Ossi-Wessi
Ossi-WessiFoto-Quelle: pixabay.com

Deutschlands Scheinvereinigung

Peter Leopold
Beitrag von Peter Leopold

Wieder einmal Feiertag, Das bedeutet ein freier Tag mehr, viele bunte Fahnen, Aufmärsche, Demos und ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Doch mit der Verbundenheit ist es nicht weit her. Die Unterschiede werden gerade in diesem Jahr besonders deutlich und die Begriffe Chemnitz, Dresden, Leipzig kennt inzwischen jedes Kind von Bayern bis Schleswig-Holstein aus den Nachrichten.
Man muss etwas weiter ausholen, um zu verstehen, warum die Unterschiede zwischen Ost und West nach wie vor so groß sind, obwohl es viele Menschen gibt, die Deutschland durch die Wiedervereinigung gestärkt sehen. War die Wiedervereinigung ein Fehler ? Ich glaube nicht. Nur die Art, wie sie realisiert wurde, war grundverkehrt. Eine langsame Anpassung wäre sinnvoller gewesen. Aber die Zustimmung Russlands hätte es ohne Milliardenkredite niemals gegeben. DARUM musste alles sehr schnell gehen.

Einem unterdrückten DDR Volk wurden von einem Tag auf den Anderen Möglichkeiten erschlossen, mit denen sie nicht viel anfangen konnten. Ein Punkt ist die Demokratie, die "Ossis" nie gelernt haben. Genau so wenig haben "Wessis" gelernt, ihren Wohlstand vorbehaltlos zu teilen. Es ist kein Zufall, dass rechtsradikales Gedankengut besonders im Osten auf fruchtbaren Boden fällt. Jeder Flüchtling, jeder Fremde, jeder Ausländer könnte ja dem "armen Ossi" etwas wegnehmen. Dass der "Wessi" aber während der Teilung des Landes selbst die Aldi-Schokolade gegessen hat, während er die Pakete mit der "guten Milka" in den Osten geschickt hat - nur um zu zeigen, was er scheinbar hat, wird dabei gerne übersehen.

Die ehemalige DDR war vom großen Bruder abhängig und Russland hat Ostdeutschland nie wirklich aufgegeben. Wenn heute jährlich 4000 tschetschenische Flüchtlinge kommen, ist das kein Zufall. Kein einziger tschetschenischer Flüchtling kommt ohne Wissen, Duldung oder Auftrag des FSB (ehemaliger KGB) nach Deutschland mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren. Insgesamt hat das ehemalige Gebiet der DDR weit weniger Flüchtlinge, als der Rest des Landes und trotzdem ist das radikale Denken bedeutend höher als auf dem Gebiet der alten BRD. Auf die Frage der Einwanderung in das Sozialsystem muss man nicht eingehen, denn dass es auch die gibt, ist bekannt.
Es geht vielmehr um die Spannungen Ost gegen West und umgekehrt, die täglich größer werden. Auch in NRW gibt es Zonen, die wirtschaftlich benachteiligt sind und wenn dort die Menschen sehen, dass nach wie vor der Osten "zugesponsert" wird, fehlt irgendwann das Verständnis nach 30 Jahren "vollzogener" Wiedervereinigung - zumal die Lebenshaltungskosten bedeutend niedriger sind.
Die "Wiedervereinigung" ist noch lange nicht abgeschlossen, solange sie nicht in den Köpfen vollzogen wird - in Ost und West. Und das ist noch ein sehr langer Weg. Heute muss man noch von Ost und West sprechen, denn von Gleicheit und Brüderlichkeit kann keine Rede sein. Das Land driftet weiter auseinander als je zuvor und wer denkt, den Nationalsozialismus herbei reden zu müssen um die nachfolgende Geschichte zu seinen Gunsten ändern zu können, begeht nicht nur einen schwerden Fehler. Er unterliegt auch einem großen Irrtum. Die Geschichte nachträglich zu ändern, ist unmöglich. Es ist wie es ist. Machen wir alle das Beste daraus.

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