WÄHLEN GEHEN ???

Beitrag von wize.life-Nutzer

WÄHLEN GEHEN ???[f][/f]von Gerd Quedenbaum
Da sind sie wieder, die faulen Sprüche, "wählen ist Pflicht" und " wer nicht wählt, verschenkt seine Stimme" und "dann werden die Rechten stark" und "wer nicht wählt, darf nachher auch nicht mitreden", oder -wie jetzt ein kluger Professor im Super-Sonntag verlauten ließ- "wer nicht wählt, verliert seine Einflußmöglichkeit". Da kann ich nur gegenfragen, "verehrter Herr Professor, welche Einflußmöglichkeit denn ?"
In unserem Deutschland herrscht doch der Parteienklüngel, da hat doch die Stimme des einzelnen Bürgers überhaupt keine Geltung. Einfluß haben nur die Politik betreibenden Gruppen, das sind die sogen. Parteien. Und genau genommen haben auch die keinen Einfluß, weil dort die Bonzen das Sagen haben. Und wenn nun noch jemand behaupten möchte, aber im Parlament haben doch die gewählten Vertreter das Sagen, dann muß man auch dem widersprechen. Gemeinhin gilt in den Parlamenten der sogen. "Fraktionszwang". Mit anderen Worten, wer sich nicht fügt, verliert spätestens bei der nächsten Wahl sein Mandat - peng !

Wer wählt, bekundet Vertrauen.
Wenn da also keine Partei und kein Kandidat ist, dem ich -guten Gewissens- mein Vertrauen "schenken" möchte/könnte, dann -so empfiehlt besagter Professor- solle man dennoch zur Wahl gehen, denn nicht zu wählen, das sei nur für den Augenblick rational. Mit Verlaub, Herr Professor, Ihre Meinung ist mir ein sogar sehr schlechter Rat.
Wie krumm und dumm unsere Politik, oft genug auch die Politiker selber sind, ergibt sich aus der Tatsache, daß sich die Parlamente und Regierungen einen Teufel darum scheren, was wir Bürger meinen. Europa würde nicht so ein uneiniger, schrottreifer Haufen von Staaten sein, denen jede bürgerlich erhoffte Fasson fehlt. Die Familien- und Bildungspolitik in Deutschland würde nicht so sehr von der dubiosen Hallodripartei der Grünen bestimmt werden, wenn die großen Parteien nicht in Koalitionen mauschelten, bloß - um nicht abgewählt zu werden. Diese Aufzählung könnte seitenweise weitergehen und noch lange nicht enden, bei der Frage nach Linken und Rechten, mit der die Bürger bewußt und gezielt gegeneinander gehetzt werden.
Nein, die politischen Parteien in Deutschland, und deren Bonzen, sind alles andere als vertrauenswürdig.

Wir haben in Deutschland rückläufige Wahlbeteiligungen. Und die Parteien selbst, mit ihren Bonzen, soweit sie es ins Parlament geschafft haben, wissen natürlich ganz genau, daß sie trotzdem bestens bestellt sind und sich auf das Vertrauen ihrer Bürger -es mögen noch so wenige sein- stützen können.
Dabei ist ihnen denn letztlich auch egal, warum die Nichtwähler ausgeblieben sind. Eine ernsthaft glaubwürdige, wissenschaftliche Untersuchung zu dieser Frage hat es m.W. bislang noch nicht gegeben. Natürlich nicht. Wer denn möchte schon genau wissen, wieso er nicht vertrauenswürdig sein soll. Das könnte doch sein Selbstvertrauen erschüttern und die Pfründe schmälern.
Also hauen wir auf die Pauke und machen den Nichtwählern deutlich, daß sie die Schwachköpfe sind, sozusagen "Feinde der Demokratie". Und machen wir ihnen deutlich, daß unsere Parlamente und Regierungen viel besser sein könnten, wenn man sie -auch ohne Vertrauen- wählen würde.
Da beißt sich doch nicht etwa die Katze in den Schwanz - oder ? -

Nicht zu wählen, sich der Politik zu verweigern, ist Teil unserer Liberalität. Sie sollte aber auch ein Zeichen an die nachwachsenden Generationen sein.
Sich verweigern, nur weil es zu mühsam ist, sich dauernd mit dem politischen "Gesülze" auseinander setzen zu müssen, weil es unser "highlive" stören könnte, das ist entschieden zu schwach begründet. Politik kann man nicht mit wenigen Worten machen und noch viel weniger mit Hauruckaktionen. Politik brauch
ehrenwerte (!), gebildete (!) und lebenserfahrene (!) Menschen. Nichts davon ist in der bloßen Existenz des Menschen zu finden. Das bedarf eines langen Lebens. Darum nennt man ältere, führende Menschen "weise". Und darum bezeichnet man junge Menschen als (hoffentlich lernwillige) "Nachfolger".

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