei 2004. Woher mag das wohl kommen? Sind Herren in Nadelstreifen eventuell doch die besseren Herrscher über ein Millionenunternehmen oder traut man den Frauen, auch wenn sie spitzenmäßig mit allen Vorzügen einer Führungskraft ausgestattet sind, eben viel zu wenig zu? Spitzenpositionen werden auch mit Frauen ausgestattet, wenn diese dann genug Rückgrat haben, sich durchzusetzen. Da gibt es Chefinnen von Modejournalen, die rigoros alles niedertrampeln und die Sparte der IT Branche lässt auch hoffen, dass man dort eine Frau mit Kopf sitzen sieht...die die Fäden spannt...
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und andere freie Unternehmen, haben ein ganzes Monopol von hochkarätigen Frauen, die sich zu benehmen wissen und nebenbei auch noch Kinder versorgen, da der Ehegatte nicht vorhanden ist...
Diese Damen setzen auf ein hohes Potenzial an kämpferischem Geist und ein wenig Hierarchie, was bei solcherart Job ganz verständlich ist.
Eine Umfrage zeigte jüngst, dass nicht alle börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen bei Vakanz ihrer Führungspositionen Frauen einplanen. Der Aufsichtsratsposten in dieser Ebene sollte aber mehr in den Fokus gerückt werden, damit auch dort Frauen nicht in der Minderzahl sind. Verbindliche Quoten für Frauen als Aufsichtsräte in großen Unternehmen gibt es seit dem 1.1.2016. Mittelgroße Firmen sind dort flexibler.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Also ich sehe das ähnlich, denn eine Firma unter Frauenführung hat eher härtere Bandagen, als unter männlicher Führung. Liegt vielleicht daran, dass das Image der nicht durchsetzungsfähigen Frau aufpoliert werden soll...
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren