► Video

Steigerung des Rentenalters schon bald Realität? Renten-Experte gibt düstere Prognose ab

News Team
Beitrag von News Team

Am gestrigen Montag haben Rentenexperten im Bundestag Stellung zum Rentenpaket der Großen Koalition genommen. Während Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) das neue Paket zuletzt als "wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft" gelobt hatte, fällten Rentenexperten laut "Bild" eher ein vernichtendes Urteil:

Die Pläne der Regierung seien UNFINANZIERBAR, UNGERECHT und eine GIGANTISCHE BELASTUNG für die Jungen.

VIDEO! Renten-Schock: Die Pläne der GroKo sind unfinanzierbar

+++ Artikel: Bericht: 2019 sollen Rentner bis zu 4 Prozent mehr Rente bekommen +++

So warnte Deutschlands führender Rentenexperte Prof. Dr. Axel Börsch-Supan vom Münchner MEA-Institut in der "Bild": Wenn das Rentenniveau wie geplant nicht unter 48 Prozent sinken und der Rentenbeitrag nicht über 20 Prozent steigen soll, kostet das im Jahr 2025 schon elf Milliarden Euro zusätzlich, 2060 sogar gigantische 180 Milliarden Euro mehr – im Jahr!

Pest oder Cholera: Hohes Rentenalter oder massive Steuer-Erhöhungen

Um das überhaupt zu finanzieren zu können müsste die Mehrwertsteuer von aktuell 19 Prozent bis 2025 auf 22 Prozent steigen, bis 2060 sogar um mehr als zehn Prozentpunkte auf über 29 Prozent. Damit derartige Steuererhöhungen vermieden werden können, gibt es zwei Alternativen:

  • 1. Das Rentenalter müsste bis 2030 auf 69 Jahre, bis 2060 auf über 72 Jahre steigen.
  • 2. Rentenbeiträge müssten von aktuell 18,6 Prozent auf knapp 28 Prozent steigen.

Beides ist Wahnsinn!

Börsch-Supan schlägt daher eine Kombination aller Maßnahmen vor, um die Mehrbelastung erträglicher zu gestalten. Demnach würde die Mehrwertsteuer auf knapp 21 Prozent steigen, der Rentenbeitrag auf bis zu 23,5, Prozent und das Renteneintrittsalter läge bei 69 Jahren.

So oder so, sind die Jungen die Leidtragenden: Sie müssen deutlich länger Arbeiten und mehr Steuern und Beiträge zahlen, damit die alternde Gesellschaft finanziert werden kann.

Sozialverband warnt: Ärmere Senioren benachteiligt

Auch der Sozialverband VdK übt Kritik an den Renten-Plänen der Regierung. Präsidentin Verena Bentele warnt vor einer Benachteiligung ärmerer Senioren bei der Mütterrente. "Es ist unerträglich, dass bedürftige Rentnerinnen die geplanten Verbesserungen bei der Mütterrente vollständig mit der Grundsicherung verrechnen müssen", sagte sie dem "Spiegel".

Für die betriebliche und private Vorsorge existiere bereits ein ähnlicher Freibetrag. Es sei "nicht gerecht fertigt, dass diese Regelung nicht auch für Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung gilt".


Der Sozialverband fordert daher einen monatlichen Freibetrag von 208 Euro in der Grundsicherung, damit betroffene Senioren den Rentenzuschlag auch tatsächlich behalten dürfen.

Die GroKo will Eltern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, von Januar an ein weiteres halbes Jahr an Erziehungszeit bei der Rente gut schreiben. Damit wird die Altersversorgung um rund 16 Euro im Westen und 15 Euro im Osten pro Monat erhöht. Laut Bundesregierung betrifft diese Regelung zehn Millionen Menschen.

Private und betriebliche Vorsorge soll Pflicht werden

Und auch Deutschlands Ökonomen sehen das neue Renten-Paket kritisch. Das geht aus einer ifo-Umfrage hervor.

Niklas Potrafke vom Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) sagt: "Viele Kollegen sind um die Finanzierung des Rentensystems besorgt." Eine sehr häufig empfohlene Maßnahme sei, das Renteneintrittsalter deutlich anzuheben – rund 38 Prozent sprechen sich für ein Rentenalter zwischen 68 und 70 Jahren aus.

Der größte Kritikpunkt sind die vermeintlich leeren Versprechungen der Regierung an die alternde Bevölkerung. Viele dieser Versprechen seien finanziell schwer haltbar und würde vor allem die jüngeren Generationen enorm belasten.

Die Ökonomen sind davon überzeugt, dass der Staat alleine, Altersarmut in der Zukunft nicht verhindern kann. Daher spricht sich fast jeder Zweite dafür aus, dass neben der gesetzlichen Rente auch eine private oder betriebliche Altersvorsorge für jeden zur Pflicht werden soll.

10115 Berlin auf der Karte anzeigen:
Hier klicken um Karte zu öffnen