Donald Trump - eine Zwischenbilanz
Donald Trump - eine ZwischenbilanzFoto-Quelle: bbc.co.uk

Donald Trump - eine Zwischenbilanz

Beitrag von wize.life-Nutzer

Donald Trump - eine Zwischenbilanz

Beinahe zwei Jahre sind vergangen, seit die Welt am Morgen des 9. November 2016 aufwachte und mit Erstaunen feststellen musste, dass etwas geschehen war, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: das US-amerikanische Wahlvolk hatte in demokratischer Abstimmung entschieden, die Verantwortung für die Geschicke des mächtigsten Staates der Welt (und damit der gesamten Welt) in die Hände eines Mannes zu legen, der sich bisher allenfalls durch persönliche wirtschaftliche Erfolge und durch großspurige Wahlversprechen hervorgetan hatte. Wie konnte das geschehen? War es ein 'politischer Unfall', ein Versehen also, oder das Ergebnis einer längeren Entwicklung?

Die Antwort auf diese Frage ist nur schwer zu finden. Vielleicht liegt sie in einem 'Sowohl als Auch'! Dazu im Folgenden ein paar Überlegungen:

Unfall?
Noch am Wahltag selbst, am 8, Nov. 2018 also, hielten eine Mehrzahl der Prognosen einen Sieg von Donald Trump für unwahrscheinlich. Zwar war von einem 'Kopf-an-Kopf-Rennen' die Rede, aber abgesehen von seinen Unterstützern traute kaum jemand diesem „bramarbasierenden Großmaul“ - wie ihn ein Teil der Weltpresse charakterisierte – zu, das Rennen zu machen.
Dass das Unerwartete dann doch geschah, ist den Eigenheiten des US-amerikanischen Wahlsystems zu verdanken: Trump erhielt zwar nur 46,09 % der Wählerstimmen (gegen 48,18 % für Hillary Clinton), doch eine Mehrheit der Wahlmänner von 304 zu 227. Die indirekte Wahl des Präsidenten über das Wahlkollegium machte es möglich, dass zum fünften Mal in der Geschichte der USA ein Präsident trotz einer Minderheit an Stimmen vom Wahlkollegium in sein Amt gewählt wurde.

Doch kein Unfall?
Ist der Wahlsieg des Donald Trump vielleicht eher ein Symptom von Krise und tiefgehender Verunsicherung, Symptom einer Verwilderung der politischen Kultur?. Ein Mann der noch nie zuvor ein politisches Amt innehatte, der einen extrem polarisierenden Wahlkampfstil gepflegt hat und dem wieder und wieder eklatante Widersprüche in seiner politischen Agenda nachzuweisen waren wird Präsident des wohl immer noch mächtigsten Land der Welt. Es fällt wahrlich nicht leicht, sich damit abzufinden, ohne zutiefst beunruhigt zu sein.
Ist Trumps Wahl etwa die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die schon vor Jahren begann. Ist Trump, wie viele seiner Kritiker meinen, Agent eines ungezügelten Kapitalismus, zunehmender Ungleichheit, zunehmenden Rassismus und Protektionismus? Ist vielleicht doch etwas dran an der Verschwörungstheorie, die besagt, dass eine noch im Geheimen agierende Clique ganz gezielt die Welt oder Teile davon in Unruhe versetzt, um durch eine perfide Strategie der Schock-Politik eigene Machtgelüste zu befriedigen? Ist Trump selbst etwa nur ein Rädchen im Getriebe einer globalen Bewegung, die ihre wahren Ziele noch geschickt zu kaschieren versteht, indem sie sich harmlose Namen zulegt, z.B. 'Alternative für Deutschland' oder der 'Alt-Right'-Bewegung in den USA? Es ist davon auszugehen, dass sich Rassisten und Nationalisten dieser Euphemismen bedienen, um rechtsextremistisches Gedankengut zu verschleiern und um es für ein breites Publikum akzeptabler erscheinen zu lassen.

Was tun? - Resignieren oder widerstehen?
Ist die beobachtete Entwicklung in den USA – aber nicht nur dort (siehe Polen, Ungarn, Russland, Italien u. anderswo) . ein unabwendbares Schicksal? Steuert unsere Welt insgesamt auf eine Katastrophe zu (siehe Klimakatastrophe)? Müssen wir uns damit abfinden, dass wir sowieso nichts mehr ändern können? Genügt es, zu protestieren, um negativen Einflüssen und Entwicklungen Einhalt zu gebieten?

Man könnte den Eindruck haben, die Welt befinde sich zur Zeit in einer Art Schockstarre angesichts der Ausbreitung dessen, was schon unter dem Namen 'Trumpismus' bekannt ist. Sicher ist es noch nicht zu spät, aus dieser Starre aufzuwachen, dem Trend etwas entgegenzusetzen, sich der eigenen Kräfte und Tugenden bewusst zu werden und das Ruder herumzureißen.

Wir Europäer, wir Deutsche, haben wahrlich keine Berechtigung, überheblich zu sein und den Rest der Welt belehren zu wollen. Wir sollten allerdings aus unserer Geschichte gelernt haben, wohin nationalistische Egoismen, Ausgrenzung, Isolationismus, Machtdenken, Rassismus usw. führen können. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können wir für andere Vorbild sein.