Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble
Bundestagspräsident Wolfgang SchäubleFoto-Quelle: Deutscher Bundestag / Achim Melde

"Kein Unterschied zwischen Kandel und Köthen" - Klartext-Schäuble über Rechtsextreme in Ost und West

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Beitrag von News Team

Mit Blick auf die rechtsextremen Vorfälle in Chemnitz und Köthen hat sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble dagegen verwahrt, den Radikalismus auf die Prägungen der ehemaligen DDR-Bevölkerung zurückzuführen.

Im Interview mit WELT AM SONNTAG sagte Schäuble: „Ich akzeptiere nicht, dass daraus ein Ost-West-Problem gemacht wird. Ein erheblicher Teil der Drahtzieher dieses Gedankenguts kommt aus dem Westen.“ Schäuble verwies auf ähnliche Vorfälle in der Pfalz. „Die Einwohner von Kandel erleben in letzter Zeit ständig Demonstrationen von rechtsgerichteten Personen – oft gegen den Willen der Kandeler. Kein Mensch kommt auf die Idee zu fragen: Was hat die Pfalz falsch gemacht, dass es zu derartigen Kundgebungen kommt? Ich sehe keinen Unterschied zwischen Kandel und Köthen.“

Mehr Feinfühligkeit im Umgang mit Osteuropa

Schäuble plädiert dafür, nicht nur mit den Bürgern der ehemaligen DDR, sondern auch mit allen Osteuropäern sensibler umzugehen. „Vielleicht haben wir die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen, politischen und psychologischen Transformation insgesamt unterschätzt.“

Die Probleme aber hätten alle Staaten des ehemaligen Ostblocks gehabt. „Und auch mit diesen sollten wir feinfühliger umgehen. Wenn wir allein unsere Vorstellungen für allgemeingültig erklären, dann besteht die Gefahr, dass wir eine der größten Errungenschaften nach 1989 rückgängig machen: die Überwindung der Ost-West-Teilung“, sagte Schäuble der WELT AM SONNTAG.

Massenabschiebungen nicht möglich

Schäuble sprach sich zudem in der WELT AM SONNTAG dafür aus, die Integrationsanstrengungen zu verstärken. Im Interview er: „Wir sollten uns klar machen, wie schwer es ist, im Einzelfall abzuschieben. Deswegen sollten wir auch nicht allzu stark die Hoffnung schüren, dass wir die Großzahl dieser Menschen zurückführen können. Eher sollten wir alle Kraft dafür aufbringen, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren.“