wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Deutschlands Scheinvereinigung

Deutschlands Scheinvereinigung

Peter Leopold
03.10.2018, 04:59 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Wieder einmal Feiertag, Das bedeutet ein freier Tag mehr, viele bunte Fahnen, Aufmärsche, Demos und ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Doch mit der Verbundenheit ist es nicht weit her. Die Unterschiede werden gerade in diesem Jahr besonders deutlich und die Begriffe Chemnitz, Dresden, Leipzig kennt inzwischen jedes Kind von Bayern bis Schleswig-Holstein aus den Nachrichten.
Man muss etwas weiter ausholen, um zu verstehen, warum die Unterschiede zwischen Ost und West nach wie vor so groß sind, obwohl es viele Menschen gibt, die Deutschland durch die Wiedervereinigung gestärkt sehen. War die Wiedervereinigung ein Fehler ? Ich glaube nicht. Nur die Art, wie sie realisiert wurde, war grundverkehrt. Eine langsame Anpassung wäre sinnvoller gewesen. Aber die Zustimmung Russlands hätte es ohne Milliardenkredite niemals gegeben. DARUM musste alles sehr schnell gehen.

Einem unterdrückten DDR Volk wurden von einem Tag auf den Anderen Möglichkeiten erschlossen, mit denen sie nicht viel anfangen konnten. Ein Punkt ist die Demokratie, die "Ossis" nie gelernt haben. Genau so wenig haben "Wessis" gelernt, ihren Wohlstand vorbehaltlos zu teilen. Es ist kein Zufall, dass rechtsradikales Gedankengut besonders im Osten auf fruchtbaren Boden fällt. Jeder Flüchtling, jeder Fremde, jeder Ausländer könnte ja dem "armen Ossi" etwas wegnehmen. Dass der "Wessi" aber während der Teilung des Landes selbst die Aldi-Schokolade gegessen hat, während er die Pakete mit der "guten Milka" in den Osten geschickt hat - nur um zu zeigen, was er scheinbar hat, wird dabei gerne übersehen.

Die ehemalige DDR war vom großen Bruder abhängig und Russland hat Ostdeutschland nie wirklich aufgegeben. Wenn heute jährlich 4000 tschetschenische Flüchtlinge kommen, ist das kein Zufall. Kein einziger tschetschenischer Flüchtling kommt ohne Wissen, Duldung oder Auftrag des FSB (ehemaliger KGB) nach Deutschland mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren. Insgesamt hat das ehemalige Gebiet der DDR weit weniger Flüchtlinge, als der Rest des Landes und trotzdem ist das radikale Denken bedeutend höher als auf dem Gebiet der alten BRD. Auf die Frage der Einwanderung in das Sozialsystem muss man nicht eingehen, denn dass es auch die gibt, ist bekannt.
Es geht vielmehr um die Spannungen Ost gegen West und umgekehrt, die täglich größer werden. Auch in NRW gibt es Zonen, die wirtschaftlich benachteiligt sind und wenn dort die Menschen sehen, dass nach wie vor der Osten "zugesponsert" wird, fehlt irgendwann das Verständnis nach 30 Jahren "vollzogener" Wiedervereinigung - zumal die Lebenshaltungskosten bedeutend niedriger sind.
Die "Wiedervereinigung" ist noch lange nicht abgeschlossen, solange sie nicht in den Köpfen vollzogen wird - in Ost und West. Und das ist noch ein sehr langer Weg. Heute muss man noch von Ost und West sprechen, denn von Gleicheit und Brüderlichkeit kann keine Rede sein. Das Land driftet weiter auseinander als je zuvor und wer denkt, den Nationalsozialismus herbei reden zu müssen um die nachfolgende Geschichte zu seinen Gunsten ändern zu können, begeht nicht nur einen schwerden Fehler. Er unterliegt auch einem großen Irrtum. Die Geschichte nachträglich zu ändern, ist unmöglich. Es ist wie es ist. Machen wir alle das Beste daraus.

Mehr zum Thema

29 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Richtig !
  • 03.10.2018, 12:37 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Chapeau Peter, ein sehr guter, inhaltlich stimmiger Artikel. ich kann mich dem nur anschließen.
  • 03.10.2018, 09:05 Uhr
Peter Leopold
Wenn man diese Dinge denn auch wahrhaben will. Da habe ich bei den Meisten meine Zweifel.
  • 03.10.2018, 09:31 Uhr
Leider muss man diese Zweifel haben, wenn man die Notizen zum Tag der Einheit liest.
  • 03.10.2018, 09:33 Uhr
Peter Leopold
Ich habe sie nur kurz überflogen...
  • 03.10.2018, 09:36 Uhr
Das reicht Peter, steht überall fast dasselbe drin.
  • 03.10.2018, 09:44 Uhr
Peter Leopold
Kann ich mir vorstellen. Darum sehe ich mir auch nicht automatisch alles an
  • 03.10.2018, 10:18 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
  • 03.10.2018, 09:03 Uhr
Was dabei besonders herauskam: Es wurde ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem übergestülpt, auf das niemand vorbereitet war. Und die Kreativität der Ostdeutschen, ohne die ein geregelter Alltag in der Mangelwirtschaft gar nicht möglich war, blieb voll auf der Strecke. Skrupellose Geschäftemacher haben die Ahnungslosen über den Tisch gezogen und die Treuhand hat fleißig dabei geholfen.
Dass es dort viele Mittelständler trotzdem geschafft haben, sich eine Existenz aufzubauen ist lediglich deren Kreativität zu verdanken, denn die Banken machten dicht, sobald ein Ostdeutscher einen Kredit zur Existenzgründung bekam. Im Nachhinein gesehen war das keine Wiedervereinigung sondern eine Inbesitznahme.
PS. Ich habe lange in der DDR gelebt und bin 81 in den Westen gekommen - weiß also, wovon ich rede.
Viele die sich in den alten Bundesländern über den Osten aufregen, waren noch nie da - Wie sollen sie da zu einer realistischen Sicht kommen.
  • 03.10.2018, 09:14 Uhr
Peter Leopold
Die Sache mit den Geschäftemachern stimmt zu 100%. Man darf aber etwas auch nicht vergessen. Die fast 100% Arbeitsverteilung. Ein Job, der heute von 3 Leuten gemacht wird, wurde in der Ex-DDR von 30 Leuten erledigt. Der Staat zahlt ja.... Das hat mit Marktwirtschaft nicht viel zu tun. Woher sollte der Bürger das auch kennen... EINE Generation bleibt dabei sicher auf der Strecke.
  • 03.10.2018, 09:35 Uhr
1990 wurde ein DDR-Job vielleicht von 2 Leuten erledigt - und das auch, weil es kaum moderne Maschinen gab. Das fing an bei Rechenmaschinen und hörte bei Gabelstaplern längst noch nicht auf.
Das 1:10 ist völlig aus der Luft gegriffen. Warst du da - oder ich?
Und es ist auch nicht eine ganze Generation auf der Strecke geblieben. Den meisten ist der Umstieg auch gelungen. Am härtesten traf es meine Jahrgänge, die über 40 aber noch nicht in Rente waren. Das lag aber nicht an deren mangelnder Arbeitsbereitschaft sondern an Mangel an Jobs, die alle verschwanden: Textilindustrie, von der halb Sachsen gelebt hat: weg damit. Sogar Zeiss sollte wegrationalisiert werden, wenn nicht das Cleverle L. Späth diese Firma gerettet hätte.
Um in der DDR über die Runden zu kommen, musste man kreativ sein - aber all dieses Potenzial wurde wegrationalisiert. Ab auf den Misthaufen - so erlebten es die Ostdeutschen - und da wundert sich einer!
Und den Seitenhieb im Artikel auf den sächsischen Dialekt hätte man unterlassen können. Schwäbisch klingt auch nicht viel besser.
  • 03.10.2018, 09:53 Uhr
Peter Leopold
Meine Frau hatte einige Bekannte dort und DIE waren da. Seitenhieb ?Da steht nichts davon drin.
  • 03.10.2018, 10:20 Uhr
Das mit dem sächs. Dialekt war nicht von dir, sondern von Rika. Tut mir leid.
Aber ich persönlich spreche nicht von Bekannten, die da waren, sondern von mir selbst und die Mär von den faulen Ostdeutschen (nein, faul hast du sie nicht genannt, nur, das 10 Leute so viel leisteten wie 1 Westdeutscher) ist durch nichts zu belegen und einfach nur eine negative Unterstellung.
  • 03.10.2018, 10:43 Uhr
Peter Leopold
Sehe ich anders.Das hat nichts mit negativer Unterstellung zu tun. Es war einfach das System so. Wirklich schuld ist wohl kein Einzelner.
  • 03.10.2018, 12:07 Uhr
Heute kommen wieder einige Sendungen zu den Fehlern bei der Wiedervereinigung, inzwischen sogar von Regierungsvertretern anerkannt.
Zum persönlichen Erleben. Als ich 1981 wieder hierher kam, habe ich über eines gestaunt: Die sog. "Imagepflege", die die meisten Bürger betrieben: "Ich kann mir das große Auto eigentlich gar nicht leisten, aber ich brauche es zum Repräsentieren" Frage nach einer Einladung: "Wie war das Ambiente?" oder auch diese kleinen Angebereien mit echten oder falschen Markenartikeln, was sogar schon unter Kinder um sich griff. Erste Bemerkung in der Realschule, in die meine Töchter, frisch aus der DDR zugezogen, nun in die 8. Klasse gehen mussten: "Wie seh'n denn die aus!?"
Kein Wunder, dass einige Ostdeutsche das Geprotze des Onkels aus dem Westen ausnutzten und den armen Verwandten spielen.
So ist das auch mit der Aldi-bzw. Milka-Schokolade zu erklären.
  • 03.10.2018, 12:13 Uhr
Peter Leopold
Diese Imagepflege ist auch heute noch das größte Problem der dt. Wirtschaft und wird es wohl immer sein. Verschulden um zu repräsentieren ist die Devise...
  • 03.10.2018, 12:16 Uhr
Da hast du Recht. Und wenn man den Schwindel durchschaut, ist es kein Wunder, wenn man das Vertrauen verliert.
  • 03.10.2018, 12:19 Uhr
Peter Leopold
Nein, überraschend ist das wirklich nicht
  • 03.10.2018, 12:20 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Moin wize.life-Nutzer

Ein sehr heißes Eisen an das Du Dich wagst, richtig ist und das finde ich von allem das schlimmste, daß das Denken bei vielen Ostdeutschen noch das alte ist, andererseits verstehe ich das, kriege Du mal 30 Jahre und mehr solch ein Regim aus dem Kopf, viele sind darunter groß geworden haben von klein auf gelernt aufzupassen was sie sagen, ich nenne es mit Falschheit groß geworden und jetzt dürfen sie alle ihre Belange heraus schreien, dabei wissen viele nicht, daß es auch eine Höflichkeitsform gibt. Haben Angst wieder etwas zu verlieren ( Fllüchtlinge ) das kann es nicht sein, sie bekommen etwas das uns " wieder " verloren geht und das SCHLIMMSTE... frage mal einen Ostdeutschen, dem ging es früher besser ( vor dem Mauerfall ) selten wird zugegeben, daß sie für viele Lebensmittel oft anstehen mußten und wenn es alle war, konnte man ohne heim gehen, nur mal ein Beispiel von vielem herausgegriffen. So und jetzt müssen sich die Leute total umstellen.

Wer im neuen Ostdeutschland geboren ist, dem wird meistens anerzogen oder lernt es in der Geschichte, was früher mal war und oft wird mit Radikalen kräftig mitgeschrieen und zuletzt noch der Sachsendialekt, der zudem noch sehr bieder rüber kommt, vofür die Menschen nichts können.

Bitte, wenn hier Ostdeutsche mitlesen, ich will niemand etwas böses, ich habe hier in Speyer, in dem es viel Tourismus gibt, schon viele Ostdeutsche kennenlernen dürfen und darunter hatte es viele nette Menschen,
  • 03.10.2018, 06:25 Uhr
Peter Leopold
Nun...es ist ja auch so, dass der Osten benachteiligt war. Inzwischen ist es aber nur der Ned und der Hass, was beide Seiten vereint.... Mooorgääähn
  • 03.10.2018, 07:23 Uhr
Der Osten war nicht benachteiligt, wenn dann bevor die Mauer viel, daß nicht jeder gleich alles haben kann ist auch klar, aber nach dem Mauerfall waren eher wir Westdeutsche benachteiligt, weil gewaltig in unsere Rentenkasse gegriffen wurde ( ist nur ein Beispiel ) das spüren wir ja gerade heute sehr extrem, von den Krankenkassenbeiträge, die dann extrem stiegen ganz zu schweigen.
  • 03.10.2018, 07:44 Uhr
Speyer ist eine schöne Stadt: Aber auch Dresden, Jena, Erfurt, Weimar, Magdeburg, Potsdam, Schwerin, Rostock----- einfach mal hinfahren, anschauen und mit den Menschen reden.....
  • 03.10.2018, 09:07 Uhr
Das glaube ich Dir sofort, habe es auch schon öfter gehört und mit den Menschen reden, das habe ich hier auch schon, wie oben geschrieben, trifft man auch hier nette Menschen aus Ostdeutschland.
Eine lange Reise kann ich mir nicht mehr antun wegen meiner Bandscheiben.
  • 03.10.2018, 09:34 Uhr
Natürlich sind die Menschen im Osten genau so nett oder weniger nett wie die im Westen. Wenn du unter ihnen leben würdest, würdest du das bestätigen können.
  • 03.10.2018, 09:59 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
"Eine langsame Anpassung wäre sinnvoller gewesen. "

Die langsame Anpassung findet doch statt. Und für die nach 1989 geborenen hat es nie eine Trennung gegeben. Also, wo ist das Problem?

Im Übrigen gab es die wirtschaftlich benachteiligten Zonen auch in der alten Bundesrepublik. Ich erinnere da an die Zonenrandgebiete. Und heute? Ostfriesland ist ganz sicher kein Landstrich blühender wirtschaftlicher Zonen, der bayrische Wald ebenso nicht.

Die höchste Arbeitslosenquote in D in Bremen und Berlin; ja, ich gebe zu sie liegt z.Zt. in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland - man darf aber ruhig genauer hinschauen. Allein In NRW fast genauso viele Arbeitslose wie in gesamt Ostdeutschland.
  • 03.10.2018, 05:24 Uhr
Peter Leopold
Das Problem ist, dass es diese Trennung immer noch in den Köpfen gibt - und das stärker, als in den letzten 30 Jahren.
  • 03.10.2018, 05:32 Uhr
Problem? Für wen und für wie viele ist das ein Problem? Und wenn, so what? In weiteren 30 Jahren hat sich das erledigt!

Etwas mehr Gelassenheit täte auch hier gut!
  • 03.10.2018, 05:49 Uhr
Peter Leopold
Ich denke, in den nächsten 30 Jahren wird sich viel mehr erledigt haben...
  • 03.10.2018, 05:54 Uhr
Richtig,
dann haben wir die eigene Verfassung und einen Friedensvertrag.
Oh halt,der 2+4 Vertrag läuft ja noch bis 2099, sowie das GG !?
  • 03.10.2018, 23:17 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren