Vier Jahre Pegida oder die teilgesellschaftliche Sozialisation von Hass!

Beitrag von wize.life-Nutzer

"Der wütende Kleinbürger ist wieder zurück, das rätselhafte Wesen, das seine sozialen Ängste in lauter Aggressionen verwandelt." (Durs Grünbein in: https://www.tag24.de/nachrichten/dre...tzen-405529).

Am 20. Oktober 2014 veranstalteten die Organisatoren in Dresden einen ersten „Abendspaziergang“ gegen eine von ihr behauptete Islamisierung des Abendlandes. Diese Bewegung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ begannen als Facebook-Gruppe um den mehrfach vorbestraften Lutz Bachmann um Kathrin Oertel, Tom Balasz, René Jahn und andere über ein
Wobei es schon am 10. Oktober 2014 eine öffentliche Dresdner Kundgebung gab, wo die Teilnehmer noch eine gänzlich andere Intention aufwiesen - auf die Lage in der Kurdenstadt Kobane aufmerksam zu machen und sich gegen eine Beteiligung der Bundesrepublik an den Kriegen in Syrien und im Irak auszusprechen. Allerdings setzten sich sehr schnell Meinungen und Haltungen gegen Einwanderer und Migranten durch, was zum eigentlichen Hauptanliegen dieser Bewegung wurde und andere Anliegen – wie Fragen sozialer Gerechtigkeit, Alltagsprobleme und Abstiegsängste an den Rand drängten.

Pegida „mutierte“ zu einem teilgesellschaftlichen Container für Affektausgaben (Wut, Aggression, Hass, Neid, Unzufriedenheit) die in Fremdhass triviale „Feindbilder“ und das billige „Sündenbocksyndrom ausgelagert wurde um so Verwerfungen und soziale Schieflagen in der Gesellschaft als in den Globalisierungsdynamiken auf widerwärtigste Weise zu kompensieren. „Wir dürfen nicht übersehen, dass unsere Konsumsucht eine wesentliche Quelle wachsender sozialer Ungerechtigkeit und Ungleichheit ist.“ schreibt der Psychologe Hans Joachim Maaz (in der Aufsatzsammlung „PEGIDA - Rechtspopulismus zwischen Fremdenangst und »Wende«-Enttäuschung ...“, Hrsg von Karl-Siegbert Rehberg et. al,. erschienen 2016 im transcript Verlag) Aber genau diese Zusammenhänge wurden übersehen, ja mussten übersehen werden um ja niemals den eigenen Lebensstil in Frage und systemische Hintergründe einer neoliberalen Dynamik ergründen zu müssen.
Ein Teil der AfD-Wähler sei "politikmüde, sie lehnen das ganze parlamentarische System ab. Die großen gemeinsamen Probleme der Menschheit geraten so aus dem Blick" so Durs Grünbein und sagt weiter: "Die Uhren sollen sich rückwärts drehen, weil alles so undeutsch, vor allem: so unübersichtlich geworden ist. Es ist dieselbe Rückwärtsbewegung wie zurzeit in Polen, in Ungarn. Der Nationalismus kehrt als Gespenst nach Europa zurück“ und die Gespenster haben Gesichter die dann laut gröllen wenn man den Fluchtrettungsschiffenlaut zuruft: "Absaufen! Absaufen“ oder wenn sich ein Akif Pirinçci versteift zu sagen: „Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZ sind ja leider derzeit außer Betrieb.“
In Gesamtsicht wird folgendes deutlich zu machen sein: Auch wenn Pegida sich eigentlich als eine „alte Bewegung“ bestehend aus überwiegend „weißen Männern über 50“ (Katharina Trittel vom Göttinger Institut für Demokratieforschung) manifestiert so schuf und schafft diese Bewegung eine Reihe von Narrativen die Fremdenhass, einen tumben Nationalismus und Rassismus in der Gesellschaft quasi sozialisierten wobei allerdings die eigentliche Signifikanz in einer Entgrenzung des Sagbaren und einer Ausgrenzung des Menschlichen liegt.

Ein Aspekt hat sich damit bestätigt – wie es Friedrich Schorlemmer schon am 20.12.2014 in einem DLF – Interview zu den Pegiden ausformulierte: „Das Tumbe, was sich darin ausdrückt, muss auch tumb genannt werden, das Dumme muss auch dumm genannt werden. Hier sammelt sich der aufgerührte Sud der Gesellschaft, und der muss wieder zum Bodensatz werden. Aufklären lässt sich das kaum.“ (das ganze Interview: https://www.deutschlandfunk.de/pegid...e_id=307037)

Und dieses Tumbe gefährdet schlicht und ergreifend die Demokratie, nicht weil es eine Meinung vertritt, sondern weil es jenes Recht mit Füßen tritt, das höher als jede Freiheit zu bewerten ist: Die Menschenwürde.