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Ich lasse mir Freude und Stolz nicht stehlen

03.10.2018, 08:24 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Von Sabine Drewes.
Ich möchte vorausschicken, dass ich im freien Teil Deutschlands geboren und aufgewachsen bin, als Deutschland noch geteilt war. Ich möchte vorausschicken, dass ich damals alt genug war, um die Brutalität der Teilung noch bewusst mitzuerleben, bevor die Mauer fiel.

Der Beitrag von Arnold Vaatz hier auf der Achse hat mir keine Ruhe gegeben. Er hat mir einmal mehr gezeigt: es ist offenbar noch immer nicht selbstverständlich, dass Deutsche in Ost und West einander verstehen. Dies ist ein Armutszeugnis vorrangig für unsere Politiker (und weniger für die Bürger selbst), die das Zusammenwachsen unseres Landes viel zu lange entweder unter rein wirtschaftliche Betrachtungen („Angleichung der Lebensverhältnisse“) gestellt oder es als Anbiederung an die SED-Nachfolger missverstanden haben.

Heute wird die Diskussion durch Aufforderungen an die „schon länger hier Lebenden“, die doch bitte die „noch nicht so lange hier Lebenden“ alle freudig begrüßen und akzeptieren sollten, komplett überlagert. Der mutige Freiheitskampf, der 1989 vollendete, was 1953 begann und schließlich 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands führte, er wird schon lange nicht mehr thematisiert. Das ist schwer verständlich in einem Land, das lange damit haderte, nie eine „richtige Revolution“ gehabt zu haben. Es hatte eine viel bessere, eine, die uns noch niemand so nachgemacht hat: die friedliche Revolution.

Den kompletten Text könnt ihr lesen:
https://www.achgut.com/artikel/ich_l...cht_stehlen

43 Kommentare

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Im Osten wurden die Menschen entnazifiziert und genauso im Westen.
Aber verarscht wurden beide bis heute und bis 2099, siehe 2+4 Vertrag.
2 Wessi´s haben den Krieg nach Europa zurückgebracht, danke Herr Fischer und Schröder!
Willy Wimmer - Dirk Müller - Herr Drewermann uva. sagen es dir.
  • 12.10.2018, 20:25 Uhr
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Hier wird viel über "Frust", "Abgehängt" "Arbeitsplatz" etc. zu Recht gesprochen, aber vergeßt bitte nicht: Das ist nicht alles! Schaut Euch doch einmal die Infrastruktur, die wiederaufgebauten oder restaurierten Städte und die Betriebe an. Vom FEINSTEN! Ich habe zwei Cousinen auf der schönen Insel Rügen, vor der Wende war alles, na sagen wir einfach, heute ist die Insel eine der Lieblingsinseln für Urlauber. Heute wird da Geld gemacht, die Bürger der Insel beklagen sich aber über viel zu viel Tourismus. Ja, was nun? Schaut Euch Leipzig an, eine herrliche Stadt. Und das die Landbevölkerung in die Städte zieht, ist nachzuvollziehen. Dort gibt es in der Regel mehr Arbeit und Geld.

Also bitte nicht immer auf hohem Niveau jammern. So ganz hatte Kohl nicht Unrecht mit seinen blühenden Landschaften. "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer!": Honecker
  • 05.10.2018, 11:38 Uhr
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"Wir dürfen stolz auf ein gesamtdeutsches Werk sein, das 1989 mit dem mutigen Aufbegehren unserer Landsleute östlich der Elbe seinen Anfang nahm und mit Hilfe der Bundesregierung unter Helmut Kohl und der amerikanische Regierung unter George Bush sen. 1990 zur Vollendung der Einheit Deutschlands in Freiheit führte."

Wo bleibt hier die Erwähnung der alles entscheidenden Tatsache, dass allein die durch Gorbatschow initiierte Bewegung von Glasnost und Perestroika, es erst ermöglichte, dass die Dissidenten und Unzufriedenen der DDR es überhaupt erst wagen konnten aufzubegehren.
Die politische Einheit Deutschlands konnte am 3. Oktober nur beginnen, weil die damalige Sowjetunion zustimmte und der Vertrag über die Einheit Deutschlands durch die Siegermächte dadurch zustande kommen konnte. Die damalige Bundesregierung hätte sich auf den Kopf stellen können um die deutsche Einheit zu vollenden, nichts hätte sie erreicht ohne die Zustimmung der SU und ohne die, welche "wir sind ein Volk" forderten.
  • 04.10.2018, 17:19 Uhr
  • 04.10.2018, 17:59 Uhr
tja, das wird immer gerne "vergessen" ... ohne Perestroika und Glasnost hätte es statt einer Wiedervereinigung ein Blutbad gegeben ...
  • 05.10.2018, 00:08 Uhr
Nicht zu vergessen der Ausverkauf der DDR durch unsere Politganoven. Alleine was die Franzosen an Industrie für ihre Zustimmung bekommen hat wäre ausreichend gewesen um den Osten aufzubauen. Ja solche Freunde braucht das Land.
  • 07.10.2018, 14:24 Uhr
Jedoch sollte auch nicht vergessen werden, daß es seitens derer, welche über die Waffen verfügten, KEIN Einsatz-Befehl erteilt wurde, wodurch es auch eine friedliche 'Revolution' werden und erfolgreich sein konnte....


Diese unsägliche Treuhand nach der Wende!

Das Vermögen der DDR war beim Beitritt zur BRD ca. 600 Milliarden D-Mark wert, bei ca. 17 Millionen Einwohnern.
Die Treuhand hat daraus (in 4 Jahren) einen Verlust „gezaubert“ von etwa 264 Milliarden D-Mark und damit alle Ostdeutschen als Teilhaber betrogen...
http://www.ta-treuhand.de/501-0-Bere...siert-.html
  • 07.10.2018, 14:28 Uhr
Ja, dieses Vermögen wird gerne unter den Tisch gekehrt. Stellt sich die Frage: Wo ist dieses Vermögen geblieben. Und wer hat letztendlich davon profitiert? Und warum dann der Solidaritätszuschlag. War er in dieser Form überhaupt notwendig?
  • 12.10.2018, 16:37 Uhr
Mit einem Treuhandpfarrer an der Spitze.
Auch der Kalivertrag wurde beiseite geschafft und 4 Milljarden DM an die Regierung gezahlt damit alles reibungslos abläuft!
Und heute muß man fragen: ist die Flüchtlingsindustrie überhaupt notwendig?
  • 12.10.2018, 20:49 Uhr
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"Ich lasse mir Freude und Stolz nicht stehlen"
Das ist echt ne gute Überschrift. Mir geht das genauso und ich bin in dem "unfreien " teil Deutschlands aufgewachsen und lebe noch immer in meiner angestammten Heimat.
cIh und viel andere wollen kein zurück, wie oft unterstellt wird, aber auch keine sinnlose Einwanderung und Politik, die sich nich darum kümmert, wie es vielen Menschen geht.
Dass nach nun fast 30 Jehren im Osten noch immer so etwa 82% vom Westlohn gezahlt wird und das sogar bei oft noch längerer Arbeitszeit ist für mich ein Armutszeugnis der Regierung.
Renten sind auch noch nich angeglichen, aber Politier-Diäten schon und anderes - das ging sehr schnell.
Da sollte man sich nich wundern, wenn Menschen das auch mal übel finden und wütend werden, auch wenn ich persönlich jegliche Gewalt ablehne.
  • 04.10.2018, 14:40 Uhr
  • 04.10.2018, 17:59 Uhr
Der Warschauer Vertrag war nach 50 Jahren abgelaufen die Russen sind abgezogen und die Ami´s vertragswidrig hinterher!
Siehe Manöver in Litauen, Truppenverlegungen nach Polen usw.
Der Krieg in Jugoslawien wurde von Grün und Rot befürwortet!
Wo ist nun die Freie Welt? Ohne Krieg ist Sie Pleite !!
Fragt mal bei Willy Wimmer oder bei Daniele Ganser nach!
  • 12.10.2018, 20:42 Uhr
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Erst wenn der Souverän der Artikel 146 GG verlangt sind wir ein Volk.
Denn der 2+4 Vertrag (bis 2099) ist keine Verfassung.( siehe Ramstein und viele weitere Stützpunkte)
Grüße auch an G. Schröder und J. Fischer die den Jugoslawienkrieg genehmigt haben.
Daniele Ganser oder Willy Wimmer uva. sagen viel darüber.
  • 03.10.2018, 22:58 Uhr
ähm ... warst du mal in Sizilien?
dort gibts einen Luftwaffenstützpunkt von den Deutschen "Luftwaffe" Decimomannu ...
und die Nassau-Dietz-Kaserne im holländischen Budel wurde erst 1983 von der "Wehrmacht" aufgegeben ...
wenn man gedient hat, dann weiß man das ...

Ich verstehe die "Kritik" an unserer Verfassung nicht, sie ist neben dem Marshall Plan das Beste, war uns von den Amerikanern "aufgezwungen" wurde!
Schließlich wollten die Amerikaner 4 Jahre nach dem Krieg keine Deutschen, die plötzlich am 8.5. 1945 keine Nazis mehr waren, damit beauftragen eine demokratische Verfassung zu erstellen. Das hätte eben sowenig geklappt wie ein Schäferhund ungeeignet ist einen Wurstberg zu bewachen ...
  • 04.10.2018, 17:02 Uhr
Es ist an der Zeit das zu ändern! Sagt selbst die Verfassunggebende-Versammlung.de
  • 04.10.2018, 23:06 Uhr
Denn der 2.WK ist obne Friedensvertrag nicht zu Ende!
  • 04.10.2018, 23:32 Uhr
hm, meinst du?
ich finde, daß wir gut ohne Friedensvertrag in Frieden leben können.
Eigentlich ist doch klar, daß Deutschland nie einen Friedesvertrag bekommen wird.
Schließlich waren die Gebiertabtretungen völkerrechtswidrig ...
Und wer wird zum Beispiel die Polen zwingen wollen die ehemaligen deutschen Ostgebiete herauszugeben?
Denn die Russen werden nie und nimmer jene polischen Ostgebiete zurückgeben, die ihnen damals beim Nichtangriffspackt mit den Nazis von Hitler "geschenkt" wurde.
daher wird alles so bleiben wie es ist ... Deutschland bekommt keinen Friedenvertrag, Polen muß die völkerrechtswidrig annektierten ehemaligen Ostgebiete nicht wieder abtreten und die Russen behalten die ehemaligen polnischen Ostgebiete ...
ich kann damit sehr gut leben ...
  • 05.10.2018, 00:05 Uhr
Wie sagte Schäuble: Deutschland war nach dem Krieg zu keiner Zeit souverän.
  • 12.10.2018, 16:41 Uhr
Seit 1956 sind alle Wahlen illegal?
Wer steuert diese GmbH eigentlich? Sie darf auch keine Steuern erheben ?!
Denn sie ist ein Betrieb wie jeder andere auch.
Wie Herr Seehofer schon richtig sagte: die gewählt sind haben nichts zu entscheiden, und die entscheiden sind nicht gewählt!!
Grüße an die Bilderberger?
  • 12.10.2018, 20:17 Uhr
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Ich bin dankbar,dass Deutschland wieder ein Land ist.Ich sehe mit Besorgnis,dass die Einflüsse der DDR hier immer mehr wirken.Lassen wir uns das nicht gefallen!
  • 03.10.2018, 21:06 Uhr
was meinst du mit "Einflüsse der DDR"?
  • 03.10.2018, 21:39 Uhr
Befass dich mal mit der Historie der Kanzlerin.
  • 03.10.2018, 21:41 Uhr
ist die in Hamburg geborene Frau Kasner etwa die DDR?
  • 03.10.2018, 21:46 Uhr
Findest du es nicht eigenartig,dass eine ehemalige FDJ Funktionärin für Agitation und Propaganda heute Kanzlerin ist ?Nein Sie ist nicht die DDR.Die DDR war in einigen Dingen für die Menschen gut.Das darf man nicht vergessen.Nein,Merkel steht für die politische Elite der DDR.
  • 03.10.2018, 21:50 Uhr
nein, das verwundert mich nicht ...
denn schließlich schaffte es ein ehemaliger SA Mann als Bundespräsident gewählt zu werden ...
also warum soll da nicht eine FDJ Sekretärin Bundeskanzlerin werden?
übrigens, auch Frau Göring.Eckardt war FDJ Sekretärin ...
vielleicht wird sie und nicht Alice Weidel Merkels Nachfolgerin ...
Aber wenn schon ein Grüner, dann doch lieber ein Wessi ... Cem Özdemir ...
  • 03.10.2018, 21:56 Uhr
Und wenn Angela die heimliche Tochter von Chenon Kohn l ist?
  • 03.10.2018, 23:01 Uhr
sie war sein Mädchen, aber nicht seine Tochter ...
  • 05.10.2018, 00:10 Uhr
Mag sein, auf jeden fall ist sie Seelenverwand!
  • 05.10.2018, 08:09 Uhr
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Nach den zahlreichen Beispielen von 'Gejammere' über das. was 28 Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht so gut funktioniert, wie wir uns das wünschen würden, tut es gut, daran erinnert zu werden, welches ungeheure Glück unserem Volk, unserer Nation durch die friedliche Revolution zuteil geworden ist. Wir sollten uns wirklich davor hüten, dieses Glück leichtfertig aufs Spiel zu setzen, indem wir den noch bestehenden Unzulänglichkeiten zuviel Aufmerksamkeit gewähren.
  • 03.10.2018, 09:49 Uhr
Aber viele Ostdeutsche fühlen sich noch immer abgehängt - und oft auch zu recht. Wenn z. B. Siemens in Görlitz tatsächlich schließen würde, würde die Arbeitslosigkeit dort wieder über die 20% Grenze gehen.
Das sind nicht nur Unzulänglichkeiten, sondern echte Probleme.
  • 03.10.2018, 10:13 Uhr
Michail Sergejewitsch Gorbatschow war derjenige der den Stein ins Rollen brachte...und die, die in Berlin heute feiern sind nur Merkel Mitläufer !!
  • 03.10.2018, 12:00 Uhr
"Aber viele Ostdeutsche fühlen sich noch immer abgehängt - und oft auch zu recht."
Es ist leider kein Privileg der Ostdeutschen sich abgehängt zu fühlen, denn im Westen werden auch Fabriken geschlossen und die Fachkräfte die da auf den freien Arbeitsmarkt entlassen werden finden nur schwer eine Arrbeit.
Bestes Beispiel sind die Schlecker-Frauen ...
  • 03.10.2018, 13:02 Uhr
Stimmt - aber wenn die Arbeitslosigkeit wie sehr lang z. B. in Mecklenb.VB oder auch in Sachsen-Ost über 20 % liegt, dann ist es für die älteren AN gar nicht mehr möglich, Arbeit zu finden. Meine ehemaligen Mitschüler waren 1990 46 oder 47 Jahre alt. Von diesen hat ungefähr ein Drittel trotz großer Bemühungen außer ein paar ABM-Maßnahmen nie mehr Arbeit gefunden. Das wirkt sich natürlich auch auf die Rente aus.
Und kommt jetzt bloß nicht mit der Bemerkung, die hätten ja nach Westen übersiedeln können. Das hätte kaum ein Ostdeutscher mit dort üblichen engen Familienbeziehungen gemacht, wenn er Kinder in Ausbildung oder pflegebedürftige Eltern hatte.
  • 03.10.2018, 13:08 Uhr
Bei der Aufarbeitung dieses Themas kommt man leider sehr zum hätte, hätte Fahrradkette. Fakt ist, es gibt viele Dinge die so nicht hätten sein sollen.
Was vergangen ist können wir leider nicht mehr ändern.
Die Zukunft kann in den ostdeutschen Bundesländern gestaltet werden. Mit neuen innovativen Ideen. In Berlin gibt es eine junge start up scene die viele neue ideen haben. Junge Unternehmen werden gegründet. Soetwas wird auch in Mecklenburg Vorpommern gebraucht. Für die westdeutsche Industrie macht es meistens keinen wirtschaftlichen Sinn in Ostdeutschlandzu investieren.
Die Sanktionen gegen Russland sollten beendet werden. Das würde ostdeutschen Betrieben auch helfen. Arbeitsplätze könnten wieder entstehen.
  • 03.10.2018, 13:37 Uhr
"Das hätte kaum ein Ostdeutscher mit dort üblichen engen Familienbeziehungen gemacht, wenn er Kinder in Ausbildung oder pflegebedürftige Eltern hatte."

Existieren diese engen Familienbeziehungen 28 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer?
Oder hat man sich in Ostdeutschland an die Westverhältnisse angepaßt?
Ich erlebe es ständig, daß Kinder ihre Eltern, die im Altenheim auf ihren Tod warten vielleicht ein oder 2 mal im Jahr besuchen ...
  • 03.10.2018, 13:38 Uhr
Es ging mir darum ausschließlich um meine Generation, die heute ab 65-jähringen, und die haben ihre schlechten Erfahrungen möglicherweise an ihre Kinder weitergegeben.
Die Familienbande zerfallen leider auch dort.
  • 03.10.2018, 16:39 Uhr
Das hat aber nichts mit dem Thema Deutschland zu tun.
  • 03.10.2018, 21:09 Uhr
Wieso nicht, Beate? Das sind doch genau die Probleme, warum es nach 28 Jahren immer noch große Unterschiede gibt. Immer noch oder wieder - wie in einer gerade vorher gesehenen Sendung auf Phönix.
  • 03.10.2018, 21:21 Uhr
Ich kenne beide Systeme.Nach dem Studium habe ich den deutschen Pseudostaat verlassen.Wir waren immer ein Land,man hat über unsere Köpfe entschieden,das Land zu teilen.Mich hat nach der Wende die westdeutsche Arroganz verwundert,und heute kann ich mich mit der Ostalgie nicht anfreunden.Wir sind ein Land und ich bin stolz,dass wir das sind.Und übrigens,ich möchte in erster Linie Deutscher und erst dann Europäer sein.
  • 03.10.2018, 21:36 Uhr
Stolz bin ich nicht, ich wüsste nicht warum, ich kann ja nichts dafür, Deutsche und Europäerin zu sein.
Aber ich kenne auch beide Seiten. Bin im Osten Deutschlands zu Kriegsende geboren. Mein Vater war bis zu meinem 5 Lebensjahr in russischer Gefangenschaft, dann Antikommunist und fundamentalistischer Christ, aber sehr fleißig und ehrgeizig. Ich war in der Schulzeit sehr gern junger Pionier und glaubte alles, was man uns in der Schule erzählte.
Mit 14 fand ich mich im Westen wieder: Mein Vater hat uns geschnappt und vor dem Bau der Mauer die DDR verlassen. Dann begab ich mich in die Welt des schönen Scheins und des Konsums. Machte die Schule zu Ende, eine Lehre und einige Zeit Berufstätigkeit. Bis ich wieder in der DDR landete, auf Grund eines Verwandtenbesuches, bei dem sich ein junger Mann an mich ran machte und mir von der großen Liebe ins Ohr flüsterte. Ich war jung und naiv, kehrte mit 22 Jahren in die DDR zurück und landete bei einem Schaumschläger, der mich zwar heiratete und mich mit 2 Kindern segnete, aber nicht zum Ehemann taugte und nur seinen eigenen Vorteil im Kopf hatte. Nachdem ich geschuftet hatte, um seine Schulden zu bezahlen, die Kinder betreut, den Haushalt geführt und nur einen Angeber im Haus hatte, musste ich ihn rausschmeißen und allein für die Kinder und mich sorgen. Da kam mir die Ausreisemöglichkeit zu meinen Eltern sehr zu passe. Seit 1981 bin ich wieder in meiner neuen "alten" Heimat am Bodensee. Ich kenne also beides.
Mit der Ex-DDR verbinden mich noch viele Freundschaften. Und ich sehe die Entwicklung so, wie es die Bürger dieser Regionen sehen müssen, ich sehe sie so, was mir geblüht hätte, wenn ich dort geblieben wäre. Ich war Bilanzbuchhalterin im Handel, meine beste Freundin ebenso. Während ich in der BRD nach Weiterbildung eine gut bezahlte Stellung erhielt, wurde die HO, wo sie arbeitete, sofort nach der Wende aufgelöst - und wie sehr sie sich auch bemühte, sie bekam nie wieder eine neue feste Anstellung. Einmal war sie ganz begeistert. Man bot ihr eine Arbeit in der Archäologie an, sie hat sich richtig reingekniet - aber nach 2 Jahren waren die Ausgrabungen beendet und sie wieder arbeitslos. Das wirkt sich natürlich auch auf die Rente aus.

Die Ostdeutschen haben zwar die von Kohl versprochenen blühenden Landschaften, aber oft immer noch keine Perspektive. Sie fühlen sie wieder enteignet. Man hat ihnen ihre Perspektive gestohlen. In der Phönix-Sendung war heute einer der wenigen in der DDR geborenen Leitungskräfte im Interview. Dabei erfuhr ich, dass in Gesamtdeutschland nur 1.7 % der Leitungspositionen von Ostdeutschen besetzt sind; nicht weil diese zu dumm seien, wie sogar manche kolportieren, sondern weil nach der Wende die Treuhand, diese unselige Bande, alles Tortenstücke an Westdeutsche verteilt hat, und diese auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung nur ihre eigenen Leute nachholen. Die Ostdeutschen wurden also regelrecht enteignet.......
Ich habe jetzt viel Persönliches geschrieben.
Aber ich glaube, ich tue Recht daran, denn ich bin eine der wenigen, die beide Seiten kennt und versteht.
Ich verurteile den Rechtsradikalismus der Ostdeutschen (und natürlich auch der Westdeutschen) aber ich kann vieles verstehen. Es ist fast wie das, was die Europäer den Afrikanern von 150 Jahren angetan haben. Kolonien schaffen mit billigen Arbeitskräften, die nichts zu sagen haben.
  • 03.10.2018, 22:33 Uhr
  • 05.10.2018, 00:13 Uhr
Tommy, dass ich das noch erleben darf: Von dir ein
Vielen Dank!
  • 05.10.2018, 00:36 Uhr
ehrlich gesagt, mir ging es ähnlich, hatte nicht geglaubt jemals einen lesenswerten Beitrag von dir zu lesen ...
er ist nicht nur lesenswert, sondern deine Offenheit hat mich beeindruckt ...
  • 05.10.2018, 05:23 Uhr
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