Sind sie wirklich wach geworden ? -

Beitrag von wize.life-Nutzer

SIND SIE WIRKLICH WACH GEWORDEN ? -
von Gerd Quedenbaum.
(Bezug ist ein Artikel von Günther von Fricken
in Super-Sonntag vom 26. August 2018.)

Sind sie wirklich wach geworden, die Kultur- und Bildungspolitiker, Regierungsbeamten, Gewerkschaftler, Lehrer und Eltern ? - Das ist kaum anzunehmen.
Schon seit -zig Jahren herrschen bei uns die Mißstände in der Schulpolitik mit Lehrermangel und verkorksten Lehrprogrammen. Und nun plötzlich, aber wohl nur als Lückenfüller in der Ferienzeit 2018, fällt es den zuständigen Gremien in Bund und Ländern auf, welche Lücken da vorhanden sind. Es ist schwer zu glauben, daß irgendjemand diese Probleme ernsthaft in Angriff nehmen und bessern möchte. Die Journaille ohnehin nicht. Die würde sich eher in den Hintern beißen, als Partei- und Regierungspolitik zu kritisieren. -
Das Theater begann ja eigentlich schon gleich nach dem Kriege, als Geschichtsschreiber und Historiker gleichermaßen vor die Frage gestellt waren, "wie sag' ich's meinem Kinde" - nämlich die Geschichte von 1933 bis 1945. Und weil man -selbst betroffen- noch keine Lösung wußte, gab man dem Drängen der Besatzungsmächte nach, speziell natürlich der Amerikaner, und schuf ein weitgehend künstliches Geschichtsbild, fernab von aller Realität. Das war der erste Knacks - und von da an ging es mit der Bildungspolitik in Deutschland rapide bergab. Lehrprogramme wurden umgestellt, denen ohnehin nicht jeder folgen konnte. Aus den Wirren jener Zeit folgten die sechziger Jahre mit dem sozialpolitischen Aufstand der Jugend. Die Politik, speziell die Familien- und Jugendpolitik, lenkte ein (es ging doch um Stimmen). Es bröckelte und entwickelte sich bis in die siebziger Jahre schon zum Bruch. Mit Neuentwicklung in der Familienpolitik, der Kinder- und Jugenderziehung, war es auch vorbei mit der Arbeitsruhe in den Schulen. Danach ging es los und dauert bis heute zunehmend an, so z.B. -daß man den Kindern mehr sexuelle Vielfalt beibringt statt Rechnen, Schreiben, Lesen und - Denken. Es lebe die Anomalität ! - Das aber will ja ohnehin niemand so genau wissen. Wohlstand schafft (Bett-) Freuden und diese kann man den Kindern, nach Meinung perverser Politiker, nicht früh genug beibringen.
Die Stellen altersbedingt abtretender Lehrer wurden nicht immer neu besetzt (das Geld braucht man für igendwelchen Firlefanz), die Lehrerbildung ließ nach, verlor sich in einem gewissen Desinteresse. Der Lehrerberuf entwickelte sich bei der Berufswahl mehr oder weniger zu einer Notlösung, was sich natürlich auch in der Schule negativ auswirkte. Hinzu kam die katastrophale Entwicklung in den Kinderstuben, wo Eltern nach und nach immer mehr steigend versagten. Ein Zustand, der bis heute nicht nur ungebrochen andauert, sich vielmehr immer weiter vertieft.
Daß sich über diese wachsenden Zustände nach und nach auch ein erheblicher Unmut bemerkbar machte, das möchten die Verantwortlichen nicht wissen. Das bestreiten sie ja immer noch. Inzwischen haben sich die Lehrprogramme so stark verändert, daß sogar die Kulturpolitik in Deutschland nicht erst zu schleudern beginnt, sondern schon mitten drin steckt, in einer chaotischen Entwicklung. Dümmliche Events sind da eher eine Bestätigung.
Der Lehrerberuf, ehedem als eine hehre Aufgabe erkannt, er hat inzwischen alle Attraktivität verloren und gehört selbst bei noch aktiven Pädagogen zum "nie wieder !" Man versucht den Berufswechsel oder ist schlicht "krank". Kein Problem, sagen die Verantwortlichen. Man hat ja Lehrer-Vertreter und greift (wenn nötig) zurück auf sogenannte Seiteneinsteiger aus anderen verschiedenartigen Berufen. Die Qualität der Lehre ist Nebensache (siehe Berufswahl und Lehrstellenvermittlung). Dazu nachstehend ein ebenso lächerliches, wie erschütterndes
Beispiel:
Der Urheber dieses Beitrages hat, vor 15 Jahren einmal über 12 Monate, nach Schülerangaben, eine Statistik über Fehlstunden in einer nahen Mittelschule angefertigt. Das Ergebnis lag damals bei 27,3% Fehlstunden der zuständigen Klassenlehrer. Und diese Zahl konnte nur zu einem Bruchteil durch Vertretungen "ausgeglichen" werden. Das war schulstatistisch zwar immer noch interessant, de facto jedoch absolut wertlos. Die Mehrzahl der Vertreter wußte nicht einmal den anstehenden Lehrstoff, betätigte sich also nur als "Aufsicht". Die Zeugnisse der Schüler waren entsprechend. Das heißt, "Lehrermangel resp. faule Lehrer = dumme Schüler". Von den reinen Erziehungsmängeln ganz zu schweigen.
Daß die Lehrer und Lehrerverbände nicht schon vor zwanzig/dreißig Jahren über die Mißstände in deutschen Schulen laut geschrien (!) haben, erscheint mir unverständlich. Ebenso auch die Gewerkschaft GEW (aber denen liegt (Zuschauerperspektive) ohnehin mehr an ihrem parteipolitischen- und Geldbeutelinteresse).
Wir werden nahezu täglich an die Behauptung erinnert, daß unsere Eltern resp. Großeltern ausgemachte Dummköpfe gewesen sein müssen, als sie sich mit großer Mehrheit für das NS-Regime entschieden. Und das Fazit lehrt uns ja auch, daß Mehrheiten keineswegs immer Recht haben. Merkwürdig jedoch, wie einst, so suchen wir in unserer Zeit wieder nach den "demokratischen" Mehrheiten und behaupten deren Richtigkeit, obwohl doch gerade diese uns erst in den eklatanten Bildungsschlamassel hinein geritten haben. Und nun, sozusagen als Streicheleinheit für das tumbe Volk, auch noch das umfassende Gespräch mit anders Denkenden verweigern. Ist das unsere "Demokratie" ? Oder vielleicht nur ein degenerierter Haufen, der seine eigene Identität verloren hat ? -
Die fast schon verkommene deutsche Kultur-, Familien-, Bildungs- und Schulpolitik ist eine Sache, die man nicht mit einem Dreh oder mit halbgebildeten Hilfskräften beenden kann. Sie braucht Generationen, um da wieder heraus zu kommen