Tag der Deutschen Einheit

Beitrag von wize.life-Nutzer

TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT
ein Beitrag von Gerd Quedenbaum.

Nur wenige Tage noch und wir begehen wieder den "Tag der Deutschen Einheit". Jenen Gedanktag, der uns an die Wiedervereinigung der beiden "Deutschen Staaten", Ost = DDR und West = BRD, erinern soll.
Das sollte eigentlich ein großer Feiertag sein, für uns alle. Das sozialistische Joch in der DDR fand ein Ende. Familien konnten wieder zusammen wachsen, Kinder konnten wieder ihre Eltern und Eltern ihre KInder besuchen. Der Alltag normalisierte sich, auf beiden Seiten. Die BRD trug Geld zusammen, um über die ersten Hürden des wirtschaftlichen Wiedererwachens hinweg zu helfen. Eitel Harmonie kehrte ein und eigentlich hätten wir es alle zufrieden sein können.
Ein Jubel auf unsere Politiker - den Menschen aus dem Deutschen Westen ? Und wofür das ? Waren es denn nicht sie, die noch bis zum letzten Augenblick über die Grenze rieten, man möge sich den Weisungen der Machthaber fügen ? Und waren nicht sie es, die gerade die Handelsbeziehungen mit jenen Machthabern zu beleben suchten ? Nein, ich gedenke nicht des im Übergang nur spärlichen Zutuns der westdeutschen Seite. In Erinnerung habe ich allein den Freiheitswillen und den Mut der ostdeutschen Bürger, die sich ihre Freiheit einfach genommen haben, furchtlos, ohne sich nach den Waffen in ihrem Rücken umzusehen. Die Waffen schwiegen, glücklicherweise. Und ganz Deutschland feierte ein Freudenfest.

Ich erinne mich einer Fahrt mit dem Auto in die "Ostzone". Wir fuhren kreuz und quer, ohne Ziel, nur um zu sehen. Wir kamen in ein kleines Dorf, irgendwo im südlichen Harz. Kein Mensch auf der Straße. Da, ein alter Mann mit Krückstock mitten auf der kopfsteingepflasterten , tief gelöcherten Fahrbahn. Er winkte uns. Was mochte er wollen ? Wir hielten an, er kam auf uns zu, hatte Tänen in den Augen und sagte: "Ich sehe es ja, Ihr seid aus dem Westen. Nun haben wir uns wieder. Wie schön, daß Ihr da seid." So habe ich die Wiedervereinigung erlebt. Und diese kleine Begegnung gab mir -dem Menschen aus dem Deutschen Westen- mehr, viel mehr noch als alles politische Geschrei der Oberen, damals noch in Bonn.
Inzwischen ist viel geschehen. Unser Osten hat sich in vielerlei Beziehung dem Westen angeglichen. Und dennoch gab es erst nur eine kleine Lücke, vielleicht war es Neid auf die im Wester - oder deren Dünkel über die im Osten. Eine Lücke in der Meinung zur politischen Entwicklung, die sich im Osten wieder abwärts neigt, wenngleich diesmal nicht aus sozialistischem, sondern aus kapitalistischem Verschulden.
Die alte Grenze ist out, sollen wir jetzt auf die neue, die industriestaatliche Grenze anstoßen ?
Jenen roten Faden, den wir alle kennen und doch eigentlich gar nicht wollten, der Armut und Abwanderung fördert. Sollen wir anstoßen, auf das Verbrechen unserer nun gemeinsamen Politiker, darunter auch die aus dem Osten stammende Kanzlerin, die den Hass schüren und den Bürgerkrieg zwischen Ost und West riskieren ?
Jene, die uns heute wieder nahe zu bringen suchen, was wir eigentlich mit der DDR als ausgestanden betrachteten ? Die unsere westdeutsche Demokratie in den Osten trugen, die heute Demokratie predigen, aber den Meinungsterror fördern ? -

Nein, daß ist nicht unsere Welt. Und das ist es auch nicht, was wir Bürger, Brüder und Schwestern, im Westen wie im Osten gleichermaßen wollten, nämlich den Frieden in uns und in unserem Land; die Freude an unserer Freiheit und unserer Kultur, die Freude an unserem gemeinsamen Schaffen, zum Wohle unserer Familien, unseres Landes, Europas und der Welt.

Nein, meine Freude am Gedenktag zur "Deutschen Einheit" wird eine andere sein, als die Freude und der nachhallende Jubel der Politiker. Meine Freude wird eine stille sein, ohne das große, verlogene Geschrei jener, die just wieder bemüht sind, unser Volk in Ost und West, unser Land und unsere Kultur mit verlogen frommen Worten in den sozialen Abstieg zu führen, einen neuen Slum zu formulieren.

In meine stille freude wird sich aber auch die Scham mischen gegenüber denen, die nach uns kommen und fragen werden, "wer waren denn die, die unser Leben verschachert haben an eine Gesellschaft, die einst gelernt hat, uns zu achten, jetzt aber nur noch Verachtung für uns empfinden kann" Verachtung, weil wir selbst nicht mehr in der Lage sind, uns und unseren Familien, unserem Land die gebotene Aufmerksamkeit zu schenken.
ch wünsche auch Euch lieber einen besinnlichen "Tag der Deutschen Einheit".